Geschäftsstellenleiter betrügt eigene Versicherung

Von: Margret Vallot
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Düren. Er war in Düren Geschäftsstellenleiter einer Versicherung, und er genoss das Vertrauen seines Arbeitgebers. Doch dieses Vertrauen hat der 55-Jährige zwei Jahre lang massiv missbraucht. 2003 und 2004 hat er die eigene Versicherung nach Strich und Faden betrogen, seine Kunden haben mitgemacht.

Selten hat im Dürener Amtsgericht die Verlesung einer Anklageschrift so lange gedauert. Volle 45 Minuten brauchte die Staatsanwältin, um alle 59 Fälle kurz zu beschreiben, für die sich der Angeklagte am Dienstag verantworten musste. In 18 vollen Leitzordnern ist alles dokumentiert.

Dem Mann wurde vorgeworfen, Schäden entweder frei erfunden zu haben, oder einen kleinen Schaden so aufgebauscht zu haben, dass die Behebung richtig teuer wurde. Den Unterlagen für das Versicherungsunternehmen legte er jeweils komplett gefälschte Handwerkerrechnungen bei.

Als Geschäftsstellenleiter durfte er selbstständig Schadensregulierungen bis 2000 Euro vornehmen. So täuschte er mit Einverständnis seiner Kunden Wasser- , Brand-, Sturm-, Glas- und Hagelschäden vor, die es nie gegeben hatte, und teilte sich später mit den Kunden die ausgezahlten Summen.

In den Jahren 2003 und 2004 kamen so Menschen in Langerwehe, Nideggen und Niederzier, in Hürtgenwald und Düren, aber auch in Jülich, Bergheim, Köln und Kerpen zu Geld, das ihnen gar nicht zustand. Gegen alle wurde gesondert ermittelt. Der Versicherung ist ein Gesamtschaden von rund 100000 Euro entstanden, rechnete Richter Hans-Georg Wingen vor.

Der Angeklagte, verheiratet und Vater eines 24-jährigen Sohnes, zeigte sich vor Gericht sehr zerknirscht. Er ist jetzt arbeitslos, hat private Insolvenz angemeldet und gestand ohne Umschweife alles so ein, wie es die Staatsanwältin vorgelesen hatte. Dem Schöffengericht sagte er, er sei damals in Geldnot geraten. „Na ja, kein Geld haben wir alle”, meinte Wingen dazu.

Die Kosten seien ihm über den Kopf gewachsen, versuchte der Mann zu erklären: Die Miete für die Geschäftsstelle in Düren, die Gehälter für die Angestellten, das Eigenheim ...

Die Staatsanwältin forderte eine relativ hohe Strafe: Für zwei Jahre und sechs Monate wollte sie den Angeklagten hinter Gitter schicken. Sein Rechtsanwalt bat um eine Strafe auf Bewährung.

Nach ungewöhnlich langer Beratungszeit entschied sich das Gericht für die höchste Strafe, bei der Bewährung überhaupt noch möglich ist: zwei Jahre.
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