Ist Nachhilfeunterricht sinnvoll? Schulleiter aus der Region antworten

Von: Sandra Kinkel
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Ist Nachhilfe wirklich sinnvoll? Nach den Halbjahreszeugnissen stellen sich vermutlich viele Eltern diese Frage. An vielen Schulen in Düren helfen ältere Schüler jüngeren Kindern. Foto: stock/Arco Images

Düren. Zuerst die gute Nachricht: Bis zu den Sommerferien und dem Versetzungszeugnis ist noch jede Menge möglich. Und trotzdem denken viele Eltern wenige Tage nach dem Halbjahreszeugnis doch darüber nach, ihren Sprössling zum Nachhilfeunterricht anzumelden. Aber ist das wirklich sinnvoll? Die „DN“ haben Schulleiter aus der Region nach ihrer Meinung gefragt.

„Unterstufenschüler“, sagt Jürgen Pfaff, Schulleiter des Stiftischen Gymnasiums in Düren, „die mit dem Halbjahreszeugnis die Versetzung nicht geschafft hätten, bekommen ab sofort einen individuellen, auf sie abgestimmten Förderplan. Das ist eine neue Regelung für Gymnasien.“ Der Klassenlehrer führe gemeinsam mit dem Schüler und dessen Eltern ein Beratungsgespräch. „Dabei werden konkrete Maßnahmen vereinbart. Und diese Vereinbarung wird von allen drei Parteien unterschrieben. Sie ist verbindlich.“ Ob das Kind den Förderplan mit konkreten Aufgaben allein oder mit einem Nachhilfelehrer erarbeitet, ist individuell verschieden. Pfaff: „Es gibt an unserer Schule auch ein Schülercoaching. Das heißt, dass ältere Schüler den jüngeren helfen.“

„Am Wichtigsten ist“, sagt Heinz Moll, Schulleiter an der Europaschule Langerwehe, „dass Nachhilfe überhaupt nicht erteilt werden muss.“ Deswegen gäbe es an seiner Gesamtschule, so Moll, so genannte Förderkurse. „Die schwächeren Schüler werden speziell gefördert. Die Besseren extra gefordert.“

Wenn die Eltern ihr Kind trotzdem zur Nachhilfe anmelden wollten, so Moll weiter, solle das unbedingt in direkter Absprache mit der Schule passieren. Moll: „Nachhilfe macht – wenn überhaupt – nur dann Sinn, wenn der Nachhilfelehrer Lehrpläne und Unterrichtsinhalte kennt.“ Das erste Halbjahr, ergänzt der Langerweher Schulleiter dann noch, sei aber ziemlich kurz gewesen. „Bis zu den Sommerferien ist noch viel Zeit. Da können Kinder noch ganz viel Stoff aufholen.“

Das sieht Hermann-Josef Geuenich, Schulleiter an der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Düren, ganz ähnlich. „Ich kenne Schüler, die sind richtige Saisonarbeiter. Die fangen erst im zweiten Schulhalbjahr so richtig an.“

Tägliche Hausaufgabenbetreuung

Auch an der Hauptschule Burgauer Allee ist Nachhilfeunterricht ein großes Thema. Schulleiter Stefan Wernerus: „Wir bieten für unsere Schüler der Klassen fünf bis sieben jeden Tag eine 90-minütige Hausaufgabenbetreuung an. Aber es gibt immer wieder den Fall, dass unsere Kinder eine professionelle Nachhilfe brauchen. Und das hilft dann meistens auch.“ Für die Schüler der Klassen neun und zehn, so Wernerus, sei es ideal, wenn Oberstufenschüler von Gymnasien den Ergänzungsunterricht übernehmen würden. „Wir helfen unseren Leuten auch“, so Wernerus, „geeignete Nachhilfelehrer zu finden.“

Sogar an Grundschulen gibt es Kinder, die bereits im dritten und vierten Schuljahr Nachhilfeunterricht bekommen – auch, um fit für das Gymnasium zu werden. Wolfgang Franz vom Grundschulverbund Winden/Obermaubach: „Ich weiß von zwei Kindern, die zu einem Nachhilfeinstitut gehen. Aber das ist hier bei uns wirklich die Ausnahme.“ Grundsätzlich, so Franz weiter, könne aber Nachhilfeunterricht schon unterstützend sein. „Immer vorausgesetzt, er findet in enger Absprache mit der Schule ab.“

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