Düren - Heilende Hände ab 16 Uhr im Stress

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Heilende Hände ab 16 Uhr im Stress

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Seine wichtigsten Werkzeuge: Michael Braun arbeitet mit den Händen. Foto: Guido Jansen

Düren. Es ist nicht so, dass Michael Braun bis zum späten Nachmittag unter chronischer Unterbeschäftigung leidet. Im Gegenteil. Der Physiotherapeut hat ab halb sieben einen Termin nach dem anderen. „Ab 16 Uhr geht es dann aber richtig los”, berichtet Braun aus seinem Arbeitsalltag.

Wenn für andere der Feierabend anfängt, bricht in Brauns Praxis in Rölsdorf noch einmal ordentlich Arbeit aus. Denn die Termine ab 16 Uhr sind beliebt. Viele Berufstätige nutzen die Gelegenheit, sich nach einem Arbeitstag noch einmal behandeln zu lassen. Dazu kommen die so genannten Akutbehandlungen, eine Art physiotherapeutischer Erstversorgung. Und die findet bei den meisten Patienten ebenfalls erst nach Feierabend statt.

„Das Zeitgefühl habe ich verloren”, schildert der 34-Jährige. „Ich merke aber trotzdem, wenn es 16 Uhr ist. Dann wird es hier nämlich wesentlich hektischer”, erzählt Braun.

Mehr Patienten stehen auf der Matte, das Telefon klingelt häufiger, die Pausen zwischen Behandlungen werden kürzer und verschwinden irgendwann ganz im dicht gedrängten Terminkalender. Viel Arbeit für Braun und seine wichtigsten Werkzeuge: die Hände.

Schnell, schnell, schnell - nach diesem Motto kann der Dürener trotzdem nicht arbeiten. Trotz 30 bis 35 Patienten pro Tag, die der Dürener in die Finger kriegt.

Jede Behandlung braucht ihre Zeit - etwa 20 bis 25 Minuten. Zudem sind die Hände nicht die einzigen Werkzeuge, die er braucht. Der Mund ist ebenso wichtig.

„Als Physiotherapeut ist es ganz wichtig, mit den Patienten zu reden”, erklärt er. Alleine schon, um sich im Gespräch an die Problemzonen heran zu tasten.

Oftmals gibt dabei die Auskunft, welchen Beruf der Mensch ausübt, der gerade unter Brauns Händen liegt, erste Aufschlüsse. „Leute, die körperlich schwer arbeiten, haben häufig Probleme im Lendenwirbel-Bereich.”

Büro-Berufe bringen andere Probleme mit sich: Nackenbeschwerden, Kopfschmerzen. Oder der Tennis-Ellenbogen, der entstehen kann, wenn man am Computer viel mit der Maus arbeitet. „So kommst du automatisch mit Patienten ins Gespräch”, schildert Braun, der auch die Evivo-Volleyballer versorgt, dass sein Beruf sehr kommunikativ sei. O

ftmals gehen die Gespräche dann über die Anamnese, also das Abfragen von Vorgeschichte und Art der Probleme, hinaus. „Mit vielen Leuten rede ich über Gott und die Welt. Andere wollen nicht reden. Das ist auch völlig okay.”

Neben dem Beruf gibt es ein zweites, großes Feld, das dafür sorgt, dass Physiotherapeuten Kundschaft haben. Die Rede ist vom Sport. So sind viele Läufer in Rölsdorf zur Behandlung.

Die Problemzonen sind dabei meist sehr ähnlich. Anfänger laufen häufig mit dem falschen Schuhwerk. Viele Experten dagegen überschätzen sich schnell. Vor allem dann, wenn sie nach einer Pause zunächst einmal kürzer treten sollten.

Deswegen gibt Michael Braun Ratschläge und hilft beim Erstellen von Trainings- und Ernährungsplänen. Selbst in Behandlung ist Braun nicht. Obwohl der Job sehr anstrengend sein kann. „Ich bin ja ständig in Bewegung und mache viele der Übungen mit”, berichtet der 34-Jährige.

Selbst, wenn er auf seinem Behandlungsstuhl sitzt, ist der Dürener aktiv. Der Stuhl hat einen abgerundeten Fuß und steht nicht fest auf dem Boden. Die Rückenmuskulatur muss den schwankenden Stuhl stabilisieren. Der Physiotherapeut therapiert sich während der Arbeit selbst.
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