Düren - „Ich finde mich gut, so wie ich bin“

CHIO-Header

„Ich finde mich gut, so wie ich bin“

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
7376797.jpg
Sarah Weber lebt mit dem Down-Syndrom. Freitag, am Welt-Down-Syndrom-Tag, erzählt sie, wie sie mit ihrer Behinderung lebt. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Es ist gerade Pause in den Rurtalwerkstätten. „Ich muss meine Sachen zuerst wegräumen. Die leere Flasche und meinen Kuchen. Dann können wir uns unterhalten.“ Ordnung ist für Sarah Weber wichtig, sehr wichtig sogar.

Die 26-Jährige hat das Down-Syndrom oder Trisomie 21, wie diese Behinderung auch genannt wird. Menschen mit Down-Syndrom haben in jeder ihrer Zellen ein Chromosom mehr als andere, nämlich 47 statt 46 Chromosomen. Das Chromosom 21 ist bei ihnen dreifach vorhanden. In Deutschland leben um die 50.000 Männer und Frauen mit Down-Syndrom, jedes Jahr werden um die 800 Kinder mit dieser Veranlagung geboren. Freitag ist Welt-Down-Syndrom-Tag.

Für Sarah ist der 21. März ein Tag wie jeder andere. Ganz normal. Wie immer wird sie heute morgen zur Arbeit gehen, mit ihren Kollegen lachen, hoffen, dass es zum Mittagessen Currywurst mit Pommes frites gibt. Oder Milchreis. Das ist sie besonders gerne.

„Einfach einmal lieb halten“

Menschen mit Down Syndrom, sagt Sarah Webers Betreuer Mark Jochmann (38), „sind besondere Menschen. Weil sie einen besonderen Draht zu ihren Mitmenschen haben.“ „Ich merke immer sofort, wenn es einem schlecht geht oder wenn einer mal nicht so gut drauf ist“, sagt Sarah. „Und dann bin ich da und halte die Leute einfach mal lieb. Das hilft.“ Auf die Frage, was sie besonders gut kann, fällt der jungen Frau nicht sofort eine Antwort ein. „Zuhören“, sagt sie dann. „Das kann ich. Und gut feiern.“

Sarah Weber hat drei Geschwister und wohnt bei ihren Eltern im Niederzierer Ortsteil Ellen. Sie hat die Stephanus-Schule in Selgersdorf besucht und ist seit ungefähr fünf Jahren in den Rurtalwerkstätten. „Ich kann nicht Lesen und Schreiben“, erzählt sie. „Aber das macht nichts. Ich kann trotzdem gut arbeiten.“ Das kann Mark Jochmann nur bestätigen. „Sarah kann Wattepads einpacken und einschweißen, Kerzen mit Dochten versehen und Kerzen bekleben.“ „Das macht mir am meisten Spaß“, ergänzt Sarah.

„Weil das immer so schön aussieht. Aber ich muss machen, was der Chef sagt. So ist das nun einmal.“ Sarah Weber sagt von sich selbst, dass sie glücklich ist. „Ich habe eine gute Arbeit und sehr viele Freunde. Das ist wichtig.“ Drei Mal in der Woche macht sie Sport, Zumba, HipHop und Gymnastik stehen auf dem Programm. Ihre größte Leidenschaft ist allerdings der 1. FC Köln. „Das ist meine Mannschaft. Und Lukas Podolski ist mein Lieblingsspieler. Auch wenn der im Moment nicht in Köln spielt.“ Einmal war sje sogar mit ihrer Mutter in Köln im Stadion. „Das war toll.“

Bei all ihren Fähigkeiten kennt Sarah Weber auch ihre Defizite. Sie weiß, dass sie manche Dinge nicht kann, und sie weiß auch, dass daran ihre Behinderung Schuld ist. „Ich kann nie in einer eigenen Wohnung leben“, sagt sie. „Weil ich immer Hilfe brauche. Ich könnte nie alleine einen Haushalt führen, Wäsche waschen oder falten.“ Sarah Weber überlegt kurz. Und sagt dann: „Ich bin deswegen aber nicht traurig. Traurig war ich, als meine Oma gestorben ist. Aber ich finde, dass ich gut bin, so wie ich bin.“

Ordnung ist wichtig

Gleich kommt Sarahs Bus, mit dem sie nach Hause gebracht wird. Unser Gespräch ist jetzt zu Ende. „Ich muss jetzt gehen, ich möchte mich noch von meinen Kollegen verabschieden.“ Sarah Weber ist schon fast zur Tür raus, als sie noch einmal zurück kommt. Und sich genau den Kalender anguckt, der im Büro ihrer Betreuer an der Wand hängt. „Der ist ja gar nicht richtig eingestellt. Heute ist der 19. Nicht der 18.“ Sarah Weber schiebt das kleine schwarze Kästchen auf den richtigen Tag. Und lächelt. Die Ordnung ist wieder hergestellt. Und das ist ihr eben sehr wichtig.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert