Düren - Intelligenter Sprachwitz anstelle von Plattheiten

Intelligenter Sprachwitz anstelle von Plattheiten

Von: has
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Erwies sich im „Komm” einmal mehr als Meister des leisen Humors: Wendelin Haverkamp. Foto: H.Schmitz

Düren. Es war ein Abend der leisen Töne. Kabarettistisches Florett statt Säbel-Comedy, Sprachwitz anstelle von Plattheiten. Der Aachener Kabarettist Wendelin Haverkamp gastierte im sehr gut besuchten „Komm”-Zentrum mit seinem Programm „Denken ist Glücksache”, entpuppte sich als hintersinniger, tiefsinniger Wortakrobat, der auf den Kopf zielte und dabei nicht das Zwerchfell verfehlte.

Intelligente Komik und köstlicher Witz, alles garniert mit einer Prise Satire bescherten dem Publikum einen vergnüglichen Abend, das den Künstler nicht von der Bühne lassen wollte. Haverkamp ließ die Zuhörer auf eine unnachahmliche Art an seinen Einsichten, Aussichten, Erkenntnissen und Wahrheiten teilnehmen.

Kaum Zeit blieb, um alle Spitzfindigkeiten zu verdauen, die Lust an seinem Spiel mit den Wörtern nach zu empfinden. Da teilte er seine Auffassung von Sport mit, lehnte viele Sportarten ab, setzte vielmehr auf „Gung”, was sich, wie er verschmitzt erklärte mit Betonung auf der ersten Silbe aus dem „chinesischen Be-we-gung” ableitet. Walker waren auch nicht sein Ding. Für ihn sind es „Leute, die es nicht erwarten können, bis sie zu ihrem Gehwägelchen kommen”.

„Wer nicht lügt, weiß nichts”

Von den Beinen zum Kopf. Die Hirnstruktur hatte es ihm angetan, im Visier die Neurobiologen. Was bewirkt Lügen? Sein Fazit: „Lügen ist eine Höchstleistung der menschlichen Gehirntätigkeit, denn wer am besten lügt, kommt der Wahrheit oft am Nächsten. Wer nicht lügt, der weiß auch nichts.”

Schon kommt der Schlenker zur „Lage an der pädagogischen Front”, der Begriff „Lebenslanges Lernen” wird seziert und das Thema „Angst” wird auf die Frage fokussiert: „Kann man sich vor das Schäuble schützen?”

Wendelin Haverkamp stichelte, lästerte übers Handytelefonieren im Zug-Zugfahren („War noch nie so interessant, man erfährt viel”), erklärte die Finanzkrise anhand eines Leberwurstbrötchen („Dieser Wurst sieht man das Schwein nicht an”), machte sprachlich und pantomimisch einen Ausflug ins Seniorenheim („Mit dem Sex klappt es noch ganz gut, wenn meine Frau nicht wäre”), ließ die Ballade vom Polizeihund erklingen, erläuterte die „Pingel-Skala”, auf der die Deutschen sowohl oben wie unten stehen.

Immer wieder lockerte er sein Programm mit Liedern auf der Gitarre auf, mal rockig mal bluesig, bei denen er von Freddy Matulla begleitet wurde, und sang spitzfindige, wortklauberische Texte.

Es war ein Abend der Extraklasse im „Komm”, Wendelin Haverkamp bot literarisches Kabarett vom Feinsten.
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