Sporter des Jahres Freisteller Sportlerwahl Sportlergala Freisteller

Gute Führung: Neues Buch einer Echtzerin

Letzte Aktualisierung:
13553439.jpg
Heike Kuhlmann in einem ihrer Seminarräume in Echtz. Wichtig für Führungskräfte sei zu erkennen, wie unterschiedlich ihre Mitarbeiter „ticken“, sagt sie im Interview mit den „DN“. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Früher verstand der eine oder andere Chef unter Führung ganz einfach Befehl und Gehorsam. Das mag heute in seltenen Fällen noch so sein. Es sollte aber anders gehen. Vor welchen Herausforderungen Führungskräfte stehen und wie sie Mitarbeiter motivieren können, beschreibt Heike Kuhlmann in ihrem Buch „Integrale Führung“, das jetzt im renommierten Wissenschaftsverlag Springer Gabler erschienen ist.

Kuhlmann lebt in Echtz und blickt auf 18 Jahre Management- und Führungserfahrung zurück, 15 Jahre hat sie Erfahrung als Trainerin, Coach und Beraterin. Das Buch hat sie mit ihrer Kollegin Sandra Horn geschrieben. Im Gespräch mit DN-Redakteur Ingo Latotzki erklärt sie, wie moderne Führung aussehen kann.

Was genau ist „Integrale Führung“?

Heike Kuhlmann: Wir leben ja in einer Zeit, die schnelllebiger und komplexer geworden ist. Viele Veränderungen wie zum Beispiel demografischer Wandel, Einstellung auf die Generation Y und Z, Digitalisierung oder Industrie 4.0 werfen Fragen auf: Wie gehen wir als Gesellschaft, aber auch als Unternehmen und als Führungskraft damit um? Wie können wir die Komplexität, die neuen Herausforderungen händeln, den Fortschritt gestalten und dabei das, was gut und wertvoll ist, integrieren. Die integrale Führung gibt Antworten auf all diese Fragen – mit ganz neuen Lösungsansätzen.

Was bedeutet „integral“?

Kuhlmann: Vernetzen, verknüpfen, integrieren. Wir alle sollten lernen, mehr Facetten in den Blick zu nehmen, das Zusammenspiel und die Wechselwirkungen zu sehen. Häufig fokussieren sich Führungskräfte auf einen Teilaspekt, sie schauen beispielsweise ausschließlich auf den Managementbereich. Es geht um Ziele, Strukturen, Strategien und Prozesse, um sich optimal aufzustellen. Das ist wichtig. Aber es geht manchmal verloren zu schauen, was mit den einzelnen Menschen und der Unternehmenskultur geschieht, wenn wir etwas verändern. Oft gibt es Widerstand. Dann muss man sehen: Wie nehme ich die Menschen mit, etwa, wenn es Ängste gibt.

Wieso brauchen Führungskräfte da Unterstützung?

Kuhlmann: Es geht darum, den Blickwinkel zu erweitern. Wichtig ist für Führungskräfte auch, zu erkennen, wie unterschiedlich ihre Mitarbeiter „ticken“. Statistiken zeigen: Es gibt heute viel Demotivation. Man sollte als Führungskraft wissen, welche Werte, Bedürfnisse und Talente haben Mitarbeiter, wie kann ich sie dementsprechend besser einsetzen und sie damit auch mehr anerkennen und motivieren.

Haben Sie den Eindruck, dass viele Führungskräfte heutzutage überfordert sind?

Kuhlmann: Vielleicht nicht überfordert. Viele sind sehr gut ausgebildet, sie sind Experten und engagieren sich überdurchschnittlich. Aber die Anforderungen werden immer komplexer, eine Veränderung jagt die andere. Weil das so ist, fallen häufig andere, wichtige Dinge hinten runter.

Geht’s auch darum, Prioritäten zu setzen?

Kuhlmann: Ja, aber nicht im Sinn von Zeitmanagement. Die Führungskraft sollte zunächst das große Ganze wahrnehmen und dann auf das Wesentliche für das Unternehmen und für die Mitarbeiter fokussieren. Sonst läuft man Gefahr „auf das falsche Pferd zu setzen“ oder hechelt nur den Routinen hinterher.

Welche Strategien bietet Ihr Buch an?

Kuhlmann: Viele neue Tools und Orientierungshilfen für die Unternehmensführung, die eigene Führung und Mitarbeiterführung. Es ist zum Beispiel wichtig, die Mitarbeiter individuell zu führen. Der eine braucht eine engmaschige Betreuung und Unterstützung, der andere läuft an der längeren Leine. Manche brauchen nur den Rahmen, also das Ziel, und sind froh, wenn sie alleine marschieren können. Manche können auch eigenständig komplexe Themen aufbereiten, allein. Es ist wichtig, dies zu unterscheiden. Dadurch ergeben sich auch für die Führungskraft mehr Freiräume.

Nicht nur Führungskräfte haben viel Arbeit, sondern oft alle Mitarbeiter des Unternehmens. Kann ihr Buch auch den ganz normalen Kollegen helfen?

Kuhlmann: Ja, es geht auch um Zusammenarbeit zwischen Kollegen, da hat man es häufig mit Konflikten zu tun. Beispiel: Die Mitarbeiter gehen unterschiedlich an Aufgaben heran. Der eine sieht das Ganze, der andere schaut auf die Details. Der eine sieht den Wald, der andere Bäume. Das führt oft zu Missverständnissen. Oft ist ja beides sinnvoll, man kann sich ergänzen. Wenn all die Unterschiede im Team von allen als Bereicherung gesehen werden können, kommt es zu Synergien und mehr Motivation jedes Einzelnen. Und das wiederum kann die Basis für neue Ideen, Lösungen und Innovation sein.

In Ihrem Buch ist von Resilienz, also von Widerstandskraft, die Rede. Wen sprechen Sie damit an?

Kuhlmann: Führungskräfte sollten auf sich selbst und ihre Mitarbeiter achten. Es ist nicht wegzudiskutieren, dass die Zahlen der Krankheitstage steigen. Viele sind, wie gesagt, demotiviert und unzufrieden. Manche sind überfordert, manche unterfordert. Was bereitet Stress? Wo liegen Talente vielleicht auch brach? Diese Themen sind wichtig für gelungene Motivation und Führung.

Wie gelingt das?

Kuhlmann: Wichtig ist, das zu tun, was einem selbst gut tut. Das kann Entspannung sein oder Bewegung. Es geht auch um mentale Stärken und Techniken, wie man abschalten kann. Und man muss auch „Nein“ sagen können. All das fällt Mitarbeitern oft schwer. Ideal ist es, wenn eine Führungskraft gelernt hat, genau das zu erkennen und entsprechend darauf eingeht oder das Unternehmen ein Maßnahmenpaket zur Resilienzförderung schnürt. Alles in allem sollten Unternehmen und Führungskräfte sich gerade in der heutigen komplexen und zunehmend technologisierten Welt bewusstmachen: Die Menschen sind das wichtigste Kapital – für eine erfolgreiche Zukunft und eine nachhaltige Unternehmensentwicklung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert