Düren/Köln - Geißböcke berufen einen Dürener

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Geißböcke berufen einen Dürener

Von: Isabelle Hennes
Letzte Aktualisierung:

Düren/Köln. Es ist ein ganz normaler Vormittag. Der Parkplatz vor dem Geißbockheim, dem Clubhaus des 1. FC Köln, ist komplett besetzt und die Franz-Kremer-Allee ist mit Autos zugeparkt. Das Training der Profis steht an.

Etwa 300 Kiebitze sind gekommen, um Poldi & Co. auf dem Platz zu sehen, Journalisten haben ihre Kameras gezückt. Stale Solbakken, Trainer der Kölner Profis, steht auf dem Trainingsplatz, gibt energisch Anweisungen an die Spieler. Sein Deutsch ist noch nicht perfekt, der norwegische Akzent deutlich zu hören.

An der Seitenlinie steht Patrick Weiser, beobachtet und analysiert. Der gebürtige Dürener gehört seit dieser Saison zum Trainerstab der ersten Mannschaft. „Für mich kam das ganz überraschend”, sagt der 39-Jährige, „aber ich habe spontan zugesagt.”

Seitdem beginnt der Arbeitstag für Weiser um 8.30 Uhr. Dann geht es zum Trainerbüro, um das Training durchzugehen, das täglich von 10 bis 12 Uhr stattfindet. Weiser ist vorwiegend für das Passspiel zuständig. Da er während seiner Spielerkarriere zwei Jahre in Frankreich gespielt hat, spricht er fließend Französisch. „Es kommt dann schon mal vor, dass ich taktischer Übersetzer für die Spieler bin”, sagt Weiser. Ein Spieler, der die Sprache des Landes lernt, in dem er Fußball spielt - das gibt es nicht oft.


Weiser ist kein Unbekannter beim FC. Seit 2009 hat er die U16-Mannschaft des Vereins trainiert. Deshalb stellt er so etwas wie die Schnittstelle zur Jugendabteilung dar. Die taktischen Schwerpunkte der Profis leitet er beispielsweise an die U19- und U21-Trainer weiter.

Auch er selbst hat schon im rot-weißen Trikot in der Bundesliga auf dem Platz gestanden. Fußball spielt er, seitdem er sechs Jahre alt ist. Angefangen hat er beim FC Hertha Rheidt, nachdem er mit seiner Familie ein Jahr nach seiner Geburt von Düren nach Niederkassel gezogen war. Mit 13 Jahren wechselte er zur C-Jugend nach Köln, spielte anschließend zwei Jahre für die Amateurmannschaft und lief von 1991 bis 1997 für die Profis auf.

Als er den Vertrag beim französischen Club Stade Rennes unterschrieb, war er 25 Jahre. „Ich hatte immer eine Affinität zu Frankreich”, sagt Weiser. Die Situation in Frankreich sei im Vergleich zu Deutschland ein Unterschied wie Tag und Nacht gewesen. „In Frankreich sind die Dinge um den Spieler nicht so wichtig. Dort steht der Spaß am Sport mehr im Vordergrund.”

Respekt vor Spieler und Trainer, Wahrung der Privatsphäre - da ist gerade Köln ein eher unruhiges Pflaster, was Fans und Medien betrifft. „Wenn man in dem Bereich arbeitet, muss man mit der Situation umgehen können”, erklärt Weiser. Von Frankreich aus ging es für Weiser über den VfL Wolfsburg zurück nach Köln. Dort kam er aber nur noch einmal zum Einsatz.

Ein Knorpelschaden und Muskelbündelriss zwangen ihn, seine Karriere als Spieler zu beenden. „Schon in Frankreich hätte ich mich gerne mit eigenen Ideen beim Training eingebracht”, erzählt Weiser. 2007 erwarb er die B-Lizenz in der Sportschule Hennef, 2008 die A-Lizenz. Er hospitierte im Trainingslager Ralf Rangnicks in Hoffenheim, sammelte Erfahrungen bei der U18 des Fußballverbandes Mittelrhein und der C-Jugend des VfL Meckenheim. 2009 übernahm er die U16 des 1. FC Köln und jetzt sitzt er samstags um 15.30 Uhr neben Stale Solbakken auf der Trainerbank. „Er ist ein Trainer, der sehr modern Fußball spielen lässt, von ihm habe ich viel gelernt.” Trotzdem will Weiser aber seinen Plan, eine Jugendmannschaft auf hohem Niveau zu trainieren, nicht aufgeben.


Patrick Weiser wurde am 25. Dezember 1971 in Düren geboren. Heute wohnt der 39-Jährige mit seiner Familie in Bornheim, zieht aber bald nach Köln. Weiser hat zwei Söhne im Alter von sechs und 17 Jahren und eine Tochter, 15 Jahre. Der älteste Sohn, Mitchell-Elijah Weiser, spielt in der Jugend des 1. FC Köln und ist U17-Nationalspieler.
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