Düren - Heimunterbringung verhindern: Stadt sucht Pflegeeltern

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Heimunterbringung verhindern: Stadt sucht Pflegeeltern

Von: Sandra Kinkel
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Düren. „Unser Michael ist ein Sonnenkind. Auch wenn er uns manchmal große Schwierigkeiten machte.” Anne Peters (Name geändert), 49, lächelt leicht. Die gelernte Krankenschwester hat sich ihr Leben lang eine große Familie gewünscht. Zwei leibliche Kinder (28 und 24 Jahre) hat sie, ein vierjähriges Enkelkind und seit zwei Jahren auch zwei Pflegekinder.

Michael, 6, und Eva, 2 Jahre alt. Die beiden bedeuten für Anne Peters und ihre Partnerin großes Glück.

Die Stadt Düren sucht seit einiger Zeit Pflegeeltern. Eine Heimunterbringung kostet im Monat um die 5000 Euro pro Kind, die Unterbringung bei einer Pflegefamilie nur etwa ein Fünftel davon. Bei der Adoptions- und Pflegekinderstelle der Evangelischen Gemeinde ist eigens eine Dreiviertel-Stelle eingerichtet worden, nur um neue Pflegefamilien zu finden.

14 neue Vermittlungen pro Jahr waren das Ziel. Das konnte nicht erreicht werden. „Wir haben”, so Rita Pütz-Pilger, „im gesamten Kreis Düren 26000 Elternbriefe in Schulen und Kindergärten verteilt und unzählige Vorträge gehalten.” Es haben sich auch zehn Paare gefunden, die gerne ein Pflegekind aufnehmen würden, aber eine Vermittlung hat noch nicht stattgefunden.

„Es hat einfach nicht gepasst”, sagt Rita Pütz Pilger. 70 Prozent aller Paare, die ein Pflegekind aufnehmen wollen, möchten ein Kind, das nicht älter ist als sechs Jahre.

„Und irgendwo kann ich das auch verstehen”, so Pütz-Pilger. „Die Leute wünschen sich Familienleben, wollen die Kinder aufwachsen sehen. Und sie denken, dass kleinere Kinder weniger psychische Defizite haben. Obwohl das nicht immer stimmt.”

Grundsätzlich kann man sagen, dass es eine immense Herausforderung ist, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen. „Das ist wahrhaftig kein Waldspaziergang”, sagt auch Anne Peters. „Das ist die Erziehung von leiblichen Kindern auch nicht, aber da ist man Teil der gemeinsamen Geschichte.”

Die Mutter von Michael, Anne Peters älterem Pflegesohn, ist suchtkrank und hat sehr chaotisch gelebt. Michael war eine Zeit lang bei seinen Großeltern, dann bei einer Kurzzeitpflegefamilie. Zwischendurch ist er wieder zurück zu seiner Mutter gekommen. „Als wir ihn dann zu uns nach Hause genommen haben”, so Anne Peters, „hat er in der ersten Nacht bis fünf Uhr morgens geweint und immer gesagt, dass wir ihn zurück bringen sollen. Das war schon sehr schwer.”

Hinzu kommt, dass Pflegekinder irgendwann unter Umständen wieder zurück zu ihren leiblichen Eltern können. Wenn deren Lebensumstände sich verbessert haben, zum Beispiel.
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