Geschichtswerkstatt: Produktiv, kreativ und unbequem

Von: kin
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Bernd Hahne (rechts), Vorsitzender der Dürener Geschichtswerkstatt konnte den Horst-Konejung-Preis entgegen nehmen. Mit ihm freuten sich Achim Konejung, Laudator Dr. Herbert Ruland und Dr. David Eisermann, Beiratsvorsitzender der Konejung-Stiftung (v.l.) Foto: Sandra Kinkel

Düren. Das Schlusswort, das Bernd Hahne, Vorsitzender der Dürener Geschichtswerkstatt am Ende seiner Dankesrede gesprochen hat, war Versprechen und Drohung zu gleich: „Auch in den nächsten 25 Jahren ihres Bestehens“, so Hahne, „wird die Dürener Geschichtswerkstatt produktiv, kreativ und vor allen Dingen unbequem bleiben. Wir haben nämlich noch viel vor.“

Mit 5000 Euro dotiert

Bernd Hahne und die Dürener Geschichtswerkstatt sind am Samstag mit dem mit 5000 Euro dotierten Horst-Konejung-Preis der „Konejung-Stiftung: Kultur“ ausgezeichnet worden. Mit dem Preis Institutionen gefördert, die sich intensiv mit der regionalen Geschichte auseinandersetzen. Die Geschichtswerkstatt hat sich gerade bei der Aufarbeitung der lokalen Geschichte des Dritten Reiches in Düren sehr verdient gemacht. „Ich freue mich sehr“, so Stiftungs-Vorstand Achim Konejung, „dass die Dürener Geschichtswerkstatt den Preis bekommt.“ Diese Freude teilte auch Laudator Dr. Herbert Ruland, wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Grenzgeschichte DG der Autonomen Hochschule der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Ruland, der heute in Eupen lebt, und Bernd Hahne waren Klassenkameraden, „Hockeykumpel“ und haben zusammen studiert. Dementsprechend persönlich und vor allen Dingen sehr warmherzig gestaltete Ruland auch seine Festrede.

Geschichtswerkstätten, so der Historiker, seien in den 80er Jahren im Umfeld von Bürgerinitiativen entstanden. Offen und neugierig würde hier wertvolle Geschichtsforschung betrieben. Die Dürener Geschichtswerkstatt, so Ruland, habe seit ihrer Gründung Enormes geschafft und das Geschichtsbild in Düren geprägt. Als wichtigste Projekte nannte Ruland die Aufarbeitung der NS-Zeit, eine umfangreiche Internet-Datenbank mit über 6200 jüdischen Namen, die Beschäftigung mit der Geschichte der Arbeiter, ein Bewusstsein schaffen für das Schicksal der Zwangsarbeiter, die Veranstaltungsreihe „Zeitzeugen“ und die 50er Jahre-Ausstellung, die in Düren über 10 000 Menschen gesehen haben, und nicht zuletzt die Gründung des Stadtmuseums. Als Dank hatte Herbert Ruland einen Brief seiner Mutter im Gepäck, im dem sie beschrieben hat, wie Düren nach der Zerstörung ausgesehen hat.

Für Bernd Hahne und seine Mitstreiter von der Geschichtswerkstatt haben die mehr als 25 Jahre intensive Auseinandersetzung mit der lokalen Dürener Geschichte sich „gelohnt.“ „Für uns“, so Hahne, „aber auch für die Bürger in Düren, die Schulen und für die Stadt, deren konservatives Geschichtsbild wir aufgebrochen habe.“ Hahne betonte auch, dass die ehrenamtlichen Historiker der Geschichtswerkstatt immer auch „dicke Bretter“ hätten bohren müssen. „Sehr dicke Bretter.“ Als Beispiele nannte Hahne unter anderem die Tatsache, dass die Akten der Wiedergutmachungsstelle beim Kreis Düren aus Platzgründen eines Tages entsorgt worden seien, oder dass in Dürens ländlich geprägten Vororten immer noch die abwertende Redewendung zu hören sei „Da geht es zu wie in einer Judenschule“. Es bleibt also noch viel zu tun in Sachen Dürener Regionalgeschichte und deswegen sind Hahnes Schlussworte wohl doch eher ein Versprechen als eine Drohung.

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