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Jeden Tag müssen Tausende seiner Mitarbeiter sterben

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
Imker Frank Schmutzler mit ein
Imker Frank Schmutzler mit einem Bienenstock. Foto: Guido Jansen

Düren. Das Massensterben ist für Frank Schmutzler Alltag. Jeden Tag sterben Tausende seiner Mitarbeiter. „Das ist ganz normal”, sagt der einzige hauptberufliche Imker in Düren.

Eine Bienen-Königin legt bis zu 2000 Eier pro Tag. Genau so viele fleißige Bienen sterben pro Tag pro Volk. Das ist nicht der Grund, warum der Mann aus Birgel über den Winter die Hälfte seiner Völker verloren hat. 90 Stück sind übrig geblieben.

Die Bienen haben stark mit dem immer unbeständiger werdenden Klima zu kämpfen. Wer jetzt denkt, dass der strenge Winter mit dem vielen Schnee die Ursache ist, der irrt. Ein langer, kalter Winter macht den Bienen nämlich nichts aus. „Das Problem war der wechselhafte Sommer im vergangenen Jahr”, so Schmutzler. Der vergangene August sei kalt und trocken gewesen. Ausgerechnet, als die Bienen kaum noch Honig sammelten, sondern anfingen zu brüten, war das Wetter schlecht. Frank Schmutzler konnte seine Mitarbeiter nicht vor dem Milbenbefall schützen. Varroa-Milbe heißt der größte Feind der Honig-Lieferanten.

Bienen-Profi Schmutzler und die rund 160 Hobby-Imker im Kreis Düren bekämpfen die Milbe mit Ameisensäure. Im vergangenen Spätsommer war es zu kalt, die Säure konnte nicht in dem gewünschten Maß verdampfen und die Milben abtöten.

Jetzt macht die Witterung den Imkern wieder zu schaffen. Das Frühjahr ist warm und trocken. Das hat erstens zur Folge, dass die Pflanzen schlechter wachsen. Also haben die Bienen weniger zu ernten. Zweitens sehen sich die schwarz-gelben Arbeitstiere im Moment einem Überangebot entgegen.

„In diesem Jahr blühen viele Pflanzen gleichzeitig, die normalerweise hintereinander an der Reihe sind”, hat Schmutzler ein weiteres Klima-Problem festgestellt. Allergiker dürften wissen, wovon der Imker spricht. So häufig wie in diesem Jahr hat der Diplom-Biologe noch nicht beobachtet, dass große Blütenstaubwolken durch die Lande ziehen.

„Den Bienen ist das egal. Den Kunden aber nicht”, spricht Frank Schmutzler von der nächsten Baustelle. Reinen Löwenzahn-, Akazien-, Raps- oder Linden-Honig wird es in diesem Jahr kaum geben. Misch-Honig ist überwiegend im Angebot. Den muss Schmutzler zu einem niedrigeren Preis verkaufen. Entweder beim Direktverkauf oder bei der Abgabe an Hof-Läden in der Gegend. Den Großhandel beliefert der Vorsitzende des Kreisimkerverbands Düren nicht. Teilweise können die Imker gegensteuern, weil sie ihre Völker gezielt dort aufstellen, wo eine Blüte vorherrscht.

Neben dem schwieriger werdenden Klima haben die Imker kaum eine Chance gegen ein zweites Problem: Vandalismus. „Es passiert leider immer wieder, dass jemand die Kästen umstößt”, erzählt Frank Schmutzler. Zuletzt hat ihn das etliche Völker gekostet. Die Milbe ist der größte Feind der Biene, der Imker kämpft gegen das Wetter und den Menschen. „Noch ein solches Jahr wäre verheerend”, hofft der 48-jährige Familienvater auf bessere Zeiten.

Frank Schmutzler ist optimistisch. Denn seine 90 Völker sammeln derzeit fleißig. „Und auf ein schlechtes Jahr folgt immer ein besseres”, erzählt er aus 20 Jahren Berufserfahrung.
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