Düren - Immer weniger Schüler drehen eine Ehrenrunde

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Immer weniger Schüler drehen eine Ehrenrunde

Von: kin
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Düren. „Für mich war es heilsam, dass ich eine Ehrenrunde gedreht habe. Aber es war auch eine schlimme Erfahrung.” Karin Beyer ist heute 25 Jahre alt und studiert in Trier Jura. Nächstes Jahr will sie ihr Examen machen.

Karin Beyer träumt von einer Karriere als Richterin oder Staatsanwältin. „Es gab eine Zeit”, erzählt die ehemalige Schülerin der Angela-Schule, „da hatten meine Eltern Zweifel, dass ich das Abitur überhaupt schaffe.”

In knapp zwei Wochen ist Zeugnistag, dann bekommen die Schüler es Schwarz auf Weiß, ob sie die Klasse wiederholen müssen oder nicht. Unsere Redaktion hat Schulleiter in Düren gefragt, ob Sitzenbleiben überhaupt noch ein Thema ist, oder ob das so gut wie gar nicht mehr vorkommt.

Wolfgang Habrich, Schulleiter der Angela-Schule in Düren: „Natürlich gibt es immer wieder Kandidaten, die eine Klasse wiederholen. Aber die Zahl ist wirklich sehr gering. Bei uns sind das zwischen 1,3 und 2,5 Prozent der Schüler.” Keiner, so Habrich, bleibe allerdings überraschend sitzen. „Die Schüler, die das betrifft, wissen alle jetzt schon Bescheid. Und wir als Schule bemühen uns natürlich lange im Voraus, welche Möglichkeiten es gibt, den Schülerinnen zu helfen.”

Die Methode „Friss oder stirb”, die noch vor 15, 20 Jahren an nicht wenigen Gymnasien gegolten habe, so Habrich, würde heute an keiner Schule mehr praktiziert. Auch Horst Dahmen, stellvertretender Leiter des Burgau-Gymnasiums, sagt, dass sich die Zahl der Sitzenbleiber in den vergangenen Jahren stark reduziert habe. „Waren es früher pro Jahrgang mit 90 Schülern sieben, die sitzengeblieben sind, sind es heute vielleicht noch drei oder vier.”

Wegen des doppelten Abiturjahrgangs, erklärt Dahmen, habe es die Auflage vom Schulministerium gegeben, dass vor dem Wechsel in die Oberstufe vor zwei Jahren aus dem zehnten Jahrgang möglichst keiner sitzenbleiben würde. Der Grund: Auch die Neuner sind damals in die Oberstufe gewechselt, so dass Sitzenbleiber eigentlich in die 8. Klasse hätten zurückgestuft werden müssen. Dahmen: „Auch deswegen hat sich die Zahl der Sitzenbleiber reduziert.”

Grundsätzlich hält Horst Dahmen das Wiederholen nicht „für einen Beinbruch”. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Schülern, die eine Klasse wiederholen, oft der Groschen gefallen ist und sie mehr für die Schule tun.”

Dahmen ist dagegen, die Möglichkeit des Sitzenbleibens komplett abzuschaffen, wie es zuletzt die Piratenpartei gefordert hatte. „Dann müsste man andere Maßnahmen ergreifen. Zum Beispiel eine Art Sommerschule in den Ferien einrichten, wo die Kinder dann den Stoff nacharbeiten können.” Für Gabriele Großmann, stellvertretende Leiterin des Rurtal-Gymnasiums, kann Sitzenbleiben eine gute pädagogische Erfahrung sein.

„In dem zusätzlichen Jahr”, so die Pädagogin, „können die Schüler sich finden, zusätzlich reifen.” Großmann betont, dass es immer eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Lehrer, Schule, Eltern und Schüler geben würde. „Dann kann das Wiederholen einer Klasse heilsam sein”.

An Gesamtschulen ist das Wiederholen einer Klasse nur auf freiwilliger Basis möglich. Hans Willi Stollenwerk, Schulleiter der Anne-Frank-Gesamtschule: „Es gibt Schüler und Eltern, die das möchten. Und wir ermöglichen das dann mit Förderprogrammen für die Kinder.” In der Regel gebe es drei bis fünf Fälle pro Jahrgangsstufe.

Karin Beyer ist froh, dass sie die 8. Klasse wiederholt hat. „Ich habe damals kapiert, dass ich mich auf die Hinterbeine setzen muss. Heute bin ich überzeugt, dass ich es ohne meine Ehrenrunde nicht bis zum juristischen Staatsexamen geschafft hätte.

Im vergangenen Schuljahr sind von 4100 Gymnasiasten im Kreis Düren 58 Schüler sitzen geblieben. An den Gesamtschulen haben immerhin 37 von gut 4200 Kindern und Jugendlichen die Klasse freiwillig wiederholt. Die Zahl ist in den vergangenen fünf Jahren konstant geblieben.
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