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Heimat hat ganz viel mit Menschen zu tun

Von: kin
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Fühlen sich in Deutschland zu Hause: Marcus und Anna Müller, Lena Voth und deren Schwiegervater Peter Voth (von links). Alle vier sind aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Foto: S. Kinkel

Düren. „Wir haben zu Hause immer Deutsch gesprochen. Und wir haben uns auch immer Deutsch gefühlt.“ Peter Voth ist 60 Jahre alt. Er ist in Sibirien geboren und 1988 als Spätaussiedler mit seiner ganzen Familie nach Deutschland gekommen. „Wir sind als Großfamilie umgesiedelt“, sagt er. „Wir hatten das Gefühl, in die Heimat zu kommen.“

„Heimat. Sehnsucht. Identität“ heißt eine Veranstaltungsreihe des Kulturbetriebes der Stadt Düren, die sich ein ganzes Jahr lang mit dem Begriff Heimat auseinandersetzt. Und auch die „DZ“ versucht, sich den verschiedenen Bedeteungen von Heimat aus unterschiedlichen Richtungen zu nähern.

Wichtig war immer der Glaube

Lena Voth (34), Peter Voths Schwiegertochter, ist ebenfalls 1988 aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Damals war sie sechs Jahre alt. „Meine Familie und ich haben im Kaukasus gelebt. Und wir haben immer nur Plattdeutsch gesprochen. Russisch habe ich erst in Deutschland gelernt.“ In Russland, ergänzt die junge Frau, seien sie immer die Deutschen gewesen. „Und in Deutschland waren wir plötzlich die Russen. Das war schon sehr schwer.“

Ganz ähnlich war das bei Anna Müller (38) auch. „Meine Großeltern waren beide Deutschlehrer. Ich habe schon in Russland immer Hochdeutsch gesprochen. Und mein Opa hat immer gesagt: ‚Ich will zurück nach Hause.‘ Deutschland war seine Sehnsucht.“ Klingt, als seien Peter Voth, Anna Müller und Lena Voth in der Heimat angekommen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Lena Voth: „Anfangs war es schwer. Wir haben schon anders ausgesehen als die deutschen Kinder. Genau wie in Russland waren wir anfangs auch in Deutschland Fremdlinge. Vielleicht ist auch deswegen der Begriff Heimat für mich nicht unbedingt an einen Ort gebunden, sondern an Menschen.“

Was Lena und Peter Voth sowie Anna Müller und ihrer Familie schon immer sehr wichtig gewesen ist, ist ihr Glaube. „Wir sind Christen“, sagt Peter Voth. „Unter der Christenverfolgung in Russland haben wir sehr gelitten.“ „Deutsch und christlich zu sein“, ergänzt Schwiegertochter Lena, „war wirklich eine sehr schlechte Kombination. Wir haben in ständiger Angst gelebt. Gleichzeitig hat uns aber der Glaube auch sehr zusammengeschweißt.“

In der neuen Heimat Düren gibt es mittlerweile Freie-Christliche Gemeinden und auch eine Freie-Christliche Grundschule. „Ich würde nicht sagen, dass das bedeutet, dass wir nicht gut integriert sind“, sagt Lena Voth. „Es stimmt, dass die meisten Mitglieder der Freien-Christlichen Gemeinde Russland-Deutsche sind. Und es stimmt auch, dass im Augenblick noch die meisten Kinder unserer Schule aus Russland-deutschen Familien stammen. Aber das soll nicht so bleiben. Wir sind offen für alles.“

Integration, da sind sich alle vier einig, müsse immer von zwei Seiten passieren. Anna Müller: „Die Russland-Deutschen haben einfach eine sehr herzliche, offene Mentalität. In Russland wurden Dinge wie Nachbarschaft und Nachbarschaftshilfe sehr groß geschrieben. Als wir nach Düren gekommen sind, ist meine Mutter einfach einmal mit einem Kuchen zu den Nachbarn gegangen. Und hat alten Menschen geholfen. Da gab es schnell Kontakte.“

Sehnsucht nach Russland haben Anna Müller und die Voths keine mehr. „In Sibirien hat meine Wiege gestanden“, sagt Peter Voth. „Aber meine Heimat ist Deutschland. Meine Zeit in Russland ist für mich ein abgeschlossenes Kapitel, ein Stück Geschichte.“ Lena Voth erklärt es so: „Mir fehlen die Erinnerungen an Kasachstan. Ich war einfach zu klein, als wir nach Deutschland gekommen sind. Ich habe überhaupt kein Bedürfnis, dort noch einmal hinzufahren. Aber meine Eltern auch nicht.“

Ob sie denn gar nichts aus der Sowjetunion mitgebracht haben? „Doch schon“, lacht Peter Voth. „Bortsch, die leckere Suppe mit Roter Beete.“ Überhaupt ist es die russische Küche, die Voths und Anna Müller manchmal vermissen. „Ich gehe manchmal in den russischen Supermarkt“, sagt Anna Müller. „Die Atmosphäre und die Gerüche dort erinnern mich an früher. Und ich koche und esse auch gerne russische Gerichte.“ Das habe aber nichts damit zu tun, dass sie schlecht integriert sei oder Dingen von früher nachtrauern würde. „Im Gegenteil“, sagt sie. „Manchmal habe ich einfach Lust auf die Sachen. Genau wie ich manchmal Lust auf Fladenbrot habe und dann beim Türken einkaufe.

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