In Afrika eine Heimat gefunden

Von: Sandra Kinkel
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Die Langerweherin Susemarie Groß lebt seit über 50 Jahren in Tansania. Derzeit macht sie Urlaub in der alten Heimat. Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe. „Für Heimweh habe ich keine Zeit. Früher nicht und heute auch nicht.“ Susemarie Groß ist 86 Jahre alt und eine fröhliche, agile Frau. Vor 52 Jahren hat sie Langerwehe hinter sich gelassen und ist ins Bistum Njombe nach Tansania gegangen. Um hier Mädchen- und Frauensozialarbeit zu machen. Jetzt ist Susemarie Groß auf Heimaturlaub in der Töpfergemeinde. In Afrika arbeitet sie immer noch.

„Ich habe damals in Aachen die soziale Frauenschule besucht“, erzählt Susemarie Groß. „Als das Angebot kam, nach Tansania zu gehen, musste ich nicht lange überlegen. Und mir war auch eigentlich von Anfang an klar, dass Tansania für immer ist.“ Susemarie Groß hat sich in Afrika für Mädchen und Frauen eingesetzt. „Wir haben Frauen gefördert und uns dafür eingesetzt, dass sie etwas können. Denn je mehr die Frauen können, desto besser können sie sich auch gegen ihre Männer durchsetzen.“

Susemarie Groß erzählt von einer Nähschule, von der Fabrikation von Schulkreide und der Bewirtschaftung eines Waldstücks. „Anfangs konnte ich auf Kisuaheli nur bis zehn zählen. Das hat aber gereicht, um den Frauen das Stricken beizubringen.“ Susemarie Groß hat Mütterberatung angeboten und ein Projekt gestartet, dass Frauen Kleinkredite vermittelt. „Natürlich ist die Not an vielen Stellen groß“, erzählt die Langerweherin. „Für viele Familien ist es zum Beispiel sehr schwer, das Schulgeld für die Kinder zusammen zu bekommen. Aber fast alle haben Land und Tiere.“ Da komme es dann auch schon einmal vor, dass man aus lauter Dankbarkeit ein lebendiges Huhn geschenkt bekommt.

Mit Unterstützung aus Langerwehe und der Gemeinde St. Marien in Düren hat Susemarie Groß den Bau einer weiterführenden Schule verwirklicht. 440 Mädchen werden hier unterrichtet und bis zum Abitur geführt. „Wir haben vor einem Jahr die ersten Schülerinnen aufgenommen“, sagt Susemarie Groß. „Aber wir brauchen unbedingt auch ein Internat. Viele Mädchen kommen schon von ziemlich weit her.“

Wenn Susemarie Groß von „ihrem Afrika“ erzählt, dann tut sie das immer mit einer enormen Fröhlichkeit und Lebensfreude. „Die Menschen in Afrika begegnen einem einfach unglaublich freundlich und offen. Ich hatte hier nie Schwierigkeiten. Und jetzt, im Alter, wird mir fast noch mehr Respekt entgegengebracht.“

Was vielleicht daran liegt, dass das Durchschnittsalter in Tansania bei 45 Jahren liegt. Ans Aufhören denkt Susemarie Groß noch lange nicht. „Ich würde mich freuen“, sagt sie, „wenn ich jemanden finden würde, der meine Arbeit fortsetzen möchte. Aber das ist eben sehr schwer.“ Susemarie hat ihren Lebensmittelpunkt in Afrika gefunden, sie will hier nicht mehr weg. „Warum sollte ich?“, fragt sie. „Als ich meiner Mutter damals gesagt habe, dass ich nach Afrika gehe, hat die gesagt: Wenn das Gottes Werk und Wille ist, dann musst du das tun. Ich bin richtig in Afrika.“

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