Gurlitt-Sammlung: Keine Bilder aus Düren

Von: Burkhard Giesen
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Das Bild „Der Perser“ von Oskar Kokoschka. Foto: Peter Hinschläger/VG Bild-Kunst Bonn

Düren. Rund 1400 Werke der klassischen Moderne hat die Staatsanwaltschaft Augsburg bei dem Kunsthändler Cornelius Gurlitt beschlagnahmt – darunter zahlreiche Bilder berühmter Maler, die die Nazis 1938 als „entartet“ gebrandmarkt hatten und die als verschollen galten.

Cornelius Gurlitt hat die Bilder von seinem Vater, dem Kunsthändler Hildebrandt Gurlitt, geerbt. Aus den ehemaligen Beständen des Dürener Leopold-Hoesch-Museums dürfte Gurlitt mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Bild besitzen.

„Im ersten Drittel des 20. Jahrhundert wurden in Düren zwar Ausstellungen zum Expressionismus sowie zur Neuen Sachlichkeit gezeigt“, so Museumsleiterin Dr. Renate Goldmann, „soweit rekonstruierbar“, seien die Ausstellungen aber mit geliehenen Bildern bestritten worden. Goldmann: „Die heutigen Sammlungsschwerpunkte der Avantgarde des 20. Jahrhunderts und der klassischen Moderne etablierten sich erst durch Ankäufe nach dem 2. Weltkrieg in den frühen 1950er Jahren.“ Damit dürfte es also sehr unwahrscheinlich sein, dass 1938 Bilder aus dem Besitz des Leopold-Hoesch-Museums in die Ausstellung „Entartete Kunst“ nach München gegangen sind, die dann von Hildebrandt Gurlitt später aufgekauft worden sind.

Spannender ist noch, dass das Hoesch-Museum über ein Bild verfügt, das Gurlitt zeigt. Renate Goldmann: „Das Porträt ‚Der Perser‘ von Oskar Kokoschka aus dem Jahre 1923 zeigt den Kunsthändler und Verleger Wolfgang Gurlitt.“ Der war der Cousin von Hildebrand Gurlitt, der den Nazis die Kunstwerke abgekauft hat. Wolfgang Gurlitt ist von Kokoschka in „orientalisch anmutender Kostümierung mit einem weißen Turban und einem weiteren roten Obergewand“, so die Museumsleiterin, gemalt. Das Porträt steht im Kontext einer Reihe von Bildnissen, die Kokoschka damals von Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und Gesellschaft angefertigt hat.

Das Gemälde ist nach Recherchen von Frau Dr. Goldmann im Jahr 1964 erworben worden – durch die Stadt Düren und den Museumsverein. Möglich hatte das unter anderem auch ein Zuschuss des Landes Nordrhein-Westfalen und eine Spende der Dortmunder Hoesch-Werke AG gemacht. Zuvor hatte sich das Bild bereits rund 13 Jahre als Leihgabe im Besitz des Dürener Hoesch-Museums befunden. Womit sich der Kreis schließt, wurden doch – wie Renate Goldmann feststellt – die Bilder der Avantgarde und der Klassischen Moderne erst nach dem Krieg angekauft.

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