Gräber immer öfter verwildert

Von: oha
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Ein immer häufigeres Bild: Gräber, die meterhoch mit Unkraut bewachsen sind. Foto: Ottmar Hansen

Düren/Niederzier. Die tiefe Trauer nach dem Verlust eines nahen Angehörigen hält manchmal nicht für lange an. Zum Friedhof zieht es die Verwandtschaft dann eher selten. Das Grab verschwindet unter Unkraut - sehr zum Ärger derjenigen, die die Nachbargräber pflegen müssen „Immer mehr Grabstätten auf dem Friedhof verwildern”, beklagt Georg Fittkau, Leiter der Dürener Friedhofsverwaltung.

„Der Eindruck des ganzen Friedhofes leidet.”

Die gleiche Beobachtung hat Hermann Heuser, Bürgermeister der Gemeinde Niederzier gemacht. „Es gibt Gräber, die sind so hoch mit Unkraut bewachsen, dass man das Grabmal nicht mehr sieht”, sagt Heuser. „Spätestens wenn die Leute vom Nachbargrab sich beschweren, müssen wir einschreiten”, so der Verwaltungschef. Und das vollzieht sich in mehreren Stufen. Zunächst wird das betroffene Grabmal mit dem roten Aufkleber „Grabpflege erforderlich” versehen.

Passiert auch dann nichts, werden die Hinterbliebenen angeschrieben und aufgefordert, zu Schaufel und Hacke zu greifen. Doch da ergibt sich oft das Problem, dass die Adresse der Angehörigen nach Jahrzehnten nicht mehr zu ermitteln ist. Dann werden die in Frage kommenden Namen der Verstorbenen im Amtsblatt veröffentlicht, mit dem Appell an die Verwandtschaft, das Grab zu säubern. Verbunden mit einer Frist von einem halben Jahr, geschieht auch dann noch nichts, wird das Grab eigeebnet.

Werden die Angehörigen nicht an den Pranger gestellt, wenn sie im überall verteilten Amtsblatt lesen müssen, dass sie ein Grab haben verlottern lassen? Hermann Heuser: „Den Eindruck kann man zwar gewinnen, doch die Betroffenen verstoßen schließlich gegen öffentliches Recht. Sie sind laut Friedhofssatzung verpflichtet, das Grab zu pflegen.”

Ähnlich wird auf dem Dürener Friedhof verfahren, wie Georg Fittkau berichtet. Nur, dass der Aufkleber hier grün ist. „Die mangelnde Grabpflege ist ein gesellschaftliches Problem”, weiß Fittkau. Einerseits seien die Leute mobiler geworden. „Sind die Kinder erwachsen geworden, ziehen sie oft weiter weg. Um das Grab der verstorbenen Eltern kümmern sie sich dann nur noch selten.” Die mangelnde Grabpflege sei aber auch eine Frage der Wertigkeit.

„Früher wurde von Generation zu Generation weiter gegeben, dass man Tote nicht vergessen soll. Doch die heutige Jugend sieht nicht mehr ein, dass sie den Aufwand für die Grabpflege betreiben soll.” Dabei sei der Friedhof nicht nur für die Toten, sondern auch für die Hinterbliebenen da. „Der Friedhof ist ein Ort, an dem man sich mit seiner Trauer auseinandersetzt”, so Fittkau.

Wer den Aufwand intensiver Grabpflege scheue, der könne ja die Urnenbestattung in der Stele oder die Ascheverstreuung unter der Grasnarbe wählen, zeigt Hermann Heuser Alternativen auf. Ein Trend, der auf dem Dürener Friedhof bereits festzustellen ist. Fittkau: „Der Hang zur Urnenbestattung hat dazu geführt, dass wir derzeit 3000 freie Grabflächen haben.”
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