Düren - Große Hilfe zum kleinen Preis

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Große Hilfe zum kleinen Preis

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Ingrid Lensing vom „Dürener Freiwilligenzentrum” weiß, was Schulkinder brauchen. Noch bis zum 3. September können in der Arnoldsweilerstraße Schulsachen für wenig Geld erworben werden. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Das kleine Büro des Dürener Freiwilligenzentrums in der Arnoldsweilerstraße droht aus allen Nähten zu platzen. Der enge Flur ist voller Menschen. Manche müssen im Treppenhaus warten. Es ist Donnerstag Morgen, zehn Uhr, heute ist der erste Tag von insgesamt zwölf Tagen, an denen Ingrid Lensing und ihre Mitstreiter vom Freiwilligenzentrum Hefte, Radiergummis, Spitzer, Scheren - eben alles, was Kinder für die Schule so brauchen, an bedürftige Familien verkaufen.

Zu einem sehr kleinen Preis. „Ich wüsste nicht, was ich ohne das Freiwilligenzentrum machen würde”, sagt Jeanette. Die alleinerziehende Mutter zweiter schulpflichtiger Kinder ist 35 Jahre alt und möchte ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. „Ich schäme mich schon, dass ich hier einkaufen muss. Aber sonst könnte ich mir die Schulsachen für meine Kinder nicht leisten.”

Hartz-IV-Empfänger bekommen zwar seit dem letzten Jahr 100 Euro pro Kind und Schuljahr extra. Aber, so Ingrid Lensing: „Davon sollen die kompletten Schulmaterialien, Sportsachen, Kosten für die Übermittags- oder Nachmittagsbetreuung und die Ein-Tagesausflüge der Schule finanziert werden. Und das reicht natürlich hinten und vorne nicht.” Erfahrungsgemäß, so Lensing, kosteten allein die Schulmaterialien um die 50 Euro im Jahr. „Und zwar ohne Ranzen und Turnsachen. Wenn dann die Kinder noch zwei Mal im Jahr neue Turnschuhe für drinnen und draußen brauchen, sind die 100 Euro längst aufgebraucht.”

Beim Freiwilligenzentrum gibt es Hefte, die sonst 60 Cent kosten für zehn Cent, oder Marken-Farbkästen für drei Euro. „Wir versuchen”, so Ingrid Lensing, „immer 50 Prozent billiger zu sein als die Sonderangebote, die es jetzt zum Schulbeginn überall gibt.” Um die 400 Schulkinder versorgen sich im Schnitt jedes Jahr beim Freiwilligenzentrum mit Schulmaterial, und das ist nur Dank zahlreicher Spenden möglich. „Wir brauchen”, so Lensing, „in der Regel um die 15000 Euro, um alle Hefte, Schnellhefter, Stifte und so weiter zu finanzieren.”

Wer beim Freiwilligenzentrum einkaufen möchte (siehe Kasten), muss nachweisen, dass er Hartz IV empfängt, der Einkauf wird beim Freiwilligenzentrum genau dokumentiert. Ingrid Lensing: „Es ist schon so, dass die meisten unserer Kunden für ihre Kinder wirklich das Beste wollen. Aber es gibt natürlich auch schwarze Schafe, die sich hier alle paar Monate einen neuen Schulranzen abholen möchten. Und das geht natürlich nicht.”

Seit dem vergangenen Jahren werden auch beim Katholischen Bildungsforum gespendete neue Schulranzen abgegeben, und zwar kostenlos. Auch die Dürener Tafel hat in diesem Jahr Tornister an Bedürftige verteilt. „Für uns ist das schlecht”, so Lensing, „weil überhaupt keine Zusammenarbeit stattfindet. Und bei den anderen Stellen auch nicht dokumentiert wird, wer eine Schultasche bekommen hat und wer nicht. Ich habe von Fällen gehört, wo Leute sich einen neuen Ranzen geholt und anschließend verkauft haben, um sich dann bei uns einen gebrauchten für fünf, sechs Euro zu besorgen.”

Trotzdem ist Ingrid Lensing nach wie vor davon überzeugt, dass die Aktion „Dürener Ranzen” eine gute Sache ist. „Die Schulmaterialien werden wirklich gebraucht. Und wir geben hier ja auch nie Sachen kostenlos oder Bargeld an die Leute ab.”

Auch Jeanette hat ihre beiden Kinder inzwischen mit allem ausgestattet, was die Mädchen nächsten Montag am ersten Schultag nach den Sommerferien brauchen. Knapp 40 Euro hat die junge Frau bezahlt, für Hefte und Co. und zwei neue Turnbeutel. „Ich bin wirklich sehr, sehr dankbar”, sagt die Hartz-IV-Empfängerin. „In der Schule muss ich noch knapp 70 Euro für Übungshefte und Schulbücher für die beiden bezahlen. Für mich ist das echt sehr, sehr viel Geld.”

Alle Schulsachen zum extra-kleinen Preis

Noch bis Freitag, 3. September, können in den Räumen des Dürener Freiwilligenzentrums, Arnoldsweilerstraße 38/Ecke Cranachstraße (Eingang Cranachstraße) Schulsachen und Ranzen für ein geringes Entgelt gekauft werden.

Das Freiwilligenzentrum ist von montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Beim Freiwilligenzentrum können nur Menschen einkaufen, die Hartz IV oder Wohngeld bekommen, Niedriglohnempfänger (bis 8,50 Euro pro Stunde) und Familien, die erweitertes Kindergeld beziehen. Die entsprechenden Leistungsbescheide müssen bitte mitgebracht werden.

Auch Spenden sind gerne gesehen. Ingrid Lensing und ihre Mitstreiter freuen sich über Geld- und Sachspenden.

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