Gestank in Kreuzau: Das Unternehmen verspricht Besserung

Von: Margret Vallot
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Im Hintergrund der hohe, neue
Im Hintergrund der hohe, neue Kamin, der die Abluft aus beiden Papiermaschinen abführt. Foto: Margret Vallot

Kreuzau. Im Eifelort Kreuzau ist Warten angesagt, gewartet wird auf die Entscheidung der Kölner Bezirksregierung. Nach der vielbeachteten Anhörung in der Festhalle, bei der eine Bürgerinitiative ihre Bedenken hinsichtlich der Produktion der Papierfabrik äußern konnte, wächst die Spannung.

Aber September werde es schon noch werden, so teilt die Pressestelle der Regierungspräsidentin mit, bis die Entscheidung erfolgt.

Von einem für die Niederauer Mühle positiven Ergebnis geht unterdessen Dr. Erich Zanders aus, Er ist in der Papierfabrik der Leiter des Projekts, gegen das die Bürger so heftig kämpfen. Die „DN” haben ihn um ein Gespräch gebeten, die Zusage folgte auf dem Fuße.

„Ich bin immer zu Gesprächen bereit”, betont Zanders. Ob mit den Politikern des Rates, mit den Vertretern der Gemeindeverwaltung oder mit Nachbarn der Niederauer Mühle. Man sei gesprächsbereit, „und wir wissen, was wir in der Aufbauzeit den Bürgern zugemutet haben”.

Gleich zu Anfang des Gesprächs, an dem auch Geschäftsführer Roland Knapp teilnimmt, möchte Zanders etwas richtigstellen. „Wir planen keine Kapazitätserhöhung”, betont er. Das sei „völlig falsch rübergekommen”. Gegenstand des Antrags sei allein eine neue Aufteilung der Produktion von einer auf zwei Papiermaschinen. Und damit, so wird der gelernte Verfahrenstechniker nicht müde zu sagen, werde sich hinsichtlich des Geruchs die Situation verbessern, nicht verschlechtern.

Um einen stark störenden Geruch ging es den Bürgern bei ihren über 100 Eingaben, die im Vorfeld der Anhörung im Rathaus der Gemeinde zusammengetragen wurden. Zanders setzt unter anderem auf den 55 Meter hohen Kamin, der die Abluft weit über Kreuzau hinwegtragen soll. Derzeit hat man allerdings eher ein Lärmproblem: Seit dem 3. Juli wurde die Papiermaschine 3 (PM3) im Versuchsbetrieb gefahren. Eine Verbesserung der Geruchssituation sei zwar eingetreten, doch die Lärmemissionswerte seien noch zu hoch. Bürger hätten sich beschwert, und der Auftrag, Schallminderungsmaßnahmen umzusetzen, sei schon an ein großes Dürener Unternehmen erteilt worden, „Wir sind zu laut”, sagt Zanders. Wegen der Lautstärke werde derzeit am Wochenende auf den Versuchsbetrieb verzichtet.

Gigantisch ist die Maschine, auf der das weltweit begehrte weißgedeckte Wellpappenrohpapier produziert wird, 140 Meter lang und so hoch wie ein dreistöckiges Gebäude. Gut 50 Millionen Euro seien in den letzten Jahren in das Werk investiert worden, „und wenn man so ein großes Werk ausbaut, dann klappt nicht immer alles auf Anhieb”, wirbt Zanders um Verständnis. „Wir haben ein Riesenprojekt. Dass da mal was hakt und klappert, das ist normal. Aber wir setzen alles daran, das hinzukriegen, und wir sind auch bald durch”, so Zanders.

Die Niederauer Mühle gilt in der Fachwelt als der bedeutendste Hersteller von weißgedecktem Wellpappenrohpapier in Europa. Die N Mühle habe einen guten Namen und sei bekannt für die hohe Qualität der Produkte, betont Roland Knapp. Mit der „Riesenbaustelle”, wie Zanders die Papierfabrik nennt, umzuziehen, etwa in die Nähe des Kraftwerks Weisweiler, hält er für komplett ausgeschlossen. Der Standort Kreuzau/Düren in Nähe andere Papierhersteller sei ideal und zugleich ein Problem.

Die Bezirksregierung, die Gemeinde und die Bürgerinitiative haben bei der Anhörung darauf gedrungen, dass die Papierfabrik angibt, wie viele Tonnen gebrauchte Getränkekartons täglich im Werk angeliefert werden. 470 Tonnen seien es, da aber an sieben Tagen die Woche - übrigens 24 Stunden lang - Kartons verarbeitet würden, komme man auf 370 Tonnen pro Tag. Daraus lasse sich eine Fasermenge von 230 Tonnen pro Tag herstellen. Kapazitäten seien in der Vergangenheit „falsch interpretiert” worden, Anliefermenge und Verarbeitungsmenge seien von den Kritikern verwechselt worden, sagt Zanders. Versachlichung und offene Kommunikation mit der Gemeindeverwaltung und den Bürgern sind ein Anliegen der Unternehmensleitung.

In der Papierfabrik sind 140 Menschen beschäftigt. Weitere rund 100 sind in Zulieferfirmen mit ihren Arbeitsplätzen von der Papierfabrik abhängig.

Es werden gebrauchte Getränkekartons getrennt in Papier und Kunststoff. Der Kunststoff wird weiter verwertet, aus dem Papier wird Wellpappenrohstoff gemacht.

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