Im Notfall sind die Retter über viele Kanäle zu erreichen

Von: Sarah Maria Berners
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In der Leitstelle in Stockheim
In der Leitstelle in Stockheim kommen die Notruf-Faxe gehörloser Menschen an. Erst wenn Walter Weber oder seine Kollegen das Fax aus dem Gerät ziehen, geht die Alarmleuchte Foto: Berners

Düren/Stockheim. Brennt es, rufen wir die 112 und erklären, was passiert ist. Wer die Polizei sprechen möchte, wählt kurz die 110 - sei es bei einem Unfall, einer Schlägerei oder einem Einbruch. Und der Notarzt ist ebenfalls problemlos erreichbar. Ein Telefon ist immer in der Nähe, das Handy sowieso. Alles kein Problem? Nicht für alle.

Gehörlose Menschen können nicht mal eben Polizei und Feuerwehr anrufen. Bei Diakon Josef Rothkopf liegt deswegen immer ein Notruf-Fax griffbereit. „Und das wird bei uns ebenso unmittelbar bearbeitet wie ein eingehender Anruf auf der 112”, sagt Leitstellen-Leiter Walter Weber.

Wenn ein Fax in der Leitstelle eingeht, blinkt ein Alarmlicht - und die Feuerwehrleute werden sofort informiert. „Das Alarmlicht geht erst aus, wenn einer von uns das Papier aus dem Faxgerät zieht”, erklärt Weber.

Enge Vernetzung

Ein Fax ist schön und gut, praktisch ist es nicht. Zumal Faxgeräte nicht für ihre Portabilität bekannt sind. Aber wenn Gehörlose unterwegs sind, ist nun mal kein Faxgerät in der Nähe. Die Möglichkeit, die Feuerwehr per SMS oder E-Mail zu kontaktieren, gibt es noch nicht.

Allerdings seien Polizei und Feuerwehr eng vernetzt und würden einander schnell informieren, sagt Weber. Die Dürener Polizei nämlich ist seit einigen Jahren nicht nur telefonisch und per Fax (02421/9492496), sondern auch via E-Mail und SMS zu erreichen. Wer mit dem Mobiltelefon eine Mitteilung an die 02421/9492496 sendet (oder eine E-Mail an poststelle.dueren@polizei.nrw.de) erreicht rund um die Uhr die Dürener Leitstelle.

Und auch dort machen eine Lampe und ein Tonsignal darauf aufmerksam, dass eine wichtige Nachricht eingegangen ist. „Wir haben dann auch die Möglichkeit, dem Absender eine Antwort zukommen zu lassen”, sagt Polizeisprecher Willi Jörres. Aber man sei ja auch schnell vor Ort.

„Die Erreichbarkeit per SMS und E-Mail ist vor allem für junge Gehörlose wichtig. Sie kommunizieren ja nicht mehr mit dem Fax, sondern nur noch über SMS, Mail und Chats”, sagt Rothkopf. Eine deutschlandweit einheitliche Nummer für die Polizei gibt es für Gehörlose aber noch nicht. Sie müssen sich in jeder Stadt aufs Neue informieren, wie sie Polizei und Feuerwehr erreichen können. „Das muss unbedingt geändert werden”, fordert Rothkopf.

Hinzu kommt, dass nicht allen Gehörlosen in Düren die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Polizei zu erreichen, bekannt sind.

Die Polizei will künftig auf ihrer Internetseite verstärkt auf die Möglichkeiten des barrierefreien Notrufes aufmerksam machen. „Anregungen aus der Gemeinschaft der Gehörlosen nehmen wir da natürlich immer gerne an”, sagt Sprecher Ralf Meurer. Genutzt werden diese Möglichkeiten des Notrufs sowohl bei der Feuerwehr als auch bei der Polizei so gut wie nie. „Gleichwohl ist es natürlich wichtig, dass es im Notfall unterschiedliche Möglichkeiten gibt, die Polizei zu kontaktieren.”

Einsatz von Piktogrammen

Die Feuerwehrleitstelle überarbeitet ihr Notfallfax derzeit. Dank einer Umgestaltung soll es vor allem für gehörlose Menschen mit mehrfachen Behinderungen leichter zu handhaben sein. So werden künftig stärker Piktogramme, also kleine Symbolbilder von einem Unfall, einem Feuer oder einem Armbruch verwendet.

„Wichtig ist, dass das Notfallfax schon ausgefüllt in der Schublade liegt”, sagt Weber. Denn Zeit, um Name, Adresse, Art der Behinderung und Angaben zu Personen, die informiert werden sollen, zu machen, habe man im Notfall schließlich nicht. Wenn jemand gesundheitliche Probleme hat, es brennt oder jemand einen Einbruch beobachtet, müsse nur noch zwei oder drei Kreuze gemacht werden. Die entsprechenden Faxnummern können vorher im Gerät gespeichert werden. Auch Kurzmitteilungen und E-Mails lassen sich vorbereiten.

Das neue Formular der Feuerwehr soll bald auf die Internetseite des Kreises gestellt werden. Auf der Internetseite der Polizei steht bereits ein Faxvordruck zum Herunterladen zur Verfügung.
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