Großpfarre St. Lukas: Bilanz nach der Fusion

Von: Sandra Kinkel
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Düren. Aus sechs mach eins - so könnte man in vier kurzen Worten die Gründung der neuen Großpfarre St. Lukas in Düren beschreiben. Ziemlich genau ein Jahr ist es jetzt her, dass aus St. Anna, St. Marien, St. Bonifatius, St. Antonius, St. Josef und St. Cyriakus eine Pfarre geworden ist - mit einem gemeinsamen Pfarrgemeinderat und einem Kirchenvorstand.

„Vor dem Hintergrund, dass wir sechs eigenständige Rechtspersönlichkiten aufgelöst und eine neue gegründet haben, läuft es eigentlich schon ganz gut”, sagt Pfarrer Josef Wolff, der leitende Pfarrer im Pastoralteam von St. Lukas. „Was hier in St. Lukas wirklich toll ist, ist das gute Miteinander. Hier herrscht einfach ein prima Atmosphäre. Alle ziehen mit.”

Trotzdem, so Wolff, sei man natürlich mit den nötigen Umstrukturierungen noch lange nicht fertig. „Wir brauchen noch mindestens ein weiteres Jahr, bis wirklich alles geregelt ist. Es sind manchmal nur Kleinigkeiten, die geklärt werden müssen, zum Beispiel wer die Strom- und Wasserzähler ablesen soll.”

Dabei war die Fusion seinerzeit bei weitem nicht unumstritten. Josef Wolff: „Der Bischof hat uns ja ziemlich unter Druck gesetzt. Kurz vor Ostern 2008 hat Heinrich Mussinghoff uns seine Planung mitgeteilt, die Pfarren zusammen zu legen. Im Herbst folgte die endgültige Anordnung, dass die sechs Pfarren bis zum 1. Januar 2010 fusioniert sein müssen. Und das hat schon ein mittleres Erdbeben bei den Menschen hier in Düren ausgelöst.”

Man habe sich damals, so Wolff, einfach mehr Zeit gewünscht. „Wir waren uns einig, dass wir fusionieren sollten. Nur eben nicht so schnell. Andererseits wissen wir heute nicht, was es gebracht hätte, wenn wir die Zeit bekommen hätten.” Fakt ist aber, dass ohne eine Fusion die sechs Pfarren ganz sicher Schwierigkeiten bekommen hätten, ihre Gremien zu besetzen.

Josef Wolff: „Auch eine Jugendgemeinde, wie wir sie jetzt in Sankt Marien anbieten, hätte es ohne die Fusion nicht gegeben. Weil es einfach in einer Pfarre nicht genügend Jugendliche und Potenzial gibt, um so etwas auf die Beine zu stellen. Es geht heutzutage nicht mehr, dass jede Pfarre alles macht. Damit müssen wir uns abfinden. Und so gesehen war die Fusion natürlich der richtige Weg.”

Auch bei den Gläubigen, so Wolff, habe sich St. Lukas etabliert. „Das Angebot vor Ort hat sich ja auch kaum geändert. Und das ist gut so. Wie wir intern strukturiert sind, interessiert die Menschen doch nicht, aber, ob ihre Gemeinde vor Ort lebendig ist. Und ich denke, das ist uns gelungen.” Die Gläubigen, so Wolff, müssten sich in der neuen Pfarre ihre Heimat wieder neu suchen. „Und das muss ja gar nicht die alte Gemeinde sein. Das kann genau so gut das Taizgebet oder ein Chor sein.”

Als Grund für die Gründung der Dürener Großpfarre hat Bischof Heinrich Mussinghof vor zweieinhalb Jahren angeführt, dass Pfarrgrenzen eher blockieren würden, als den Prozess der Weggemeinschaft zu beschleunigen. Nötig geworden waren die Bistumsweiten (Zwangs-)Fusionen aber auch wegen der ständig sinkenden Priesterzahlen und den immer weniger werdenen Kirchensteuermitteln.

„Wir hatten darauf gehofft”, so Josef Wolff, „Synergieeffekte zu erzielen und langfristig unter anderem mit weniger Personal auszukommen, beziehungsweise Freiraum für neue Möglichkeiten zu gewinnen. Wir wollten Arbeitsabläufe so umstrukturieren, dass die Arbeit unter dem Strich weniger wird und dass wir frei werden für neue und andere Seelsorge-Angebote. Das ist uns aber bis jetzt nicht gelungen.”

Bislang ist in der neuen Großpfarre keiner der 120 Mitarbeiter entlassen worden. „Wir wissen aber natürlich nicht”, so Josef Wolff, „ob wir alle Stellen, die durch Pensionierungen frei werden, wieder neu besetzen können.” Bis 2012, so Wolff, bleiben die Kirchensteuermittel für St. Lukas konstant. „Ab 2013 rechnen wir mit etwa 30 Prozent weniger Einnahmen. Das ist schon ein sehr großer Einschnitt.”

Grundsätzlich wünscht der Seelsorger sich, dass endlich die Inhalte wieder mehr in den Vordergrund kommen. „Im Moment beschäftigen wir uns sehr mit Geld und Strukturen, also mit Äußerlichkeiten.” Er wünsche sich, so Wolff, dass die Menschen die neuen Entwicklungen als Herausforderung ansehen. „Und sich wieder neu als Kirche definieren.”

Die neue Großpfarre St. Lukas ist ein mittelständisches Unternehmen. 20.500 Katholiken gehören zu St. Lukas, 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in der Pfarre.

St. Lukas hat einen Gesamtumsatz von rund 2,5 Millionen Euro im Jahr. Etwas mehr als zwei Drittel werden aus Kirchensteuermitteln finanziert.

In den nächsten Jahren müssen alle Pfarrgemeinden im Bistum Aachen im Rahmen des Programms „Kirchliches Immobilienmanagement” einen Plan für die Kirchengebäude erstellen. Unter anderem soll geklärt werden, was die Kirchengebäude konkret Kosten und wie stark sie genutzt werden. Danach soll entschieden werden, ob eventuell Kirchen - auch in Düren - verkauft werden müssen.

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