Im Wald auf der Suche nach „Hexeneiern“

Von: Sarah Maria Berners
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Sammlerstücke: Paul Daniel aus Vossenack faszinieren die „Baumperlen“ von Buchen der Region besonders Foto: smb
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Sammlerstücke: Paul Daniel aus Vossenack faszinieren die „Baumperlen“ von Buchen der Region besonders Foto: smb

Vossenack. Manche Menschen schreiben den „Baumperlen“ heilende Kräfte zu, verkaufen sie als Medizin- und Kraftschmuck. In einem Internet-Geschäft werben Kettenbastler mit Namen wie Feenglück und Baummagie für sie. Paul Daniel aus Vossenack ist da bodenständiger. Und es ist ihm auch nicht wichtig, ob diese recht außergewöhnlichen Kunstwerke der Natur heilende Kräfte haben oder nicht.

„Mir gefallen die Baumperlen. Sie stammen aus der Natur und ich bin eng mit der Natur verbunden. Ich finde diese Baumperlen einfach faszinierend“, sagt der 72-Jährige über die kleinen Holzknubbel, von denen er schon rund 600 Stück in den Wäldern der Region gesammelt hat. Regelmäßig geht er auf Schatzsuche.

Sammlerleidenschaft

Paul Daniel ist leidenschaftlicher Sammler. Neben Baumperlen findet der Besucher in seinem Keller Wurzelstöcke und Haifischzähne. Schon vor vielen Jahren waren ihm die kleinen und großen Knubbel an den Buchen der Eifeler Wälder aufgefallen. Von Rinde umschlossen sitzen sie an den Stämmen der Bäume. Paul Daniel hat angefangen, sich für diese „Knorzen“, wie er sie meistens nennt, zu interessieren. Ihm fiel auf, dass sie ganz leicht vom Baum zu lösen sind. Eine direkte Verbindung zum Stammholz gibt es nicht. „Die Knorzen entstehen aus einer Wundreaktion“, erklärt Paul Daniel. Fälschlicherweise würden sie oftmals für Krebsgeschwüre gehalten, aber eigentlich seien sie das Endprodukt eines pflanzlichen Heilungsprozesses.

Rinde wieder verschließen

Ein Fremdkörper könne diese Reaktion auslösen oder ein toter Ast. Ziel des Prozesses ist für den Baum, die Knubbel, die im Volksmund auch „Hexeneier“ genannt werden, abzuwerfen und die Rinde wieder zu verschließen.

Trotz des Interesses für die Knorzen wusste Paul Daniel nicht so recht, was er mit den Objekten machen soll. Bis er mit seiner Tochter in einem Dorf in der Nähe von Mainz eine Edelsteinausstellung besuchte und dort auf jemanden traf, der sich ebenfalls für Baumperlen begeisterte. Allerdings sahen dessen Baumperlen ganz anders aus, denn unter der Rinde steckt feinstes Holz. Paul Daniel informierte sich und hat mittlerweile seine eigene Methode entwickelt, um aus den manchmal moosbewachsenen Knorzen kleine Naturkunstwerke herauszuarbeiten.

Seitdem üben die Baumperlen auf den Vossenacker eine besondere Faszination aus. Jede Knorze hat ihre eigene Form, einige sehen aus wie kleine Schüsseln – und als solche werden sie von Paul Daniels Enkelkindern auch gerne genutzt. Manche Perlen haben eine helle Farbe, andere sind in dunklen Brauntönen marmoriert. Manche Objekte messen nur wenige Zentimeter, andere sind deutlich größer als eine Faust. Sie bestehen aus massivem Holz und an manchen, erklärt Paul Daniel, könne man sogar Jahresringe erkennen. Die meisten Baumperlen, die der Sammler bislang entdeckt hat, sind an Buchen gewachsen, einige wenige hat er bei seinen Streifzügen aber auch an alten Eichen entdeckt. Wer mit durch die Wälder streift und genau hinschaut, kann viele dieser Knubbel an den Bäumen entdecken, wenn er einmal weiß, dass es sie gibt.

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