Gewinner am Ende der Betrogene

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:

Düren. Die Nachricht, die Manfred Schroetter nach dem Öffnen des Briefumschlages in Händen hielt, verschlug ihm fast die Sprache: Er hatte 6500 Euro gewonnen. Wirklich?

So stand es jedenfalls in der „Gewinnbenachrichtung verschiedener Katalogfirmen, Lotteriegesellschaften und Versandhäuser Deutschlands”. Übergeben werden sollte der Preis bei einer „wunderschönen Ausflugsfahrt” am 7. September.

Rasch kamen dem Dürener dann aber Zweifel. Schließlich hatte er sich gar nicht an einem Gewinnspiel beteiligt. Die Zweifel sind berechtigt. Bei der überraschenden Post aus Quakenbrück handele es sich wohl lediglich um eine verkappte Einladung zu einer Kaffeefahrt, bei der überteuerte Waren an die angeblichen „Gewinner” verkauft werden sollen, warnt Polizeisprecher Ralf Meurer. Manfred Schroetter ist offenbar nicht der einzige Empfänger des Einladungsschreibens.

„In den letzten Tagen sind mehrere Empfänger derartige Briefe zu uns gekommen, um sich Rat zu holen”, berichtet Meurer. Auch bei der Verbraucherzentrale in Düren haben sich inzwischen etliche „Glückspilze” gemeldet, berichtet Martina Wagner. Es gebe offenbar genug Menschen, die bei diesen Touren mitfahren „und sich dann derart nerven lassen, bis sie etwas kaufen”.

Manfred Schroetter recherchierte im Internet und stieß auf zahlreiche Betroffene, die bei ähnlichen Gewinner-Treffen bereits schonungslos ausgenommen wurden. Er beherzigte zudem den Tipp von Ralf Meurer, auch das Kleingedruckte im Einladungsschreiben zu lesen. Dort wird auf einem Blatt ein Flussdampfer abgebildet. Eingeladen wird zur „Gewinnübergabe mit anschließender Dampferfahrt”. Erst im Kleingedruckten erfährt man, dass es sich um eine „virtuelle Dampferfahrt” handelt, die sich vermutlich nicht real, sondern auf irgendeinem Bildschirm abspielt.

In der Verbraucherzentrale rät man, derartige Schreiben einfach gleich in den Papierkorb zu werfen. Das empfiehlt auch die Polizei, es sei denn, aus dem Text ergebe sich „ein Anfangsverdacht für eine Straftat”, so Meurer. Manfred Schroetter überlegt nun, ob er sich nicht zu den vier genannten Abfahrtsstellen des Busses in Düren begeben soll, und zwar aus dem einzigen Grund, „um weitere Gewinner zu warnen”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert