Düren - Jüdischer Gebetsraum: Ein Ort zum Beten, Diskutieren, Feiern

Jüdischer Gebetsraum: Ein Ort zum Beten, Diskutieren, Feiern

Von: Sandra Kinkel
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Gäste der Eröffnung des Gebetsraumes waren Landesrabbiner Dr. Walter Rothschild, Dr. Dirk Christian Siedler und Hans-Otto von Danwitz (von rechts).

Düren. In den 30er Jahren hatte die jüdische Gemeinde in Düren rund 350 Mitglieder, an der Schützenstraße stand eine große Synagoge, die in der Reichspogromnacht komplett zerstört war.

Heute gibt es in der Rurstadt keine eigene jüdische Gemeinde mehr, seit einigen Tagen aber immerhin wieder einen jüdischen Gebetsraum. Peter Becker (Name von der Redaktion geändert) ist vor einigen Jahren zum jüdischen Glauben konvertiert, er stellt eine Etage seines Hauses als Begegnungszentrum zur Verfügung. „Ich verstecke meine Religion nicht“, sagt Peter Becker. „Aber ich weiß von Fällen, wo Juden belästigt worden sind. Ich bin vorsichtig.“ Deswegen soll auch sein richtiger Name nicht veröffentlicht werden.

Peter Becker schätzt, dass etwa „zwei Handvoll Juden“ im Dürener Land leben. Er selbst gehört zu einer kleinen, liberalen Gemeinde in Köln. „Einige der Dürener Juden“, sagt er, „gehören auch zur orthodoxen Aachener Gemeinde.“ Der neue Gebetsraum hat nicht das Ziel, eine neue jüdische Gemeinde in Düren aufzubauen. Peter Becker: „Das ließe sich, glaube ich, nur sehr schwer realisieren. Und wäre auch demografischer Wahnsinn. Wir wollen die Erinnerung an die Dürener Synagoge zwar aufrecht erhalten, aber wir wollen keine neue Synagoge eröffnen.“ Das, so der Jude weiter, sei schon allein deswegen möglich, weil es in dem neuen Gebetsraum keine Torarolle gibt. „Grundsätzlich können Menschen jüdischen Glaubens aber eigentlich überall beten.“

Was Peter Becker vielmehr will, ist einen Ort der Begegnung schaffen. „Wir wollen mit diesem multifunktionalen Gebetsraum auf rein privater Basis“, so Becker, „die räumlichen Rahmenbedingungen für Juden schaffen, um sich in einem geschützten Raum zu treffen. Und zwar unabhängig davon, ob sie orthodox oder liberal eingestellt sind.“ Viele der Juden aus dem Dürener Land würden sich schon heute untereinander kennen. „Vielleicht gelingt es ja, diesen Kontakt zu intensivieren.“ Es sei beispielsweise ein jüdisches Gebot, sich lebenslang mit der Tora auseinanderzusetzen. Becker: „Dazu braucht man viele Bücher und einen großen Tisch. Beides haben wir hier.“

Derzeit bereitet Peter Becker sich auf das Pesssach-Fest vor. „Das feiern wir zwar in diesem Jahr mit einem koscheren Essen und Gebeten in unserer Kölner Gemeinde. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass wir demnächst auch hier jüdische Feste feiern.“

Bei der Eröffnung des jüdischen Gebetsraumes hat Landesrabbiner eine Mesusa, also eine Schriftkapsel, an den Türpfosten des Gebetsraums gehängt. Ebenfalls bei der Einweihung mit dabei waren der katholische Pfarrer Hans-Otto von Danwitz und sein evangelischer Kollege Dr. Dirk Christian Siedler. „Es ist mir wichtig“, so Peter Becker, „auch den Kontakt zu anderen Religionen zu pflegen und über das Judentum zu informieren. Ich habe erst kürzlich mit einer Gruppe Firmlinge über das Judentum diskutiert.“ Für Peter Becker ist es entscheidend, dass der neue Gebetsraum jetzt möglichst schnell mit Leben gefüllt wird. „Es ist so viel denkbar“, sagt er. „Es liegt an uns, dass wir etwas daraus machen.“ 

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