Düren - Gülten Dogan hat in Düren ihr Glück gemacht

Gülten Dogan hat in Düren ihr Glück gemacht

Von: Margret Vallot
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Sie kann mehr als nur waschen und schneiden: Gülten Dogan in ihrem Damensalon. Foto: Margret Vallot

Düren. Schreckensgeschichten von vollkommen misslungener Integration gibt es in Hülle und Fülle. Nur selten ist von den Migranten die Rede, die in Deutschland ihr Glück gemacht haben, die die fremde Kultur ein Stück weit zu ihrer eigenen gemacht haben. Eine dieser Erfolgsgeschichten lässt sich über eine Dürenerin schreiben, die erst im Alter von zwölf Jahren an die Rur kam.

Vor wenigen Wochen hat sie in Düren ihren eigenen Frisiersalon eröffnet. Und weil der so gut läuft, wird Gülten Dogan (46) demnächst sogar zusätzliches Personal einstellen müssen.

Aus Konya, der Stadt der Derwische, kam der Vater 1973 nach Deutschland. Ein Jahr später holte er seine Frau und seine drei Kinder nach, ein weiteres Kind wurde später in Düren geboren. Alle „Kinder” wohnen mitsamt dem Nachwuchs noch heute im Kreis Düren, die Eltern indess gingen zurück in die Türkei.

1974 hatte Gülten Dogan großes Glück. Sie kam zwar, ohne auch nur ein einziges Wort Deutsch zu kennen, direkt in die siebte Klasse der Schule Nord und war dort das einzige türkische Kind. Aber: „Ich wurde von den Klassenkameradinnen sehr gut aufgenommen”. Die Dürener Kinder hätten sie zu sich nach Hause eingeladen. Zwei Lehrer hätten ihr zudem sehr geholfen. Schließlich: „Meine Eltern haben mich in Ruhe gelassen.”

So konnte sie den Bildungshunger, den viele türkische Mädchen verspüren, ausleben. Tagsüber lernte sie in der Schule, abends ging es in die VHS, Grammatik pauken. Sie schaffte den Hauptschulabschluss ohne sitzenzubleiben. Und weil ein Lehrer sich sehr bemühte, konnte sie ein Lehre als Friseurin beginnen.

Nochmals Glück: „Mein Chef hat dafür gesorgt, dass ich den Beruf liebe. Er hat mich machen lassen.” Der Chef habe gemerkt, dass sie handwerklich geschickt ist. „Das sind wir Türkenkinder alle”, sagt sie. Im zweiten Lehrjahr habe sie schon Stammkunden gehabt, erinnert sich die sympathische Türkin, die jetzt selber Chefin ist und ausbildet. Als Drittbeste von etwa 50 Auszubildenden im Handwerkskammer-Bezirk schloss sie damals ihre Lehre ab und wurde gleich übernommen.

Sie blieb fünf Jahre in ihrem Beruf, heiratete, drei Kinder kamen. Aber 1999 „wollte ich wieder arbeiten”. Gülten Dogan begann, sich sozial zu engagieren. Ehrenamtliche Arbeit mit türkischen Frauen, Beratung bei medizinischen Problemen, Düren-Besichtigungen und Berlin-Fahrten mit den Frauen, eine Spielgruppe ins Leben rufen für deutsche und türkische Kinder und Mütter - es gab viel zu tun, nicht zuletzt in dem Projekt „Soziale Stadt”.

Während der Familienphase passierte folgendes: „Ich habe viel Zeit gehabt und habe angefangen, über meine Religion nachzudenken.” Und plötzlich kam der Entschluss, „du trägst jetzt Kopftuch”. Das sei ihre eigene, freie Entscheidung gewesen, sagt Gülten Dogan mit großem Ernst. Für ihre Umgebung, nicht zuletzt für ihren Mann, sei das indes ein Problem gewesen. 2008 ist Gülten Dogan sogar nach Mekka gepilgert.

Immer noch wiss- und lernbegierig wollte sie 2003 wieder in einen Beruf, sie machte dreieinhalb Jahre eine Umschulung als Kauffrau im Gesundheitswesen, legte bei der IHK in Köln die Prüfung ab. Im Praktikum habe sie „so viel Mobbing gesehen, dass ich dachte, da geh ich unter”.

Glücklicherweise fiel ihr auf, dass es in Nord-Düren zwar drei Herrenfrisöre, aber keinen einzigen Damensalon gibt. So wurde ein ehemaliges Lottogeschäft umgebaut, die Fassade neu gestaltet. Seit drei Monaten hat sie jetzt Mädchen und Frauen aus 17 Nationen die Haare geschnitten, „und die türkischen Frauen müssen nicht mehr privat jemand zum Haareschneiden suchen”. Dass die Chefin selber Kopftuch trägt, hat noch niemanden gestört.
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