Im Team arbeiten macht den Reiz aus

Von: Andreas Bongartz
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Drei Generationen Feuerwehrleute aus Merzenich: „DN”-Gesprächspartner Kurt Müler (Zweiter von rechts) mit Kai Herstein, Lars Knust, Peter Dreßen, Franz-Josef und Dominik Ahrens (von links). Foto: Andreas Bongartz

Merzenich. Leicht gewellt und an einigen Stellen schon ausgebleicht, spricht das alte Foto im Merzenicher Feuerwehrgerätehaus Bände: So pflegten die Herren der Schöpfung im Jahr 1910 augenscheinlich eine imposante Bartkultur.

Vor allem sagt das alte Dokument einiges über das Feuerwehrwesen in diesen Zeiten: Stramm stehen die 17 Gründungsmitglieder der Löschgruppe Merzenich dort, an ihrer Seite ein vorsintflutliches Gerät, das mehr nach einem Karren als einer Löschapparatur aussieht.

Als sich die Löschgruppe Merzenich vor 100 Jahren gründete, waren die Zeiten anders, wesentliches Instrument der Feuerwehrleute um Löschgruppenführer Jean Hamacher war damals die Handdruckspritze. Über Eimerketten, bei denen zu Brunnen und Tümpeln manch weite Strecke überwunden werden musste, wurde die Spritze mit Wasser gefüllt und dieses unter weiterer körperlicher Kraftanstrengung dann in die Schläuche gepumpt. Die Schläuche selbst stellten ein weiteres Problem dar, da sie aus Leder und Leinen bestanden, waren sie häufig undicht.

Probleme, die der Merzenicher Löschgruppenführer Kurt Müller nur aus Erzählungen kennt. Doch auch er kann so manches Anekdötchen erzählen, wenn es um die Entwicklungen im Feuerwehrwesen geht. So war 1985, als der heute 35-Jährige in die Jugendfeuerwehr eintrat, noch das alte Tanklöschfahrzeug von 1957, genannt „Opa”, im Einsatz. Bis 1980 war es das einzige Fahrzeug, das den Merzenicher Kameraden zur Verfügung stand.

„Opa” wurde erst 1987 aus dem Dienst genommen und an einen Sammler in Holland verkauft. Arbeitsbedingungen, die heutzutage kaum noch vorstellbar sind. „Das Feuerwehrwesen hat sich in den vergangenen 100 Jahren stark geändert”, sagt denn auch Kurt Müller. Und damit meint er nicht nur die Ausrüstung der Löschgruppe. Auch das Aufgabenspektrum der Ehrenamtler hat sich erweitert, statt Brandbekämpfung steht immer öfter die technische Hilfeleistung im Vordergrund.

2010 ist die Merzenicher Löschgruppe technisch auf dem besten Stand, allein in den vergangenen zwei Jahren wurden Fahrzeuge im Wert von 450.000 Euro angeschafft. Die Gemeinde steht hinter der Freiwilligen Feuerwehr, für Bürgermeister Peter Harzheim eine Selbstverständlichkeit: „Ohne die Feuerwehr wäre vieles im Argen und wer vernünftig arbeiten will, braucht auch eine anständige Ausrüstung.”

So sieht Kurt Müller seine Löschgruppe für die Zukunft gut gerüstet. Ein Grund, warum er optimistisch ist: Die starke Jugendabteilung der Feuerwehr.

Mit rund 20 Mitgliedern im Alter von zehn bis 18 Jahren hat man in Merzenich keine Nachwuchssorgen. Aber was reizt die Jugendlichen, sich in ihrer Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren? „Der Zusammenhalt und die Kameradschaft”, sagt etwa Kai Herstein, 17 Jahre alt und seit acht Jahren bei der Jugendfeuerwehr. „Dass man im Team arbeiten muss”, findet er reizvoll. Besonders interessant seien natürlich auch die Technik und die großen Fahrzeuge, mit denen man zu tuen habe, ergänzt sein Kumpel Dominik Ahrens (17). Und natürlich anderen helfen zu können.

Ein Motiv, das sich auch in Dominik Ahrens Berufswunsch widerspiegelt: „Ich möchte später gerne Medizin studieren, Anästhesist oder Notarzt zu werden, das ist mein Traum.” Aber bis es so weit ist, steht erst noch das Abitur an. Und der Übergang in die aktive Feuerwehr. Wenn Dominik Ahrens und Kai Herstein dieses Jahr 18 werden, ist es so weit. Da mischt sich auch ein bisschen Wehmut in die Vorfreude: „Die Zeit in der Jugendfeuerwehr ist schon schön, man hat viel Spaß und es wird viel gespielt”, so Dominik Ahrens.

So wie dem 17-Jährigen geht es vielen, weiß Peter Helfmeyer, Gemeindejugendwart der Freiwilligen Feuerwehr in Kreuzau. „Viele, die von der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr übergehen, werden Betreuer, weil sie unbedingt dabei bleiben wollen”, erzählt er. In Kreuzau ist man mit 63 Jugendlichen in vier Gruppen voll ausgelastet, ungefähr ein Viertel der Jugendlichen gehen in den aktiven Dienst über. Das Erfolgsrezept der Kreuzauer Kameraden: eine gute Jugendarbeit, bei der den Kindern und Jugendlichen viele Angebote über die Feuerwehrarbeit hinaus gemacht werden.

Von der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr und von der Freiwilligen Feuerwehr in die Berufsfeuerwehr? Ganz so einfach ist das nicht, wie Jürgen Blumenthal, Ausbildungsleiter bei der Dürener Feuerwehr, berichtet. „Wir haben zwar einen hohen Anteil an Kameraden, die aus der Freiwilligen Feuerwehr kommen, diese werden aber nicht bevorzugt eingestellt.”

Die Anforderungen an die Bewerber der Berufswehr sind hoch: Für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst ist mindestens ein Hauptschulabschluss sowie eine abgeschlossene Ausbildung, meist in einem Handwerksberuf, vonnöten. Des weiteren muss ein amtsärztliches Gutachten die körperliche Eignung für den Feuerwehrdienst belegen. Dann kann man sich bei der Stadt bewerben.

Vor einer möglichen Einstellung gilt es allerdings noch, eine Sportprüfung sowie einen schriftlichen Test zu bestehen, schließlich gibt es noch ein Einstellungsgespräch. Viele schaffen es nicht in die Berufsfeuerwehr: „Wir hatten jetzt 170 Bewerber, von denen 85 für den Einstellungstest zugelassen wurden. Diese Zahl hat sich auch noch einmal halbiert und jetzt haben wir neun in der Ausbildung”, so Blumenthal. Die Ausbildung an sich dauert 18 Monate, inklusive Ausbildung zum Rettungssanitäter. Auch bei der Löschgruppe Merzenich gibt es einige Kameraden, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, etwa bei der Flughafenfeuerwehr Köln/Bonn oder der Bundeswehr arbeiten. „Das”, so sagt Kurt Müller, „sind im Großen und Ganzen aber Ausnahmen.”
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