Gelebte Völkerverständigung in der Arena

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Bülent Ceylan in der Arena Kr
Bülent Ceylan in der Arena Kreis Düren. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Zu lauter Rockmusik stürmt Ceylan auf die Bühne, die langen schwarzen Haare trägt er offen. Schnell macht der Künstler sich einen (ordentlichen) Pferdeschwanz und los geht es.

Von Anfang an war der Funke zwischen Ceylan und seinem begeisterten Publikum in der Arena Kreis Düren übergesprungen, das dann gut zwei Stunden lang kaum eine Gelegenheit mehr hatte, Luft zu holen...

Ceylan nahm sein Publikum mit seiner Show „Ganz schön türbülent” aufs Korn, sich selbst aber auch. Und das nicht zu knapp. „Der Pole” in der Technik bekam sein fett weg, genau wie die Zuschauer in der ersten Reihe, die übrigens auch davor gewarnt wurden, dass es zwischendurch etwas feucht werden könnte („Hier auf der Bühne steht ein Türke, der spukt manchmal.”).

Gleich zu Beginn fragte Ceylan seine Fans in Düren, ob auch Türken in der Arena sind („Ich weiß, ihr seid auch Menschen, zumindest die meisten von euch. Viele können aber nicht über sich selbst lachen.”)

Die, die in der Arena waren schon. Es waren etliche Türken zu Bülent Ceylan gekommen, aber noch mehr deutsche. Bülent Ceylan hat eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater, und nicht zu vergessen einen, sagen wir mal, „ultradeutschen” Großvater, die alle in Ceylans Programm vorkommen, Klar, dass es um deutsch-türkische Unterschiede geht, es geht aber auch darum, was die beiden Kulturen liebenswert macht.

Wertvolle Erziehzung

Und so gesehen, ist der Abend mit Bülent Ceylan, der mit einer riesigen und sehr erfrischenden Portion Selbstironie an die Sache rangeht, auch ein Stück gelebte Integration, Von seiner Mutter hat er zum Beispiel Pünktlichkeit gelernt und von seinem Großvater erfahren, was deutsche Tugenden sind („Das ist das, was die Deutschen gut können.” „Und was ist das?” „Das, was die Türken nicht können”).

Und die Mutter? Die hat auch dafür gesorgt, dass der kleine Bülent ein richtig deutscher Junge wurde („Du brauchst kein türkisch zu lernen, das versteht hier eh keiner!”), der zu seinem Vater nicht das türkische Baba sagen durfte („Ich musste Vadda sagen. Mit zwei „d” und „a”).

Klar, dass Celyan auch in seinem aktuellen Programm wieder in andere Rollen schlüpft, der arbeitslose Harald war mit von der Partie, Gemüsehändler Aslan, Hip-Hop-Proll Hasan und Pelzhändlerin Anneliese.

Lachtränen im Auge

„Es ist doch so”, schmunzelte Ayshe Doganer, die sich noch nach der Show die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischte, „jedes Volk hat seine Eigenheiten. Und wenn wir die so sehr akzeptieren, dass wir in gut gemeintem Spott übereinander lachen können, dann haben wir es geschafft.” Eigentlich hatte die 36-Jährige Recht.

Und so gesehen war der Abend mit Bülent Ceylan auch ein Stück Völkerverständigung.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert