Düren - Im „Wibbelruusch“ lebt der Wilde Westen wieder auf

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Im „Wibbelruusch“ lebt der Wilde Westen wieder auf

Von: Julian Lövenich
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Gleich knallt‘s: Klaus Dieter Wirtz, Präsident der Kentucky Muzzle Loaders, legt mit seinem Vorderlader-Gewehr an.
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Aus den Niederlanden war Arjan Pongers in den „Wibbelruusch“ gekommen.

Düren. Für den Bruchteil einer Sekunde donnert der Knall über die Lichtung. Dann herrscht völlige Ruhe. Eine halbe Minute später knallt es wieder und so geht es weiter und weiter, Schuss für Schuss, ähnlich dem permanenten Ticken einer Uhr.

„Das Schwarzpulver erzeugt einen dumpfen Klang, das scheppert überhaupt nicht“, kommentiert Klaus Dieter Wirtz. Er ist Präsident der „Kentucky Muzzle Loaders“, die am Wochenende zum 44. Mal ihr „Pulverdampf in Düren“ auf dem Gelände am „Wibbelruusch“ am Rande des Burgauer Waldes veranstalteten.

Klaus Dieter Wirtz sitzt auf einem kleinen Holzstuhl im Vorzelt seiner „Präsidentensuite“, sozusagen dem Empfangszimmer des 3,20 Meter Hohen Hauptzeltes. Er trägt ein weißes Hemd, Ärmel hochgekrempelt, darüber eine blaue Weste mit Orden, so wie ein Siedler Amerikas im 18. Jahrhundert.

Internationale Gäste

„Unsere Veranstaltung ist richtig bekannt, die Leute kennen das hier. Wir haben Menschen aus Belgien hier, den Niederlanden, aus Frankreich und der Schweiz“, freut sich Wirtz. Sie alle verbindet die Liebe zum Amerika des 18. Jahrhunderts. Da trifft man auf Südstaatler, Freiheitskämpfer, Cowboys und Indianer. Lediglich Gewürzketchup und Thermoskannen verraten, dass alles Verkleidung ist.

„Über die drei Tage haben wir 300 bis 400 Leute hier“, erzählt der Präsident. Sie alle nächtigen in weißen Zelten, mit Fellen ausgelegt, geschmückt mit kleinen Details, durchzogen vom Rauch der Lagerfeuer. Manche zelten hier eine ganze Woche und das für kleines Geld. So zum Beispiel der Niederländer Arjan Pongers mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Hund. „Wir sind seit 1995 hier und es ist einfach schön“, schwärmt er. Doch viele kommen nicht nur wegen des Kampierens, sondern auch wegen der Schieß-Wettbewerbe mit dem Vorderladergewehr. 80 bis 110 Zentimeter lang sind die Läufe dieser Waffen. „Die sind eine Wissenschaft für sich“, führt Wirtz ein, der mittlerweile sein Gewehr auf dem Tisch liegen hat, die Hand am Abzug. „In den Lauf kommt erst Schwarzpulver und dann eine von Papier umhüllte Bleikugel“, so der Präsident. Zieht man den Abzug, schmettert der Feuerstein an der Seite des Laufes auf die Pfanne, es entstehen Funken, die auf das Schwarzpulver überspringen. Es knallt.

Mit Vorderladergewehren, so Wirtz, könne man extrem genau zielen. Im Kampf um den Bronzenen Büffel müssen die Schützen dann aus 50 Meter Entfernung treffen; Schutzbrille und Ohrenschützer sind dabei Pflicht. Diejenigen, die keine Erfahrung mit den Waffen mitbringen, können auf das Bürgerschießen zurückgreifen.

Thorsten Beyel und Stephan „Tumulte“ Schulte haben genau das vor neun Jahren gemacht. Einen Euro für zwei Schüsse. Sofort sprang der Funken der Waffen auch auf die beiden über. Jetzt sitzen sie in ihrem eigenen Zelt, das Feuer brennt, die Hüte sitzen. Sie mögen die familiäre Atmosphäre, die Gemeinschaft.

Auf dem rund 1600 Quadratmeter großem Gelände am Rand des Burgauer Waldes gibt es neben den Zeltdörfern auch Stände mit Lederwaren, Waffen, Büchern – und mit Getränken und Essen. Das ist es, was vor allem auch die Tagesbesucher anlockt, die dank guter Witterung zahlreich anreisen.

„Wir sind auf die Leute angewiesen, denn durch die Einnahmen, finanzieren wir immer das restliche Jahr“, erklärt Klaus Dieter Wirtz. Zusammen mit seinen 20 Vereinskollegen blickt er auf eine gelungene Veranstaltung, alle verbindet hier die Liebe zum Wilden Westen.

Auf die Frage, warum er sich ein ganzes Wochenende lang verkleidet, in einer anderen Welt lebt und im Zelt schläft, antwortet der Präsident: „Dafür muss man schon einen Knall haben.“ Und wieder schallt ein Gewehrknall durch den Wald...

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