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Grüne und Ökologen im Clinch

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:
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Kreuzau. Mariano Graf von Spee ist in der Klemme. Seit 1908 produziert sein kleines Wasserkraftwerk, gegenüber der Burg in Untermaubach gelegen, 24 Stunden am Tag Strom. Doch das Wasserwerk hindert Fische, die in der Rur noch heimisch sind oder wieder heimisch werden sollen, zu wandern.

Um entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie die Durchgängigkeit der Fische zu ermöglichen, müsste der Graf tief in die Tasche greifen.

„Ich bin sehr für Ökologie”, sagt der Graf. Nachhaltigkeit sei ihm bereits wichtig gewesen, als das Wort noch nicht in aller Munde war. Strom aus Wasserkraft zu gewinnen und den Lebensraum der Fische zu erhalten, das sei ihm ein wirkliches Anliegen. Doch die Bezirksregierung in Köln will die Richtlinie durchsetzen. Das bedeutet für die Familie von Spee, dass zum Bau einer Fischtreppe (Höhenunterschied drei Meter) und verschiedener Absperrgitter „300.000 bis 500.000 Euro investiert werden müssen”. Und dazu sieht man sich in Untermaubach nicht imstande.

Keine Zuschüsse

Wasserkraft ist ein wichtiger Teil der Energiewende. Das beteuerte am Mittwoch in Untermaubach der grüne Abgeordnete Oliver Krischer, der energiepolitischen Sprecher seiner Fraktion im Bundestag ist und das Anliegen des Grafen zu seinem eigenen gemacht hat. In Untermaubach erzeugt die Turbine immerhin Strom, der für 250 Vier-Personen-Haushalte reicht. Vor 50 Jahren wurde die Anlage modernisiert und an das RWE verpachtet.

„Solche Anlagen müssen erhalten bleiben”, fordert Krischer, und gibt zu, dass in der Bezirksregierung stets die Fische oberste Priorität haben. Die Debatte sei „leider ideologisch aufgeladen”, und es würden „unnötig Fronten aufgebaut”.

Von Spee hat sich der Unterstützung eines Fachanwaltes für Wasser und Umweltschutz versichert. Dr. Stefan Cuypers erklärte vor Ort, dass nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen durchaus eine Vereinbarkeit von ökologischer Stromerzeugung und Durchgängigkeit für Fische machbar sei. Die Frage sei aber, ob die Bezirksregierung diesbezüglich tatsächlich auf den neuesten Stand sei.

Die Richtlinie, wird sie streng ausgelegt, wird in Untermaubach nicht erfüllt. Hinzu kommt aber ein weiterer, wesentliche Punkt: Die Kommunen und der Wasserverband Eifel Rur werden beim Bau von Fischtreppen finanziell unterstützt, „mit bis zu 80 Prozent der Kosten”, wie Krischer wusste. Privatleute erhalten dagegen keine Fördermittel aus öffentlichen Kassen.

„Eine absolute Absurdität”, nannte Krischer diesen Umstand. Und sich jetzt jahrelang vor den Gerichten zu streiten, das nütze weder den Fischen noch der Erzeugung regenerativer Energien. Das Wasserkraftwerk einfach stillzulegen, auch das „kann es in ja Zeiten der Energiewende nicht sein”.

Krischer hofft auf ein Einlenken der Behörde und beteuert, der Konflikt in Untermaubach sei kein Einzelfall.
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