Helga Kox gibt mit 75 Jahren freiwillig den Führerschein ab

Von: Sandra Kinkel
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Helga Kox gibt freiwillig ihren Führerschein ab.

Düren. „Auf bekannten Strecken kann ich noch gut fahren. Aber wenn ich fremd bin und auf Straßenführung, Schilder und den Verkehr achten muss, werde ich unsicher. Und fahre immer langsamer.“ Helga Kox ist 75 Jahre und hat an Heiligabend 1963 ihren Führerschein bekommen.

Jetzt, ziemlich genau 50 Jahre später, gibt sie ihre Fahrerlaubnis zurück. Freiwillig. „Ich habe schon seit fünf Jahren kein Auto mehr“, sagt Helga Kox, „und bin seitdem auch nur noch zwei Mal gefahren. Jetzt möchte ich aber meinen Führerschein endgültig abgeben.“ Helga Kox hat lange überlegt, ob sie diese Entscheidung öffentlich machen soll. „Ich will anderen Menschen in meinem Alter zeigen, dass es diese Möglichkeit gibt.“ In ihrem Alter, so Kox weiter, würden die Augen immer schlechter, das Reaktionsvermögen ließe nach. „An einem Tag standen drei Verkehrsunfälle mit Senioren in der Zeitung.

Es stimmt einfach nicht, dass alte Leute wirklich noch sicher Auto fahren.“ Eine These, die die aktuelle Polizeistatistik so nicht belegt. Seit 2003 liegt die Zahl von Senioren, also Menschen über 65, die im Straßenverkehr verunglücken immer zwischen acht und elf Prozent. Zum Vergleich: Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es im gleichen Zeitraum zwischen 16 und 20 Prozent. Polizeisprecher Ralf Meurer: „Man kann sagen, dass junge Fahrer doppelt so oft verunglücken wie Senioren.

Trotzdem kommt es auch immer wieder vor, dass wir zu Unfällen gerufen werden, an denen Senioren beteiligt sind, die aufgrund körperlicher Mängel nicht mehr in der Lage sind, Auto zu fahren.“ Dann, so Meurer, sei die Polizei verpflichtet, das Straßenverkehrsamt zu informieren. Meurer: „Es gibt im Jahr Hunderte solcher Fälle. Aber natürlich auch wegen Drogenmissbrauch und Alkohol. Konkrete Zahlen für Senioren erheben wir nicht.“ Die Polizei bietet unter dem Motto „Aktive Kraftfahrer über 60 Jahre“ spezielle Seminare für ältere Autofahrer an. Ralf Meurer: „Und die werden erfreulich gut angenommen.“

Ein Konzept, das Helga Kox nicht überzeugt. Auch glaubt sie nicht, dass eine regelmäßige Wiederholung der Führerscheinprüfung ab einem gewissen Alter sinnvoll ist. „Die Einschränkungen, die das Alter mit sich bringt, sind doch trotzdem da.“

Natürlich weiß auch Frau Kox, das ein Leben ohne Führerschein deutlich schwieriger ist als mit. „Ich habe eine Freundin in Schwalmtal-Waldniel. Mit dem Auto war ich in 50 Minuten da, mit öffentlichen Verkehrsmitteln brauche ich dreieinhalb Stunden.“ Grundsätzlich komme man mit Bus und Bahn zwar überall hin. „Aber zurück wird es dann schwer. Da nehme ich mir dann ein Taxi.“

In der vergangenen Woche war Helga Kox schon einmal beim Straßenverkehrsamt, um ihren Führerschein abzugeben – zu Fuß vom Kaiserplatz. „Weil auch hier die Busverbindungen schlecht sind. Ich war aber zu spät, freitags ist ab 12 Uhr geschlossen.“ Helga Kox will nächste Woche wieder hin, dass sie vor verschlossene Türen gelaufen ist, hat in ihr den Entschluss reifen lassen, mit ihrer Rückgabe des Führerscheins an die Öffentlichkeit zu gehen. „Auch wenn ich damit vielen Senioren vielleicht auf die Füße treten.“ Vielleicht könne sie aber auch Anstoß für andere sein, das eigen Fahrvermögen kritisch unter die Lupe zu nehmen.

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