In Nideggen richten sich alle Augen auf die MfN

Von: Burkhard Giesen
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Abschied als Bürgermeister im Jahr 2009. Fünf Jahre später zieht Willi Hönscheid nun wieder in Nideggens Rat ein. Foto: Burkhard Giesen

Nideggen. Kurz vor seinem Abschied als Bürgermeister der Stadt Nideggen hat Willi Hönscheid im Oktober 2009 nach 17 Jahren an der Spitze der Stadt auf die von ihm geleistete Arbeit zurückgeblickt. Dabei fiel dann selbstkritisch auch die Aussage: „Vielleicht war meine Zeit abgelaufen …“.

Im Oktober 2009 konnte man die Aussage mit Ja beantworten. Fünf Jahre später haben die Wähler im Nideggener Ortskern das anders bewertet: Sie wählten Hönscheid, der für die Menschen für Nideggen (MfN) ins Rennen ging, als Direktkandidat in den Nideggener Rat. Nimmt der Ex-Bürgermeister das Mandat an? „Warum sollte er nicht antreten?“, reagiert MfN-Fraktionsvorsitzender Erwin Fritsch auf die Frage.

Fritsch reagiert gewohnt wortkarg. Kein Wort zur Strategie nach den Wahlen: „Wir haben nächste Woche Fraktionssitzung“, sagt er, da werde man das weitere Vorgehen beraten. Dass er mit dem Wahlergebnis sehr zufrieden ist, versteht sich von selbst. Die MfN wurden zweitstärkste Kraft im Rat, haben einen Zuwachs von mehr als vier Prozent zu verzeichnen und zwei Mandate hinzugewonnen. „Der Versuch, die MfN klein zu halten“, sagt Fritsch noch, sei gescheitert.

Dass Hönscheid seinen Wahlkreis direkt gewonnen hat, ist das bemerkenswerteste MfN-Resultat. Es könnte ein Test gewesen sein für die Bürgermeisterwahl 2015. Zwar reichten Hönscheid in seinem Wahlbezirk 31 Prozent zum Sieg, allerdings gegen starke Konkurrenz. So traten in dem Wahlbezirk Unabhängigen-Fraktionsvorsitzender Norbert Klöcker („Ich bin da unter die Räder gekommen.“), FDP-Fraktionsvorsitzender Udo Hensch, ein Schützenkönig und ein ehemaliger Hausarzt an.

War es der Test, seine Chancen als MfN-Bürgermeisterkandidat auszuloten? „Nein, ich werde nicht als Bürgermeisterkandidat antreten“, schließt Hönscheid alle Spekulationen aus. Es gehe ihm um anderes: Er will seine Erfahrungen einbringen und vor allem dazu beitragen, dass „im Rat wieder eine andere Stimmung herrscht“. Hönscheid: „Es wendet sich jeder von Nideggen ab, weil es keine Zuverlässigkeit im Rat gibt. Da geht vieles kaputt“, sagt er und nennt das Beispiel Sparkommissar: „Hier hätte ein Konsens hergemusst. Es durfte nicht passieren, dass mal ein paar dafür und dann wieder ein paar dagegen.“

Setzt sich Hönscheid innerhalb seiner Fraktion mit seinen Ansichten durch, könnte das in der Tat zu einer neuen Linie im Rat führen. Gudrun Zentis von den Grünen: „Die MfN wird jetzt zeigen müssen, ob sie auch gestalten können, ob sie auch Politik können.“ Wolf Dieter Keß von der SPD bewertet das ähnlich, sieht allerdings eher destruktive Ansätze bei den MfN. Und Norbert Klöcker von den Unabhängigen: „Ich bin gespannt was passiert, wenn die MfN von ihrer Blockadepolitik weg muss, was dann an positiven Vorschlägen kommt.“

Die Hoffnung, dass die MfN pragmatischer an Entscheidungen herangehen, hegt auch CDU-Fraktionsvorsitzender Markus Fischer, der als Indiz hierfür Willi Hönscheid sieht: „Ich hoffe“, sagt Fischer, „dass er zum Wohl der Stadt arbeiten wird und mit seiner Erfahrung vielleicht etwas bewegen kann.“ Innerhalb der MfN natürlich. Dass die 32 Prozent für die CDU als stärkste Kraft im Rat nicht reichen, um „für stabile Mehrheiten“ zu sorgen, weiß Fischer: „Ich sehe keine gemeinsame Schnittmenge mit anderen Parteien über sechs Jahre hinweg. Am ehesten ginge es noch mit den MfN. Aber dann müssten da andere Gesichter das Sagen haben.“

Dass auch Verlierer zufrieden sein können, machte am Montag FDP-Mann Walter Obladen deutlich. Er verpasste den Wiedereinzug in den Rat, weil seine Partei über vier Prozent verlor. „Wir sind dennoch zufrieden“, sagt Obladen. Er hätte sich aber stabilere Verhältnisse im Rat gewünscht: „Insgesamt ist es ähnlich chaotisch und desaströs wie beim letzten Mal.“ Den Beweis muss der neue Rat allerdings erst noch antreten. Die Gelegenheit dazu hat er am 24. Juni.

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