Im Polizeiauto zur Realschule gebracht

Von: Margret Vallot
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Kreis Düren. Ein Realschüler aus der Gemeinde Hürtgenwald, der immer wieder die Schule geschwänzt hatte und seit dem 6. Dezember gar nicht mehr in der Schule war, hat am vergangenen Freitag gegen 7 Uhr morgens Besuch von der Polizei bekommen.

Vier Beamte leisteten Amtshilfe, weil Schule, Ordnungsamt und Schulamt verfügt hatten, dass der Junge - da er nicht freiwillig zur Schule kommt - mit Zwang dorthin gebracht werden muss.

Der 16-Jährige wurde bei seiner Freundin angetroffen „und wollte weglaufen”, sagt der Sprecher der Polizei, Willi Jörres, auf Anfrage der „DN”. Nach Darstellung der Polizei ist der Junge dann ausgerutscht und auf die Bordsteinkante gestürzt. Bei dem Sturz habe er sich Schürfwunden an beiden Händen und am Rücken zugezogen.

Doch selbst nach dem Sturz hätten ihn die Polizeibeamten nicht fassen können. Er soll Fersengeld gegeben haben, sei schließlich doch festgehalten worden, „ihm wurden Handschellen angelegt”, so Jörres. Die Beamten brachten ihn in ein Krankenhaus und danach in die Schule. Im Rathaus von Hürtgenwald teilte der Stellvertreter des Bürgermeisters, Stefan Grießhaber, auf Anfrage mit, es sei umfassend geprüft worden, ob der Junge überhaupt schulpflichtig sei. Auch seien in den vergangenen Wochen und Monaten alle Maßnahmen ergriffen worden, um ihn eventuell doch noch zum Schulbesuch zu bewegen. Die zwangsweise Zuführung sei „die Ultima Ratio” gewesen.

Die Ergreifung des Jugendlichen schildern Beobachter der Szene, die sich bei den „DN” meldeten, und auch die Mutter des Jungen, die allerdings nicht persönlich vor Ort war, völlig anders. Der 16-Jährige habe keinen Widerstand geleistet, die Beamten hätten total überzogen reagiert.

Heidi Notthoff weiß, dass ihr Sohn die Realschule nicht mehr besuchen wollte und seit Dezember nicht mehr besucht hat. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizisten. Ihr Sohn habe nur einen kurzen Fluchtversuch unternommen, sei dann von sich aus stehen geblieben, so sei ihr von mehreren Erwachsenen berichtet worden. Und: „Der Junge wurde regelrecht verprügelt, er ist doch kein Schwerverbrecher.”

Dass ein Jugendlicher von der Polizei zur Schule gebracht werden muss, kommt in Hürtgenwald extrem selten vor. Dem Leiter des Schulamtes, Riester, ist kein weiterer Fall in der Gemeinde bekannt. Auch dem Sprecher der Polizei, Jörres, ist kein ähnlicher Fall bekannt.

Schulverweigerer werden in der Schulstadt Düren (30 Schulen, davon 12 weiterführende Schulen) dem Ordnungsamt gemeldet. Dessen stellvertretender Leiter Franz Hompesch teilte auf Anfrage mit: „Mir ist kein Fall bekannt, wo das Ordnungsamt Düren bei der zwangsweisen Schulzuführungen auf die Hilfe der Polizei zurückgegriffen hätte.” Und: „In extremen Fällen, wenn sich der Schüler widersetzt, wenn er zum Beispiel um sich schlägt, brechen wir ab.”

Dass Kinder und Jugendliche die Schule mal schwänzen, ist nicht gerade ungewöhnlich. Zu Schulverweigerern werden sie, wenn dies ständig vorkommt und sie sich sogar wochen- und monatelang im Unterricht nicht blicken lassen. Die Lehrer wenden sich dann an die Behörde, die eine zwangsweise Schulzuführung in die Wege leitet.

In Düren gibt es laut Franz Hompesch ein bis zwei Fälle im Monat. Das sei, so Hompesch, „bei der großen Zahl von Schülern nicht viel.
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