Düren - Immer weniger Schüler drehen eine Ehrenrunde

Immer weniger Schüler drehen eine Ehrenrunde

Von: Sandra Kinkel
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Düren. „Sitzenbleiben bringt nichts“, ist Andreas Grüderich, Schulleiter des Burgau-Gymnasiums, überzeugt. „Erstens müssen dann die Schüler den kompletten Stoff eines Schuljahres wiederholen, auch wenn sie nur in zwei Fächern schlecht sind. Und wenn ein Kind seine Aufgaben nicht macht, dann macht es die auch nicht, wenn es sitzenbleibt.“ Die Schule, so Grüderich, müsse für schwächere Schüler ein Zusatzangebot schaffen.

 „Wir haben zum Beispiel eine Sozialarbeiterin an unserer Schule, die versucht herauszufinden, warum ein Kind nicht lernt, um dann diese Probleme abzuschaffen.“

Ähnlich wie Andreas Grüderich sieht es wohl auch die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann. Sie will das Sitzenbleiben zwar nicht rigoros abschaffen, aber überflüssig machen. Und zwar durch gezielte Förderung. „Wir brauchen Zusatzangebote“, sagt Andreas Grüderich, „um die Kinder so früh wie möglich bei Schwierigkeiten zu unterstützen.“

Auch für Walter Norbisrath, Schulleiter an der Realschule Bretzelnweg, ist Sitzenbleiben keine gute Lösung. „Wir müssen vielmehr rechtzeitig erkennen, wann Kinder Probleme haben und da ansetzen.“ Individuelle Betreuung, so Norbisrath weiter, sei das Stichwort. „Wir müssen die Kinder fördern, bevor es soweit kommt, dass sie die Klasse wiederholen müssen. Aber die Schulen müssen natürlich auch in die Lage versetzt werden, das auch zu tun.“

Ähnlich wie in ganz Nordrhein-Westfalen, wo sich die Zahl der Sitzenbleiber in den letzten Jahren nahezu halbiert hat, ist die Zahl der Wiederholerinnen auch an der St.-Angela-Schule stark gesunken. „Bei uns“, so Schulleiter Wolfgang Habrich, „liegt die Quote der Sitzenbleiberinnen bei unter 1,5 Prozent. Das sind pro Schuljahr gerade einmal acht bis zwölf Schülerinnen, von denen einige ja auch noch die Möglichkeit haben, die Nachprüfung zu machen.“

Es gebe an seiner Schule, so Habrich weiter, eine Fülle von Eingreifprogrammen, die das Sitzenbleiben verhindern sollen. „Wir haben zum Beispiel ein funktionierendes Coaching-Programm, bei dem jüngeren Schülerinnen von älteren beim Lernen geholfen wird. Im Augenblick haben wir an unserer Schule 55 solcher Lerngruppen.“ Als weitere Fördermaßnahmen nennt Habrich speziellen Förderunterricht, der manchmal auch von Praktikanten oder Referendaren durchgeführt wird oder eine Hausaufgabenbetreuung durch pensionierte Lehrerinnen und Lehrer.

„Trotzdem“, sagt Wolfgang Habrich, „gibt es auch Fälle, wo irgendwann eine Grenze erreicht ist.“ Zum Beispiel, wenn Schülerinnen und Schüler überhaupt nicht zum Arbeiten zu bewegen seien. „Dann können wir auch nichts machen.“ Und dann sei Sitzenbleiben auch manchmal keine schlechte Alternative. Habrich: „Eine unserer besten Abiturienten von vor zwei Jahren hat eine Ehrenrunde gedreht.“

„Wiederholen ist manchmal sinnvoll“, sagt auch Hans-Willi Stollenwerk, Schulleiter der Anne-Frank-Gesamtschule in Mariaweiler. An Gesamtschulen gibt es bis zur 9. Klasse eigentlich kein zwangsweises Wiederholen. „Wir überlegen bei schwachen Schülern gemeinsam, was für das Kind das Sinnvollste ist.“ Auch an der Anne-Frank-Gesamtschule gibt es ein System, wo Schüler sich gegenseitig helfen. „Aber natürlich“, so Stollenwerk, „wünschen wir uns immer noch Ressourcen, um die Schüler noch besser fördern zu können.“

„Ein Kind, dass trotz schlechter Noten in die nächste Klasse versetzt wird, wird da nicht glücklich werden“, sagt Franz Holtz, Schulleiter des Rurtal-Gymnasiums. Nach der Einführung von Förderunterricht sei es gelungen, so Holtz, Defizite aufzuarbeiten. „Aber eben nur zum Teil.“ Im vergangenen Schuljahr hätten sechs Kinder zum Ende der Erprobungsstufe, also nach der sechsten Klasse, die Schule wieder verlassen müssen.

„Diese Schüler hatten aber auch keine Gymnasialempfehlung und waren einfach überfordert.“ Holtz hält eine Ehrenrunde manchmal auch für eine heilsame Erfahrung. „Weil bei einigen Kindern dann der Groschen fällt. Ich vergleiche das immer mit Sportlern: Wer nicht ordentlich trainiert, erzielt in der Regel auch keine guten Leistungen.“

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