Herbert Knebel: Gespür für subtile Schläue

Von: Hannes Schmitz
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Bot einen Kabarett-Abend der Extra-Klasse mit Anekdoten ohne Sinn und hintersinnigen Monologen: Herbert Knebel. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Bizarre Wortschöpfungen, eigenwillige Ansichten, und das im typischen Ruhrpott-Dialekt. Das kann nur einer: Herbert Knebel. Zu Gast im ausverkauften Haus der Stadt und mit der freundlichen Begrüßung „Liebe Freunde von meinem Humor“ poltert und nörgelt er los.

In seinem angedeuteten Wohnzimmer mit dem Charme der 50er Jahre stand oder saß er mit seinen Markenzeichen, der schwarzen Hornbrille und einer ausgeleierten Abart einer Prinz Heinrich-Mütze, und frönte der deutschen Sprache in klangvollen Wörtern und irren Wendungen, verdrehte, was zu verdrehen war.

Meist beginnen die Geschichten, die der Ruhrpott-Komödiant erzählt, harmlos. Anekdoten ohne scheinbaren Sinn, Monologe mit Hintersinn konsternierten und elektrisierten das Publikum. Mit subtiler Schläue malt er Gegebenheiten aus, parodiert sein Umfeld und blickt beinahe spöttisch ins Publikum, um zu hören, wann der listig auf die Reise geschickte Witz durch befreiendes Lachen zündete. Der renitente Rentner formte seine Nummern zu herrlich überzeichneten Karikaturen und schonte sich dabei auch nicht. Er berichtete von seinen Blasenproblemen und wie er beim Surfen „nach dem Thema“ auf speziellen Seiten landete. „War schon interessant zu sehen, was sich auf dem Sektor in den letzten Jahren so alles getan hat“, wunderte sich Knebel, der sich ansonsten im Netz eigentlich nur über Fußball informiert: „Aber auch Bundesliga.“

Mit überzeugter Ignoranz

Zu allem hat Herbert Knebel eine Meinung und begegnet modernen Errungenschaften, Trends und gesellschaftlichen Entwicklungen mit überzeugter Ignoranz. Die späte „Emma-zipation“ seiner Frau trifft ihn hart („Was aus den 70ern – das hat die Wissenschaft doch schon längst widerlegt.“), er grantelt über die Alzheimer Krankheit seines Hamsters („Alshamster“), nimmt Auswanderung auf die Schippe („Braucht Kanada die Currywurst?), um daraus ablehnend zu folgern: „Schließlich braucht der Papst auch kein Doppelbett !“ Der Blick auf die Jugend verwirrt ihn. Da wären die einen tätowiert wie Fototapete, die anderen gepierct wie ein Werkzeugkasten. Tagebuch wollte er schreiben und lamentiert über das Schnarchen seiner Ehefrau, das ihn dabei stört. Ein Höhepunkt seines Programms. Süffisant überließ er es dem Publikum, den Spruch „Braune haben bessere Laune“ zu deuten, den er von einem Sonnenstudio-Besuch mitnahm. Da er sich angezogen auf die Sonnenbank legte, blieb der „Bräunungserfolg“ aus. Seine Parodien erhielten kritische Untertöne, wenn er sich zu Fragen der Erziehung oder Technokratie im Alltag äußerte.

Damit das Publikum vom Pott-Dialekt nicht zugedröhnt wurde, gab es musikalische Abwechslung. Herbert Knebel als Sänger, der rockte und tanzte und die Bühne auch Ozzy Ostermann überließ („Spiel mal was aus deinem spärlichen Programm“). Der Gitarrist aus Knebels Band „Affentheater“ ist ein ganz Großer und begeisterte mit Klängen auf der Akustik und Flachgitarre. Die Zugabe wurde zum absoluten Genuss. „You are so beautiful“, Herbert Knebel wurde zu Joe Cocker, improvisierte auf der Mundharmonika Fragmente des Mississippi-Blues und endete in typischer Knebel Manier mit „Merci für die Stunden mit Sie!“ Und das Publikum stöhnte unter den Zwerchfell-Attacken den Programmtitel: „Ich glaub, ich geh kaputt“ und gönnte dem Duo auf der Bühne Ovationen.

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