Düren - Gut gebellt: „Karpatenhund” präsentiert klebrig-süße Pop-Melodien

WirHier Freisteller

Gut gebellt: „Karpatenhund” präsentiert klebrig-süße Pop-Melodien

Von: ab
Letzte Aktualisierung:
karpatenbu
Boten bei ihrem Konzert in der Fabrik für Kultur und Stadtteil eingängige Lieder mit Biss: Die Kölner Band „Karpatenhund”. Foto: Andreas Bongartz

Düren. Dualismus ist eine feine Sache, das Zusammenspiel von sich scheinbar ausschließenden Gegensätzen, das sorgt für Spannung. Im Zirkus der Popmusik, noch dazu der deutschsprachigen, wird es zum Alleinstellungsmerkmal. Die Kölner Band „Karpatenhund” jedenfalls ist ein wandelnder Dualismus.

Auf der einen Seite klebrig-süße Popmelodien mit Kleinmädchen-Stimme vorgetragen, auf der anderen Seite verbreitet Sängerin Claire Oelkers mit verzerrtem Gesicht latente Aggression, wenn sie singt „Das sind alles Lügner, es sind Idioten”. Blumen auf einem Stacheldraht.

Indie-Schrägheit

Nein, die Band die am Wochenende in der Dürener Fabrik für Kultur und Stadtteil eines ihrer wenigen Konzerte in der Region gab, ist anders als Silbermond und Konsorten. Da ist der merkwürdige Bandname, da sind Songs, die zwischen Popkitsch und Indie-Schrägheit pendeln, da ist Gitarrist Björn Sonnenberg mit wilder Lockenmähne aber schickem Anzug. Und da ist auf einmal ein Blumentopf mitten auf der Bühne.

Mitten in einem der Songs legt Sonnenberg auf einmal sein Instrument beiseite und holt vom Bühnenrand eine große Topfpflanze heran, die er sodann mit seiner Gitarre malträtiert. Der wirre Popprofessor ergibt sich in Feedbackorgien, während der Rest der Band weiter die Pop-Perlen intoniert. Überhaupt schien die Bühne den Musikern nicht zu reichen. Sängerin Claire Oelkers unternimmt immer wieder Ausflüge ins Publikum und stimmt auch schon einmal unvermittelt ein Stück zwischen den überraschten Zuschauern auf der Empore an.

Zwischendurch werden Blumen zerpflückt und ins Publikum geworfen oder auch einfach mal ohne Instrumente auf der Bühne abgezappelt und rumgesprungen. Das macht Spaß zu sehen und regt gleichsam an, selber das Tanzbein zu schwingen. Dem Publikum in der ehemaligen Becker und Funck-Fabrik gefiel es jedenfalls und wenn das Konzert mit rund 60 Gästen auch nur mäßig besucht war, so feierten diese 60 die Band doch gehörig ab.

Gleich zwei Zugaben mussten die Kölner dem Dürener Publikum geben, was sie bei der zweiten Zugabe in die Verlegenheit brachte, einen Song des Sets ein zweites Mal zu spielen. Macht nichts, gab es doch mit „Gegen den Rest” noch einmal den Titelsong der beliebten ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger” zu hören, der die Band zum ersten Mal einer breiteren Masse bekannt gemacht hatte.

Im Vorprogramm von „Karpatenhund” waren in Düren die Krefelder „Oh Napoleon” zu sehen. Die junge Band, die von der Süddeutschen Zeitung zur nettesten Newcomerband seit Jahren geadelt wurden, zeigten, dass sie diese Lorbeeren nicht umsonst bekommen haben und rundeten das gelungene Konzert ab. Nur schade, dass nicht mehr Leute den Weg in die Fabrik für Kultur und Stadtteil gefunden haben, die beiden Bands hätten es verdient gehabt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert