Düren - In Düren: So könnte die Kaufkraft gesteigert werden

In Düren: So könnte die Kaufkraft gesteigert werden

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
6494251.jpg
Wenn die Dürener City brummt wie auf unserem Bild beim Stadtfest, profitiert auch die Geschäftswelt. Ein Drittel der Dürener wünscht sich attraktiveren Handel, wie der Kommunalcheck unserer Zeitung ergab. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Zunächst einmal eine positive Botschaft: Mehr als 80 Prozent der Dürener Einwohner lebt gerne in der Stadt. Das ergab der Kommunalcheck unserer Zeitung, der auch danach fragte, wie zufrieden die Menschen etwa mit den Angeboten an Geschäften, Schulen und Kindergärten oder Arbeitsplätzen sind.

Dabei hat sich ein differenziertes Bild ergeben, über das sich zusammenfassend sagen lässt: Die Bürger sind mehrheitlich zufrieden, meist liegt der Grad bei rund 60 Prozent.

Der – nicht repräsentative –Kommunalcheck, den der Zeitungsverlag Aachen in allen Kommunen unseres Verbreitungsgebietes vornahm, fragte auch, was den Menschen fehlt. Zwar gaben zwei Drittel an, mit der Geschäftswelt „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ zu sein. Damit sind aber gut 30 Prozent nicht zufrieden. Sie wünschen sich attraktivere Angebote.

Das kann Jörg Hamel, Geschäftsführer des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes Aachen-Düren-Köln, grundsätzlich nachvollziehen. Der Dürener geht von einer „ständigen Sehnsucht nach kleinen, schicken Läden aus“. Eine ähnliche Beobachtung macht Daniel Böttke, Manager des Stadtcenters Düren. Unter welchen Umständen siedeln sich Geschäfte an?

Die Unternehmen schauen sich vor Ort um, sagt Jörg Hamel, und berücksichtigen die Kaufkraft und die sogenannte Zentralitätsziffer einer Stadt. Während Düren bei der Kaufkraft zehn Prozent unter dem Landesschnitt liegt, ist die Zentralitätsziffer mit einem Wert von 130 überdurchschnittlich gut. Sie sagt aus, dass Düren gemessen an seiner eigenen Einwohnerzahl 30 Prozent Kundschaft aus dem Umland anzieht. Damit liegt Düren 36 Prozent über dem Landestrend, auch wenn sich die Kennziffern in den vergangenen Jahren leicht verschlechtert haben.

Stadtcenter-Manager Daniel Böttke hat in den vergangenen fünf Jahren „einen dramatischen Wandel“ beobachtet. Obwohl Düren mit der Nähe zur Autobahn und im Speckgürtel von Aachen und Köln gelegen „einiges Potenzial“ biete, habe sich die Lage der heimischen Geschäftswelt durch zunehmenden Internethandel und eine „sinkende Sozialstruktur“ verschlechtert. Laut Böttke lässt sich das Dürener Problem auch mit diesem Kürzel beschreiben: SOS. Die drei Buchstaben stehen für Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit. Überdies nennt Böttke die Höhe der Mieten.

Das Thema Sicherheit und Ordnung wird derzeit in der Dürener Politik diskutiert. Die CDU hat es im Sommer angestoßen und will das Ordnungsamt mit bis zu zehn Kräften verstärken. Ob es dazu kommt, muss der Stadtrat entscheiden. Die Geschäfte selbst könnten durch eine „helle und freundliche Atmosphäre“ zu einer Verbesserung der Lage beitragen, sagt Daniel Böttke. Ähnlich sieht das Einzelhandelsverbandsgeschäftsführer Hamel, der darauf drängt, etwa am Haus der Stadt, Angsträume zu beseitigen und die Beleuchtung zu verbessern. Dass es schwer bis unmöglich ist, „große Marken“ in Düren anzusiedeln, weiß Stadtcentermanager Böttke. „Dazu ist Düren nicht attraktiv genug.“

Sowohl Böttke als auch Hamel setzen ein Stück ihrer Hoffnung auf den Masterplan, der zurzeit von einem Aachener Fachbüro erarbeitet wird. In ihm sollen Entwicklungen und Potenziale der Stadt beschrieben und zusammengefasst werden. „Das kann ein großer Schritt sein“, sagt Jörg Hamel. Und Daniel Böttke spricht von einer Kausalkette: Wenn mehr Kunden den Weg in die Dürener Geschäfte finden, steigert sich der Umsatz. Es wird mehr Geld verdient, attraktivere Läden werden angezogen.

Doch wie kann das gelingen? Der Einfluss der Politik und der Stadtplanung ist begrenzt. Beide können nur Rahmenbedingungen schaffen, sagt Dr. Harald Heinz. Der Architekt und Stadtplaner erarbeitet mit seinem Büro den Masterplan Innenstadt, der bis Herbst 2014 fertig sein soll. Durch eine Bauleitplanung etwa könne eine Kommune die Größe von Geschäften regeln, durch ein Einzelhandelskonzept, wie es Düren hat, wird geregelt, welche Art von Handel sich an unterschiedlichen Standorten der Stadt ansiedeln darf.

So ist eine Ansiedlung des französischen Sportartikelhauses Decathlon vor allem daran gescheitert, dass das Dürener Einzelhandelskonzept eine derartige Ansiedlung außerhalb des Stadtkerns auf der grünen Wiese verbietet. In die City selbst hätte der französische Konzern kommen können, weil vom Kundenstrom Handel und Gastronomie in der Innenstadt hätten profitieren können.

Für Stadtplaner Dr. Heinz spielen aber auch die Mieten eine besondere Rolle. „Es gibt Anhaltspunkte, dass sie in der City teils überdurchschnittlich hoch sind.“ Zahlen liegen naturgemäß öffentlich nicht vor. Aber schon seit Jahren werden hohe Mieten in den 1 A-Lagen als Hemmnisse für potenzielle Geschäftsneugründungen genannt.

Für Marcus Steffens, Stadtplaner im Rathaus, kommt es darauf an, „den Lebensraum Innenstadt attraktiv zu machen“. Dazu gehöre die Aufenthaltsqualität und das Wohnen. Etwas außerhalb der City, in Rölsdorf, will die Stadt ein Baugebiet entwickeln, das höherwertige Immobilien vorsieht. Düren biete einige weitere Areale, die „gutes Potenzial bieten“, sagt Steffens. Auch so versucht das Rathaus, die Kaufkraft in Düren zu steigern. Ob sich daraus einst eine positive Botschaft formulieren lässt, wird sich zeigen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert