Heimbach - Heimbacher Rat über das Kraftwerk: Nichts als negative Auswirkungen

Heimbacher Rat über das Kraftwerk: Nichts als negative Auswirkungen

Von: Margret Vallot
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Traumhaft schön: das Schilsba
Traumhaft schön: das Schilsbachtal. Es soll, so vermutet man in Heimbach, geopfert werden.

Heimbach. Das überraschte dann doch: Im Rat der Stadt Heimbach haben sich die Vertreter aller Parteien gegen das Stromspeicherkraftwerk ausgesprochen, auch Arno Krischer, der für die Grünen im Rat sitzt.

Dabei haben besonders die Grünen seit Jahren bundes- und landesweit auf die Energiewende hingearbeitet, innerhalb der das riesige Pumpspeicherkraftwerk am Rursee ein Baustein sein soll. Die Dimensionen sind gigantisch: Es wird auf Simmerather Gebiet ein künstliches Wasserbecken angelegt mit einer Wasseroberfläche von 50 Hektar. In dem Becken werden 7,6 Millionen Kubikmeter Wasser gespeichert. Das Becken wird über eine unterirdische Druckleitungstrasse, die knapp drei Kilometer lang ist, mit Wasser aus dem Rursee gespeist. Am Rursee wird ein Einlauf-Auslaufbauwerk errichtet. Der Flächenverbrauch beläuft sich auf 81 Hektar.

Gastronomie, Hotellerie, Campingbetriebe und die Rurseeschifffahrt, der Freizeitsport mit seinen Angeboten im Segeln, Surfen, Rudern, Schwimmen, Tauchen und Angeln „werden erheblich beeinträchtigt”. So steht es in dem vielseitigen, eng beschriebenen Papier, das die Verwaltung als Vorlage gefertigt hatte.

Stundenlange Diskussionen waren der Zusammenstellung der Argumente gegen das Kraftwerk vorausgegangen. Alle Fraktionen hatten sich in Gesprächen mit der Verwaltungsspitze geäußert. Sie fanden, wie mitgeteilte wurde, ihre Argumente haargenau in der Stellungnahme wieder.

In Gefahr ist, glaubt man den Stadtvätern und - müttern die naturnahe Erholung in der gesamten Nationalparkregion, und das sowohl während der Bau- als auch während der Betriebsphase. Unternehmen mit ihren Arbeitsplätzen, Vereine mit ihren Einrichtungen und regional bedeutsame Veranstaltungen seien unmittelbar abhängig von dem Zustand des Rursees, und hier sei Gefahr im Verzug.

Gerd Linden, Fraktionschef der CDU im Rat, formulierte, was die Heimbacher zusätzlich auf die Palme bringt: Schon öfter habe man versucht, kleine Grundstücke als Bauland auszuweisen, damit junge Leute, die bauen wollen, aus Heimbach nicht wegziehen müssen. Genehmigungen seien nicht erfolgt wegen schützenswerter Tiere. Jetzt aber soll ein ganzes Tal, das Schilsbachtal, einem Großprojekt geopfert werden.

Linden erhielt sogar etwas Beifall, als er im Rat nochmals diesen Widerspruch darstellte. Er erwähnte auch Aussagen aus einem Umweltbericht, „die einfach nicht stimmen können”. In diesem Bericht werden die Auswirkungen des gigantischen Stromspeicherkraftwerks als begrenzt, beherrschbar und kurzfristig dargestellt. Da sei eine Nachbesserung erforderlich, so Linden. Überhaupt wundert man sich in Heimbach, warum nicht Umweltverbände, die zum Beispiel Uhus schützen möchten, gegen das Kraftwerk auftreten.

Nördlich und südlich des Staudammes Schwammenauel sollen Flächen für Baumaterial benutzt werden. Von dort soll das Baumaterial mit Schiffen zur Baustelle transportiert werden. Eine Fläche ist schon seit langem als Parkplatz für das 40 Millionen Euro teure Feriendorf, das gerade entsteht vorgesehen. Großflächige Baustellen-Depots sehen scheußlich aus, dort gibt es ständig Krach, viele Lkw fahren dort hin und zurück. So steht es sinngemäß in der Stellungnahme. Insbesondere fürchten die Heimbacher um das exklusive Feriendorf „Resort Eifeler Tor”.

Absenkung des Wasserspiegels, Totalausfall mindestens einer Saison, ein Imageschaden, Strömungsveränderungen im See und eine problematische Anbindung an das Hochspannungsnetz werden in dem Bericht erwähnt, um den die Heimbacher gebeten wurden. Die Lösung „See im See”, die die Abtrennung eines kleinen Teils des Rursees bedeuten würde, sei gar nicht geprüft worden, so wird moniert. Während der Sitzung betonten die Sprecher alle Fraktionen, dass es richtig gewesen sei, sich von der Atomkraft zu verabschieden. Es müsse aber geprüft werden, ob das Pumpspeicherkraftwerk nicht eine Nummer kleiner realisiert werden könne.
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