Jugendliche lernen bei Ausflug zur Burg Vogelsang

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Werde ich gehalten? Jugendliche lernen was Vertrauen bedeutet und klettern eine Leiter hoch, die ihre Klassenkameraden festhalten.
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Langerwehe. Eine Gruppe junger Menschen hält eine Leiter fest, die in die Luft führt. Ein Jugendlicher klettert bis ans Ende hoch und an der anderen Seite wieder herunter. „Die Mutprobe“ funktioniert nur auf der Basis von Vertrauen. Sie stärkt die Zusammengehörigkeit innerhalb der Gruppe, der einzelne kann sich auf seine Freunde verlassen.

Der Pädagogik-Leistungskurs der Europaschule Langerwehe führte diese Übung im Rahmen eines Projekttages auf dem Gelände der NS-Ordensburg Vogelsang durch. Eine erlebnispädagogische Übung auf einer NS-Ordensburg – warum das?

Die Übung und andere pädagogische Elemente waren in der NS- Zeit ein wichtiger Bestandteil der Verführung Jugendlicher, etwa in der HJ, aber auch in der Ausbildung des Kadernachwuchses. Auf der NS-Ordensburg Vogelsang wurden unter anderem so genannte „Junker“, also ein Teil der späteren Verwaltungselite des NS- Apparates, ausgebildet.

Eine wichtige Erkenntnis an diesem Tag: Zu welchem Zweck und mit welcher Zielsetzung erzogen wird, hängt wesentlich von den Rahmenbedingungen einer Gesellschaft ab. Wünscht man heutzutage das Individuum zu stärken, Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung behutsam heranzubilden, so ging es in der NS- Zeit darum, Individualität zu vernichten, den eigenen Willen zu brechen. Der Mensch sollte als gleichgeschaltetes Wesen in der „Volksmasse“ aufgehen.

Und – eine weitere Erkenntnis: „Vogelsang ist definitiv ein Täterort“, so der Leiter des Projekttages, Thomas Willems. Dort wurden Menschen dazu abgerichtet, hart und gnadenlos zu sein, eigene Gefühle zu unterdrücken und diese Härte gegenüber anderen Menschen auszuleben.

Im Rahmen ihres Studientages machten die 13 Schülerinnen und Schüler des Pädagogik-Kurses an diesem Tag allerdings eine positive Erfahrung mit den erlebnispädagogischen Elementen im Hinblick auf die eigene Gruppe. Niemand wurde zu einer Übung gezwungen. jeder konnte „nein“ sagen. Sich dieses „Nein“ zuzutrauen, darin besteht heute eine mögliche Stärke des Individuums.

Das ist allerdings ein ganz anderer Mut als derjenige, der auf die Unterwerfung unter eine höhere Instanz folgt.

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