„Guten Tag, wo ist mein Fuß?“: Die skurrile Welt von Miró

Von: Beate Weiler-Pranter
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Die Schauspielerin Martina Couturier und die Tänzerin Jule Oeft zogen ihr junges Publikum schnell in ihren Bann. Foto: Beate Weiler-Pranter

Heimbach. Gleich in der ersten Szene eroberten Schauspielerin Martina Couturier und Tänzerin Jule Oeft die Herzen ihrer kleinen Zuschauer. Unter dem Titel „Guten Tag, wo ist mein Fuß?“ führten die beiden Darsteller in die phantastisch bunte, oft skurrile Welt des spanischen Malers Joan Miró ein.

„Das ist das Atelier des kleinen Herrn Miró“, raunt Martina Couturier den Kindern ab vier Jahren zu, während sie vorsichtig auf einen rostigen Klingelknopf drückt. Und plötzlich sind sie mitten drin. Mitten im Leben des Künstlers. „Von morgens bis abends malt er Bilder“, verrät sie den staunenden Kindern. „Das ist ja schließlich sein Beruf.“ Begleitet von spanischen Gitarrenklängen beginnt eine assoziative Reise durch Mirós Leben. Flirrende Hitze, 40 Grad im Schatten. Mit wenigen Requisiten zaubert das Schauspieler-Duo mediterrane Atmosphäre. Da wird eine rote, runde Pappscheibe zur glühenden Sonne, die später auf der Leinwand des Künstlers landet. In der flirrenden Hitze beginnen Punkte und Linien zu tanzen.

Für eine kühle Brise sorgt ein blaues Pappquadrat, mit dem Jule Oeft wie der Wind über die Bühne tanzt und fächelnd die Haare der Kinder wehen lässt. Da drehen sich Malpinsel um die eigene Achse und leuchtende Sterne werden auf die Leinwand projiziert.

Idealer Aufführungsort

„Unser Ziel war es, Malerei zu den Kindern zu bringen“, erläutert Martina Couturier die Entstehung ihres Kindertheaterstücks, in dem Schauspiel, Tanz und Objektkunst zu einem mitreißenden Theatererlebnis verschmelzen. Und da das Berliner Ensemble besonders gern in Museen auftritt, war die Heimbacher Kunstakademie der ideale Aufführungsort.

Bereits im Treppenaufgang von Burg Hengebach zeigte die Schauspielerin – schon in Kostüm und Maske – den kleinen Besuchern vor der Vorstellung einige Miró-Bilder. Ließ die jungen Betrachter einzelne Motive entdecken, die später auf der Bühne wieder auftauchten und zum Leben erweckt wurden.

Umwerfend komisch die Szene, in der Martina Couturier auf einer großen Holzkiste sitzt, aus der plötzlich der Fuß ihrer Partnerin Jule Oeft herauskommt, die sich in der Kiste versteckt hat. Verspielt und neugierig wie ein junger Hund hält dieser bewegliche, ausdrucksstarke Fuß unter dem Jubel der Kinder die Erzählerin auf Trab. Kriecht in ihr Hosenbein, klettert auf den Schoß – bis auch er Befehle wie „Platz!“, „Sitz!“ oder „Putz!“ lernen muss.

Nach fast einer Stunde voller assoziativer Bilder klatschten die kleinen Theaterbesucher, bis die Hände heiß wurden. Danach standen sie ehrfürchtig vor Fotos von Joan Miró, dem „kleinen Mann mit den weißen Haaren und blauen Augen“, betrachteten Aufnahmen von seinem Atelier – so wie es in Wirklichkeit aussah. Eins ist sicher: Den Namen Miró werden die kleinen Theater-Starter nach diesem Bühnenerlebnis nicht so schnell vergessen.

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