Handball-WM: Simon Ernsts frühere Lehrer fiebern mit

Von: Sandra Kinkel
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Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet bei der WM in Frankreich am Freitag ihr erstes Gruppenspiel. Mit dabei der aus Birkesdorf stammende Rückraumspieler Simon Ernst. Foto: imago/sportfotodienst

Düren. An der Pinnwand im Lehrerzimmer des Stiftischen Gymnasiums hängt seit wenigen Tagen ein großes Foto von Simon Ernst (22) – und gleich darunter ein Spielplan von der Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich, die seit Dienstag läuft. Der Grund dafür ist schnell erklärt.

Simon Ernst hat vor gut drei Jahren am Stift sein Abitur gemacht, am Freitag bestreitet er mit der Handball-Nationalmannschaft in Rouen das erste Gruppenspiel gegen Ungarn (Anpfiff 17.45 Uhr). Und seine Lehrer von früher fiebern tüchtig mit. „Simon“, erinnert sich Ulrich Meyer, stellvertretender Schulleiter und im zehnten Schuljahr der Klassenlehrer des Handball-Profis, „war in einer sehr sportlichen Stufe. Zum gleichen Jahrgang gehörte auch Yannick Gerhardt, der heute für den VfL Wolfsburg Fußball spielt, und Marcel Prinz, der Junioren-Weltmeister im Wildwasser-Kanu war.“

Simon Ernst, so Meyer weiter, sei ein Musterschüler gewesen. „Und damit meine ich nicht, dass er ein langweiliger Streber war“, so der Mathematik-, Geschichts-, Latein- und Physiklehrer. „Simon war ein sehr guter Schüler, und er war bei seinen Mitschülern sehr beliebt.“ Lehrer Meyer erinnert sich an ein Sportfest, bei dem Simon Ernst und Yannick Gerhardt mit den beiden Parallelklassen gegeneinander Fußball gespielt haben. „Ich meine mich zu erinnern, dass meine Klasse gewonnen hat“, sagt Ulrich Meyer lachend. „Aber ganz im Ernst: Alle drei herausragenden Sportler aus dieser Jahrgangsstufe haben sich durch sehr viel Selbstdisziplin hervorgetan.“

„Immer ein netter Kerl“

Sportlehrerin Britta Jonientz, die Simon Ernst im achten und neunten Schuljahr unterrichtet hat, sieht das ganz ähnlich. „Simon war immer ein netter Kerl, der ganz viele Freunde hatte. Und er war gerade im Sportunterricht hochmotiviert und sehr konzentriert. Aber er hat nie raushängen lassen, dass er Leistungssportler ist.“

Fußballprofi Yannick Gerhardt und Simon Ernst stehen noch heute in Kontakt. Klar, dass der Mittelfeldspieler auch die Handball-WM in Frankreich verfolgt. „Ich wünsche Simon für die WM ganz viele Einsatzzeiten und dass er verletzungsfrei bleibt. Der Mannschaft wünsche er den maximalen Erfolg – den Titel“, sagt Gerhardt. In der Schule sei Simon immer der Liebling der Lehrer gewesen“, so Gerhardt schmunzelnd. „Außerhalb des Unterrichts war er für jeden Spaß zu haben. Mit ihm war es nie langweilig.“

Kein Wunder, dass Simon Ernst im Sportunterricht immer zu den Besten gehört hat. Yannick Gerhardt: „Wir hatten immer Angst, dass Drehball gespielt wurde, weil Simon so unglaublich hart werfen konnte.“ Eine kleine, natürlich nicht ganz ernst gemeinte Kritik an seinem Freund aus Jugendzeiten hat Yannick Gerhardt dann aber auch noch parat: „Simon war auch immer gut angezogen, meistens hat er Jeans und Hemd getragen. Aber warum er immer die weißen Tennissocken anhatte, werde ich nie verstehen...“

Zum Outfit der deutschen Handball-Nationalmannschaft, aber das nur nebenbei, gehören übrigens schwarze Socken, aber das interessiert Simon Ernsts jüngeren Bruder Aaron vermutlich nur ganz am Rande. Er wird sich die ersten beiden Gruppenspiele seines Bruders gegen Ungarn und Chile mit Freunden und der Familie zu Hause in Birkesdorf anschauen. Die Spiele drei und vier gegen Saudi-Arabien und Weißrussland wird der Student live im Stadion in Rouen verfolgen. „Bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein“, sagt Aaron Ernst, „ist noch einmal ein Stück größer, als bei der EM zur Nationalmannschaft zu gehören. Wobei man natürlich schon sagen muss, dass die stärksten Handball-Teams aus Europa kommen. Aber ich denke schon, dass eine Weltmeisterschaft höher anzusetzen ist.“

Sein Bruder sei zuletzt Weihnachten zu Hause gewesen und dann nach einem Meisterschaftsspiel mit dem VfL Gummersbach am zweiten Weihnachtstag gleich zu einem Vorbereitungslehrgang mit der Nationalmannschaft gefahren. „Insgeheim hat unsere Familie natürlich schon gehofft, dass Simon es in den WM-Kader schafft“, erzählt Simon Ernst. „Und dass er in den letzten Testspielen so viele Einsatzzeiten bekommen hat, hat uns auch hoffen lassen. Aber wirklich erfahren haben wir es auch erst kurz bevor der Bundestrainer es offiziell gemacht hat.“ Dass sein Bruder einmal ein besonders guter Handballer werden würde, habe sich schon früh abgezeichnet. „Er war immer sehr gut. Heute sind seine Stärken Durchsetzungsvermögen und eine starke Präsenz auf dem Spielfeld. Er kann im Angriff und in der Abwehr eine zentrale Rolle spielen.“

Aaron Ernst, der selbst beim Birkesdorfer Turnverein in der ersten Mannschaft begeistert Handball spielt, ist sich ziemlich sicher, dass Deutschland die Gruppenphase im Turnier übersteht. „Alles andere wäre für mich schon eine große Überraschung. Ich denke, das Halbfinale ist schon drin.“ Gut möglich also, dass Familie Ernst bis zum 29. Januar vielleicht noch häufiger nach Frankreich fährt.

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