Düren - Jubiläum: 50 Jahre Rurtalwerkstätten

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Jubiläum: 50 Jahre Rurtalwerkstätten

Von: Sandra Kinkel
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Montagearbeiten sind ein wichtiges Standbein in der Arbeit der Rurtalwerkstätten. Vor 50 Jahren haben zwölf Mitarbeiter an der Veldener Straße begonnen.
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Carmen Breuer (39) arbeitet seit 20 Jahren in den Rurtalwerkstätten. Derzeit ist sie in der Küche beschäftigt.

Düren. Vor genau 50 Jahren, ein Jahr nach Gründung der Lebenshilfe, sind in Düren die Rurtalwerkstätten (RTW) als „beschützende Werkstatt“ für Menschen mit einer geistigen Behinderung gegründet worden.

„Die Rurtalwerkstätten sind ein Wirtschaftsunternehmen“, sagt Geschäftsführerin Sabine Pinkerneil (36). „Aber ein Wirtschaftsunternehmen mit Sonderstatus.“ Heute ist das Unternehmen mit 1050 Mitarbeitern (davon 840 betreute Beschäftigte) nach dem Krankenhaus Düren der zweitgrößte Arbeitgeber an der Rur. „Natürlich“, so Sabine Pinkerneil, die seit vier Jahren an der Spitze der RTW steht, „ist es wichtig, dass wir immer auf die Bedürfnisse unserer betreuten Mitarbeiter eingehen.

Aber es ist genauso wichtig, dass wir unsere Arbeitsprozesse optimieren und unsere Erlöse steigern.“ Das gelingt beispielsweise, indem ein Vertriebsleiter eingestellt wurde, der sich nur darum kümmert, Aufträge zu akquirieren. Und indem Ferienfreizeiten und arbeitsbegleitende Maßnahmen reduziert werden. Pinkerneil: „Wir können nur noch fünf Fahrten im Jahr anbieten. Die Maßnahmen sind sehr Betreuungsintensiv, und wir brauchen unsere betreuten Mitarbeiter natürlich auch ganz stark im Produktionsprozess.“

Eine, die seit 20 Jahren in den RTW arbeitet, ist Carmen Breuer (39). Im Augenblick kümmert sie sich in der Küche um die Essensaugabe, hilft aber auch beim Kochen und im Service. „Ich habe auch einmal im Altenheim gearbeitet“, erzählt Frau Breuer. „Aber das war mir irgendwann zu stressig.“

Wer in den RTW arbeiten möchte, darf keinen Intelligenzquotienten haben, der höher ist als 69. Sabine Pinkerneil: „Menschen mit einem IG von 70 bis 85 gelten als lernbehindert. Aber die finden natürlich trotzdem auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum eine Stelle.“

Neben den Menschen mit geistiger Behinderung sind es zunehmen psychisch Kranke, die in den RTW beschäftigt werden. Pinkerneil: „Wir haben beispielsweise immer häufiger Drogenabhängige oder Ex-Junkies, die unter Psychosen leiden und hier arbeiten.“ Für diese Menschen entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Glashütte ein Berufsbildungszentrum mit 35 Plätzen.

Natürlich ist Inklusion auch für Sabine Pinkerneil und ihr Team ein großes Thema. Sabine Pinkerneil: „Wir müssen nach Absprache mit unseren Kostenträgern, also dem Landschaftsverband Rheinland und der Arbeitsagentur, versuchen, einige unserer Mitarbeiter auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Aber das gelingt wirklich nur in den seltensten Fällen.“

Inklusion bedeutet für Sabine Pinkerneil aber längst nicht nur die Vermittlung von behinderten Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt. „Inklusion bedeutet für mich, dass wir auch unsere Werkstatt öffnen, die Außenwelt zu uns holen.“ Und Integration bedeute, so die studierte Betriebswirtin und Psychologin weiter, dass auch die 120 Menschen mit besonders schweren und mehrfachen Behinderungen und die älteren Mitarbeiter der RTW in den Arbeitsprozess integriert werden.

„Die Werkstatt“, sagt Sabine Pinkerneil, „ist für die meisten unserer betreuten Mitarbeiter ein Stück Heimat. Viele arbeiten hier nicht nur, sondern sie haben hier auch ihre Freunde.“ Das ist bei Carmen Breuer ganz genau so. „Ich habe meinen Freund in der Werkstatt kennengelernt. Ich fühle mich hier wohl.“

Fast alle arbeiten länger

Dass die behinderten Menschen gerne bei den RTW arbeiten, zeigt auch die Tatsache, dass viele länger arbeiten, als sie eigentlich müssen. Sabine Pinkerneil: „Nach 20 Jahren bekommen unsere Mitarbeiter eine Rente. Aber fast alle bleiben hier und arbeiten weiter.“

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