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Inklusion: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Behinderte und nicht-behinderte Kinder sollen ab dem kommenden Schuljahr gemeinsam unterrichtet werden.

Düren. Der Titel klingt ziemlich langweilig. Aber mit dem „9. Schulrechtsänderungsgesetz“ setzt das nordrhein-westfälische Schulministerium die UN-Behindertenrechtskonvention in Schulen um. Und stellt damit die Verantwortlichen in den Schulämtern von Stadt und Kreis Düren vor eine große Aufgabe.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Schüler mit und ohne Behinderungen in der Regel in allgemeinen Schulen gemeinsam unterrichtet werden sollen.

Eltern von Kindern mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung soll künftig grundsätzlich mindestens eine allgemeine Schule vorgeschlagen werden, an der gemeinsames Lernens möglich ist.

Seit zwei Jahren gibt es beim Kreis Düren mit Andrea Lietz eine Inklusionskoordinatorin, darüber hinaus ist Schulamtsdirektorin Anna Helene Lürken als „Generalistin für Inklusion“ mit dem Thema betraut. „In erster Linie“, so Andrea Lietz, „richtet sich das neue Gesetzt an Kinder mit den Förderschwerpunkten Lernen, soziale/emotionale Entwicklung und Sprache.“ Aber auch Kinder mit einer Hör-, Seh-, Körper- oder geistigen Behinderung sollen die Möglichkeit bekommen, auf einer Regelschule unterrichtet zu werden.

Anna Helene Lürken: „Kinder mit dem Förderschwerpunkt LES werden von Sonderpädagogen betreut, die fest an ihrer Schule angesiedelt sind. Bei Kindern mit den anderen Förderschwerpunkten kommen spezielle Sonderpädagogen von außen an die Schule.“

Die Schulträger, so Anna Helene Lürken weiter, seien jetzt gefragt zu ermitteln, welche ihrer Schulen GL-Schule, also Schule für gemeinsames Lernen für Kinder mit dem Förderschwerpunkt LES, oder Schwerpunktschule sein könne. Lürken: „Schwerpunktschulen sind Schulen, an denen zusätzlich zu den Kindern mit dem Förderschwerpunkt LES auch noch Kinder mit einem anderen Förderschwerpunkt, also beispielsweise Sehen oder Hören unterrichtet werden können.

„Wir haben“, so Helmut Klinker vom Schulamt der Stadt Düren, „alle 30 Schulen in Düren gebeten, uns mitzuteilen, welchen Förderbedarf sie abdecken können.“ Bis zum 21. Februar müssen die Schulen antworten, danach erarbeitet das Schulamt eine Vorlage für Schulausschuss und Stadtrat, der im April entscheiden wird, welche Schule welchen Förderschwerpunkt bekommt. Erst danach kann auch festgelegt werden, an welcher Schule Sonderpädagogen eingesetzt werden.

Bei der Zuweisung der Förderschwerpunkte kommt es natürlich auf die örtlichen Gegebenheiten an. Beispielsweise ist das Rurtal-Gymnasium schon heute barrierefrei, hier könnten problemlos Kinder im Rollstuhl unterrichtet werden. Die Anne-Frank-Gesamtschule in Mariaweiler hat Klassenräume mit Spezialdecken gegen Störschall, die Kinder mit einer Hörbehinderung das Lernen erleichtern.

Darüber hinaus gibt es auch Schulen, beispielsweise die Grundschulen St. Joachim und St. Bonifatius sowie das Burgau-Gymnasium, die einen Schwerpunkt auf den gemeinsamen Unterricht von deutschen Schülern und Kindern mit Migrationshintergrund legen. „Hier“, so Helmut Klinker, „kann es ratsam sein, keine GL-Schule oder gar noch einen zusätzlichen Förderschwerpunkt einzurichten.“ Auch das, so Klinker, sei ein Aspekt von Schule, den die Stadt Düren durchaus begrüßen würde.

Rund 100 Viertklässler mit dem Förerschwerpunkt LES aus dem gesamten Kreis Düren möchten nach den Sommerferien eine Regelschule besuchen. LES umfasst die Bereiche Lernen, emotionale/soziale Entwicklung und Sprache. Die meisten Eltern dieser Kinder, so Schulamtsdirektorin Anna Helene Lürken, würden sich gegen eine spezielle Förderschule entscheiden.

Welche konkreten Auswirkungen das für die Förderschulen hat, vermochte Frau Lürken noch nicht genau sagen. Nur so viel: „Der sogenannte Mindestgrößenerlass für Förderschulen wird jetzt ernst.“ Auch im Kreis Düren müssten Förderschulen in Zukunft einen Partner suchen. Dieser Partner könne keine Hauptschule sein, sondern nur eine andere Förderschule.

Die Eltern der Viertklässler mit dem Förderschwerpunkt LES sind von den Klassenlehrern befragt worden, zu welcher weiterführenden Schule sie ihr Kind am liebsten schicken möchten.

Die Inklusionsrunde, an der auch Schulamtsdirektorin Lürken, Inklusionskoordinatorin Lietz sowie Schulaufsichtsbeamte von der Bezirksregierung Köln teilnehmen, hat einen „Förderortvorschlag“ für jedes Kind erarbeitet und die Schulen beauftragt, diese Plätze für die behinderten Kindern zu reservieren.

Selbstverständlich können die Eltern ihr Kind auf der Wunschschule anmelden, auch wenn das nicht die vorgeschlagene Schule ist. Die Inklusionsrunde vergleicht die eigenen Vorschläge mit dem Anmeldeverhalten der Eltern und nimmt die endgültige Verteilung der Schüler vor. Dabei sollen sowohl die Wohnortnähe zur Schule als auch der Elternwille vorrangige Kriterien sein.

Viertklässler, die einen Förderschwerpunkt Sehen, Hören haben oder körperbehindert sind, können mit der entsprechenden Empfehlung von der Grundschule direkt bei der weiterführenden Schule angemeldet werden.

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