Hürtgenwald - Historische Wanderung: Ein Wald, der noch heute Ängste weckt

Historische Wanderung: Ein Wald, der noch heute Ängste weckt

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Auf den Spuren bedeutender historischer Ereignisse kann am Wochenende gewandert werden. Autor Achim Konejung wird berichten, was sich während des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet des Hürtgenwaldes zugetragen hat.

Hürtgenwald. Großer Beliebtheit erfreuen sich die historische Wanderungen, die der Verein „Rureifel-Tourismus” veranstaltet. Dabei werden Feld und Wald durchstreift, wobei Experten historische Ereignisse schildern und erklären.

Am kommenden Sonntag, 1. März, ist es wieder soweit. Da können die Wanderer erleben, was für die Soldaten beider Seiten (Amerikaner und Deutsche) im Zweiten Weltkrieg das Unheimliche der Waldkämpfe ausmachte und was zu den Mythen und Legenden des Hürtgenwaldes beitrug. Autor Achim Konejung wird die Gruppe begleiten.

Den Hürtgenwald nannte der US-Militärhistoriker Charles MacDonald später einen schwarzgrünen Ozean, in dem sich die G.I.s vorkamen wie Hänsel und Gretel, die ihren Weg verloren. Hemingway, als Kriegsreporter vor Ort, nannte die Eifel die „Wälder, in denen die Drachen hausen”. Das alles erinnert an altdeutsche Märchen und Mythen, an das Nibelungenlied und den Mythos vom Deutschen Wald, der in der Hermannschlacht mithalf, die römischen Legionen zu vertreiben.

Wer kennt nicht das Gefühl von Angst im dunklen Wald? Im Hürtgenwald wurde die uralte Angst zum Alptraum, denn jeder Schritt auf einen toten Ast, jedes Knacken, konnte einen unsichtbaren Feind alarmieren, und selbst am hellichten Tag war es in den Forsten, die damals noch viel dichter waren als heute, so dunkel, dass ganze US-Kompanien die Orientierung verloren und scheinbar auf immer in den Wäldern verschwanden. Tatsächlich aber waren sie von den Deutschen gefangen genommen worden.

Ein Stellungskrieg

Erst langsam lernten die G.I.s, dass nur tiefe Erdlöcher, die mit Baumstämmen abgedeckt waren, einigermaßen Schutz boten. Und die gewohnte Unterstützung, die den schnellen Vormarsch durch Frankreich und Belgien erst ermöglicht hatte, blieb oft aus. Panzer konnten über die unwegsamen Waldwege und Feuerschneisen nur mühsam nachgeführt werden, und die so gefürchteten amerikanischen Jagdbomber mussten immer öfter aufgrund tief hängender Wolken tatenlos bleiben.

Die NS-Propaganda nutzte damals jede Möglichkeit, den Soldaten klar zu machen, dass sie nun unter den Augen der Heimat zu kämpfen hatten. Tagesbefehle wurden dahingehend ausgegeben, dass bei Desertierung über die Familie des Betreffenden die Sippenhaft verhängt werde.

Eine der entscheidenden Fragen bis heute ist, welche Rolle der Westwall im Herbst 1944 wirklich spielte. Auch dazu wird Konejung erhellende Ausführungen machen.

Tatsache ist, dass die in den 30er-Jahren gebauten Bunker für die sich rasant weiter entwickelte Waffentechnik nicht mehr brauchbar waren, so dass zum Beispiel das MG 42 aufgrund der Gasführung nicht in die für die Vorgängermodelle konstruierten Scharten passte. Ähnlich war es bei den Panzerabwehrgeschützen, deren Kaliber im Laufe der Jahre immer größer geworden waren.

Nun aber lagen die Westwallbunker im Bereich der Nordeifel in der Regel in den dichten Wäldern - die Fichten wurden somit zu Panzersperren und die Bunker dienten als Unterstände, die in einem kleinen Radius verteidigt werden konnten, während die eigentliche Frontlinie weiter vorne verlief.

Was stattfand war ein monatelanger Stellungskrieg, der sehr an die Kriegsführung des Ersten Weltkriegs erinnerte.

Wegbeschreibung

Schon am Beginn des Weges sieht man rechterhand im Wald alte Stellungen und Deckungslöcher. Etwas weiter stößt man auf einen Gedenkstein für zwei amerikanische und einen deutschen Soldaten, die hier bei Waldarbeiten 1976 gefunden wurden. Noch heute werden hunderte Soldaten beider Seiten vermisst und immer wieder sterbliche Überreste gefunden.

Etwas weiter steht der Gedenkstein für den erst im Jahre 2000 gefundenen amerikanischen Private First Class Robert Cahow. Der Stein wurde im Jahre 2004 anlässlich des 60. Jahrestages der Schlacht im Hürtgenwald von seiner Familie aufgestellt, weiter oben im Wald liegt die mit Steinen markierte Fundstelle, die an die irische Abstammung des Gefallenen erinnert.

Vom Steinhügel Richtung Westen liegt nur etwa 50 Meter weiter der ehemalige Bunker 113, der vermutlich noch während des Krieges gesprengt wurde. Da die Amerikaner wussten, dass die Deutschen jederzeit zu Gegenangriffen bereit waren, begannen sie ab September, die Anlagen zu sprengen, jedoch mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Einige der eindrücklichsten Schilderungen über die Bunkerkämpfe hat mit Sicherheit Ernest Hemingway in seinem Korrespondentenbericht „Krieg an der Siegfried-Linie” gegeben. Auch wenn sich die dort beschriebenen Kämpfe weiter oben in der Schneifel bei Brandscheid abspielten, gibt der Text ein realistisches Bild von der Situation am Westwall wieder.

Zurück auf dem Mittelweg, der während des Westwallbaus als Baustraße ausgebaut wurde, finden sich weitere Stellen, an denen in der Nachkriegszeit Bunker geschliffen wurden. In der Wegkurve hat man einen Blick auf eine Wiese, die in Zusammenhang mit dem Bau der Ringsiedlung Raffelsbrand gerodet wurde. Vor 1944 gab es im gesamten Bereich keine größeren Freiflächen. Hinter dem gesprengten Bunker 108 befinden sich weitere Reste eines Gefechtsfeldes.

Über die kleine Lichtung gelangt die Gruppe zu Bunker 107, an dem sich leicht feststellen lässt, wie schwer es für die zuerst unerfahrenen Pioniere war, eine derartige Anlage erfolgreich zu beseitigen. Durch den Wald gelangt die Gruppe zurück zum Ausgangspunkt, dem Wanderparkplatz Ochsenkopf.
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