Vettweiß/Düren - Hajo Lehser hat 4000 Greifvögel „vor dem Tod bewahrt“

Hajo Lehser hat 4000 Greifvögel „vor dem Tod bewahrt“

Von: Ingo Latotzki
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Greifvogelflüsterer Hajo Lehser: Gestern hat der Zülpicher einen aufgepäppelten Bussard bei Müddersheim freigelassen. Foto: Ingo Latotzki

Vettweiß/Düren. Hajo Lehser spricht mit Mäusebussarden wie mit Kindern. „Nun komm‘, ich hatte dir doch etwas versprochen“, sagt er am Dienstag, als er versucht, behutsam einen Raubvogel im Gehege einzufangen. „Komm‘, du hast doch gleich deine Freiheit wieder...“ Dann ist es geschafft. Das einjährige Tier sitzt auf Lehsers Arm.

Noch ein wenig streicheln und schmusen – und es ist soweit: Lehser wünscht Lebewohl und schaut, wie sich der Mäusebussard in die Lüfte hebt.

Weg ist er. „Mir geht jedes Mal wieder das Herz auf“, sagt er. Wenn es Pferdeflüsterer gibt, ist Lehser so etwas wie ein Greifvogelflüsterer. „Es gibt eine Seelenverwandtschaft zwischen uns“, sagt er, „die Vögel und ich: uns verbindet großes Vertrauen.“ 4000 Greifvögel hat Lehser, 62, in seinem Leben aufgepäppelt und wieder frei gelassen. Der in Füssenich bei Zülpich lebende ehemalige Bahnbeamte betreibt eine Pflegestation für verletzte Greifvögel, zunächst in Zülpich. Als aber seine Anlage einem Supermarktanbau weichen musste, fand er ein paar Kilometer entfernt auf dem Gelände der Papierfabrik Smurfit Kappa bei Bessenich ein neues Domizil. „Es ist meine Lebensaufgabe“, sagt er.

Seit er elf ist, begeistert er sich für Raubvögel. Lehser machte Schulungen und Ausbildungen, heute darf er sich Großfalkenmeister nennen. Er ist der Einzige in der Gegend, der sich mit dieser Intensität um die Vögel kümmert. „Die Behörden haben meine Nummer“, sagt er. Sie rufen an, wenn wieder mal irgendwo ein Greifvogel in Not ist. Wie im vergangenen Monat, als Lehser den am Dienstag in Freiheit entlassenen Mäusebussard in Müddersheim abholte.

Das Tier war angefahren worden und schwer verletzt. Vor einer guten Woche wurde Lehser in die Dürener Dr. Overhues-Allee gerufen, um einen verletzten Sperber zu holen. „Das Tier wird noch drei Wochen brauchen“, sagt er und lächelt. „Dann kommt es auch wieder frei.“ Ob er Wehmut spüre, wenn er die Vögel nach Wochen intensiver Betreuung wieder freilasse? Nein, sagt er. „Es sind Edelsteine, die ich der Natur zurückgebe.“ Er klingt ein bisschen wie ein Vater, der zusieht, wie sein Kind das Elternhaus verlässt.

Mehr als 200.000 Euro hat Hajo Lehser eigenen Angaben nach in seine Greifvogelstationen gesteckt. Pro Jahr fielen knapp 12.000 Euro Kosten an, unter anderem für Futter, Fahrten und ärztliche Versorgung. Rund 5000 Euro erhält er jährlich an öffentlichen Zuschüssen. Lehser bringt also Geld mit. „Ich mache das aus Liebe zu den Tieren“, sagt er. Mehr als 100 Greifvögel päppelt er jedes Jahr auf.

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