Merzenich - Geplantes Güter-Terminal: „Nicht an den Bürgern vorbei”

Geplantes Güter-Terminal: „Nicht an den Bürgern vorbei”

Von: Dietmar Engels
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Hans-Peter Nießen, Geschäfts
Hans-Peter Nießen, Geschäftsführer der Rurtalbahn, stellte die Grundzüge des Projektes Güter-Terminal auf der Informationsveranstaltung in Merzenich vor. Foto: Dietmar Engels

Merzenich. Am Ende gab Landrat Wolfgang Spelthahn ein klares Versprechen: „Wenn es uns nicht gelingt, in der Sache ein breites Einvernehmen zu erreichen, dann werden wir das Projekt Güter-Terminal nicht weiter verfolgen. Es geschieht nichts an den Bürgern vorbei.”

Über 300 Menschen im überfüllten Saal der Gaststätte „Merzenicher Hof” nahmen diese Aussage zur Kenntnis. Hätten sie abstimmen können, dann hätte es wohl eine nahezu einstimmige Ablehnung gegeben. Spelthahn bat die Anwesenden um eine „zweite Chance”: „Wir beginnen jetzt mit den konkreten Planungen und werden Sie über die einzelnen Schritte auf dem Laufenden halten. In weiteren Informationsveranstaltungen stellen wir uns Ihrem Votum. Klar ist: Das Projekt kann nur verwirklicht werden, wenn es allgemeine Akzeptanz findet”.

Zuvor hatte Hans-Peter Nießen, Geschäftsführer der Rurtalbahn, die Grundzüge des Vorhabens an den Hauptbahnstrecke zwischen Merzenich und Arnoldsweiler erläutert. Im Endausbau könnten dort „bis zu 300 000 Einheiten” im Jahr umgeschlagen werden. Gemeint sind verschieden große Container, die von Lkw mit Kränen auf Güterwaggons und umgekehrt verladen werden. Nießen rechnet mit bis zu 300 Lkw am Tag, die das Terminal ansteuern.

Der Rurtalbahn-Geschäftsführer geht davon aus, dass der weitaus größte Teil der Laster über die künftige Autobahnanschlussstelle Merzenich kommt und auch wieder über die A4 davon fährt. Das wird insbesondere in Arnoldsweiler bezweifelt. Dort rechnen die Bürger mit einer erheblichen Mehrbelastung auf der Ortsdurchfahrt (L 257). Das, so Nießen, könne mit geeigneten Verkehrslenkungsmaßnahmen aber verhindert werden.

Sorgen bereitet das Vorhaben insbesondere den Merzenicher Bürgern, die im Wohngebiet „Auf der Heide” zu Hause sind. Sie sind jetzt schon stark durch die Tagebaurandstraße und die Bahnstrecke belastet. Der Lärm des Güterterminals und die erhebliche Verkehrszunahme nach Fertigstellung der neuen Autobahnanschlussstelle kämen noch hinzu.

Der Landrat sicherte zu, es werde ein ganzheitliches Verkehrskonzept erarbeitet, das unzumutbare Mehrbelastungen verhindern werde. Auch werde es Lärmschutzmaßnahmen überall dort geben, „wo das nötig ist”. So oder so werde der Güterverkehr in den nächsten Jahren „förmlich explodieren”. Spelthahn: „Da stellt sich die Frage, ob wir den Schwerlastverkehr weiterhin bloß an uns vorüber ziehen lassen oder uns mit dem Terminal an der Wertschöpfung beteiligen.” Für das Terminal selbst ist nur relativ wenig Personal erforderlich: 70 bis 80 Leute. Nießen und Spelthahn erwarten aber im Zusammenhang mit dem Umschlagbahnhof bis zu 1500 neue Arbeitsplätze in den umliegenden Gewerbegebieten. Das Terminal werde viele Logistik-Betriebe (Speditionen und Verteilzentren) anziehen. Spelthahn: „Für den Kreis Düren ist das eine große Chance, die wir nutzen sollten.”

Das Verfahren steht erst ganz am Anfang. Fest steht bisher: Wenn ein solches Güterterminal in die Region kommt, dann macht nur der Standort zwischen Arnoldsweiler und Merzenich Sinn. Das hat eine Studie des Fraunhofer-Institutes für Verkehrs- und Infrastruktursysteme ergeben. Nirgendwo sonst im Raum Aachen, Heinsberg, Düren bestehen ähnlich gute Voraussetzungen, insbesondere hinsichtlich der Verkehrsanbindung. In der Bürgerversammlung, zu der der CDU-Kreistagsabgeordnete Bernd Ohlemeyer eingeladen hatte, drehten sich die meisten Diskussionsbeiträge um mögliche Schattenseiten des Projektes - also um Belästigungen durch Lärm und Schwerlastverkehr. Manche befürchten einen Wertverlust ihrer Häuser, wenn das Terminal gebaut wird.

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative unter dem Motto „Gemeinsam für ein lebenswertes Arnoldsweiler und Merzenich - gemeinsam gegen das Container-Terminal” formiert. Sie will demnächst mit eigenen Veranstaltungen und Aktionen an die Öffentlichkeit gehen. Nach Ostern wird auch in Arnoldsweiler eine Informationsveranstaltung wie die jetzige in Merzenich stattfinden.
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