Ist Kauf im Internet Fluch oder Segen?

Von: Ottmar Hansen
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Uwe Gunkel, Vize-Vorsitzender der Dürener IG City, sieht die Entwicklung weg vom persönlichen Einkauf im Laden hin zum Kauf im Internet eher mit Sorge. Foto: Ingo Latotrzki
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Josef Heuts (links) und Gero Federau verkaufen ihre Badmintonschläger im Dürener Laden genau so wie im Internet.

Düren. Der Einzelhandel in Düren steht vor einem dramatischen Wandel, den es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich gravierend verändert. Immer mehr ordern ihre Waren über das Internet und setzen kaum noch einen Fuß in den Laden vor Ort.

„Für einen Großteil der Kollegen ist das Internet ein Fluch, für einige wenige aber auch ein Segen“, sagt Uwe Gunkel, Vize-Vorsitzender der IG City.

Der Einzelhandel habe ohnehin mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen, so Gunkel. Er rechnet vor: Schon jetzt liege die Umsatzrendite eines kleinen Ladens in der City bei 0,5 bis zwei Prozent. Gunkel: „Von 100 Euro Umsatz bleibt ein Gewinn von einem bis zwei Euro, und die müssen noch versteuert werden.“ Der Kunde habe wegen zuletzt stetig sinkender Reallöhne immer weniger Geld in der Tasche, das er ausgeben könne. Und das, was er ausgeben kann, lässt er zunehmend im Internet. Gunkel: „Das bringt das Fass zum Überlaufen.“

Angesichts dieser Entwicklung malt das Vorstandsmitglied des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes (EHDV) Aachen-Düren-Köln ein dunkles Zukunftsszenario für die Städte: Immer mehr leer stehende Ladenlokale, kein Leben mehr in der Stadt, weniger Jobs, geringere Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt, entsprechend geringere Mittel für die Unterstützung der Vereine oder den Ausbau von Kindergartenplätzen.

EHDV-Geschäftsführer Jörg Hamel aus Düren sieht ebenfalls das starke Wachstum beim Vertrieb über das Internet. Er sagt aber auch: „Von den 1000 erfolgreichsten Online-Händlern kommen zwei Drittel aus dem stationären Handel. Fast jeder Händler hat schließlich die Chance, auch das Netz für seinen Verkauf zu nutzen.“ Diesen Weg hat Josef Heuts, Inhaber von „Sport Lövenich“, längst eingeschlagen: „Wir fahren zweigleisig.“ Online verkauft Heuts seine Badminton-Artikel europaweit, wer will, kann Schläger oder Bälle aber auch vor Ort im Dürener Laden vor dem Kauf in die Hand nehmen und ausprobieren. Heuts: „Manchmal wird vom Kunden im Internet eine Vorauswahl getroffen und zum Kauf kommt er dann in den Laden. Es geht aber auch umgekehrt.“ In jedem Fall müsse natürlich der Preis stimmen. Schon seit einigen Jahren „zweigleisig“ fährt übrigens auch das Bekleidungsgeschäft „Stoffwechsel“ in der Hirschgasse. Täglich verlassen etliche Kartons mit online bestellter Ware das Haus.

Langfristig, so schätzt Hamel, kehrten die Kunden vermutlich zum Einzelhandel vor Ort zurück: „Den Tante Emma-Laden kannte jeder im Dorf. Er wurde abgelöst von dem anonymen großen Supermarkt. Aber der große Zuspruch der sozialen Netzwerke im Internet zeigt, dass der Mensch wieder Kontakt und persönliche Gespräche sucht.“

Hier sieht IG City-Vorsitzender Rainer Guthausen auch die Chance seiner Kollegen in der Stadt. „Wir müssen den besten Service bieten, die Freundlichkeit in Person sein.“ Für Uwe Gunkel liegen die Vorteile des stationären Einzelhandels auf der Hand: „Hier kann der Kunde die Ware begutachten, sie probieren und sofort mit nach Hause nehmen. Außerdem hat er eine persönliche Anlaufstelle, wenn es um Fragen zur Funktion des Artikels oder den Umtausch geht.“

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