Vettweiß - Gegner der Hähnchenmastanlage einen großen Schritt weiter

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Gegner der Hähnchenmastanlage einen großen Schritt weiter

Von: Andreas Bongartz
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Ein von der BMUV eingeholtes Gutachten weist das für die Ansiedlung einer Hähnchenmastanlage vorgesehene Gelände bei Müddersheim als „faktisches Vogelschutzgebiet” aus, wie Vorsitzender Wolfgang Mödder (Mitte) bei der Vorstellung betonte. Foto: sps

Vettweiß. Grauammer, Merlin, Korn-, Rohr- und Wiesenweihe - das sind nur kleine Vögel, aber sie könnten vielleicht verhindern, was die Vettweißer Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung und für Umweltschutz bisher nicht erreicht hat.

Laut einem von der Bürgerinitiative selbst in Auftrag gegebenen Gutachten befinden sich auf dem Gebiet der geplanten Hähnchenmastanlage bei Müddersheim Brut-, Rast-, Nahrungs- und Überwinterungsräume der Vögel, die Mastanlage könne damit nicht gebaut werden.

„Wir haben mit diesem Gutachten eindeutig einen Beleg in der Hand, dass die Anlage nicht gebaut werden darf”, zeigt sich Wolfgang Mödder, der Vorsitzende der Bürgerinitiative zuversichtlich. Schließlich befinden sich Grauammer, Korn- und Wiesenweihe auf der roten Liste der Brutvögel Deutschlands, gelten als stark gefährdet.

Das unabhängige Gutachten der Bürgerinitiative kommt daher auch zu dem Schluss, dass bei Müddersheim ein faktisches Vogelschutzgebiet bestehe.

Damit wäre zwar noch kein offizielles Vogelschutzgebiet ausgewiesen, nichtsdestotrotz gelte es, strenge Auflagen zu beachten. Jürgen Plinz vom Tierschutzverein weiß: „In einem solchen Gebiet darf nur gebaut werden, wenn ein überragendes Gemeinwohlinteresse besteht und auf keinen Fall bei wirtschaftlichen Interessen.”

„Wir haben hier eine Landschaft, die in der Region im Prinzip einmalig ist”, sagt denn auch Wolfgang Mödder. „Mit der Mastanlage wird in diese in so einem Maße eingegriffen gehen diese Vögel unwiederbringlich verloren.”

So würde die geplante Anlage die Vögel vom Brüten abhalten. Da die Mastanlage zudem keine Filteranlage vorsehe, würde es zu einer extremen Überdüngung der Landschaft kommen, die den Vögeln ihre Nahrungsgrundlage entziehe, sagt Mödder.

Vor diesem Hintergrund könne die Kreisverwaltung Düren auch keine Genehmigung für den Bau der Anlage erteilen.

Dass Grauammer, Merlin, Korn-, Rohr- und Wiesenweihe auf dem Gelände vorkommen, auf dem er seine Hähnchenmastanlage plant, bestreitet Bauherr Antonius von Geyr nicht. „Die gibt es, aber es handelt sich dabei nicht um ein Vogelschutzgebiet”, so von Geyr.

Der Bauherr hat seinerseits ein Gutachten in Auftrag gegeben, das zwar den gleichen Bestand an Flora und Fauna erfasst, allerdings zu einem anderen Ergebnis kommt: „Der Bestand hier ist schon länger bekannt. Bei der landesweiten Erhebung aller Vogelschutzgebiete wurde das Gelände aber nicht in die Liste aufgenommen.

Die Vögel, die sie hier antreffen, finden sie an jeder Stelle im Kreis. Sie sind an dieser Stelle nicht besonders gefährdet, das Gelände ist von untergeordneter Bedeutung”, so Antonius von Geyr weiter.

Ganz so einfach könne man es sich aber nicht machen, sagt Lutz Dalbeck, Ornithologe bei der Biologischen Station im Kreis Düren. „Die Bestände der Grauammer brechen zum Beispiel total zusammen.” In der Zülpicher und Jülicher Börde befänden sich 90 Prozent der landesweiten Population.

Auch wenn es bei Müddersheim kein Vogelschutzgebiet gäbe, hätte diese Vogelart absolute Priorität im Naturschutz.
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