Düren - Gefahr im Netz: Dürener Polizei warnt vor Abzockern

Gefahr im Netz: Dürener Polizei warnt vor Abzockern

Von: Ottmar Hansen
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Marion Laßka und Willi Krallmann, die Internet-Spezialisten der Polizei. Foto: Ottmar Hansen

Düren. Die Botschaft auf dem Monitor klingt dringend. Der Nachbar habe etwas Wichtiges mitzuteilen. Aber nicht etwa an der Haustüre, sondern per E-Mail im Internet. Wer jetzt denkt „Na ja, warum eigentlich nicht, wir leben ja schließlich im elektronischen Zeitalter” und sich auf den Mail-Verkehr einlässt, tappt womöglich in die Falle von gnadenlosen Abzockern.

„Die Zahl der Internetstraftaten ist steigend”, warnt Willi Krallmann vom Kommissariat Vorbeugung der Dürener Polizei. In 890 Fällen mussten die drei Experten der Kreis-Polizeibehörde für die Internetkriminalität im Jahr 2007 ermitteln.

Bis zum Oktober des abgelaufenen Jahres waren es 560 Fälle. Die letzten beiden Monate sind in der Statistik noch nicht erfasst, doch erfahrungsgemäß schlagen Betrüger und Abzocker gerade in der Vorweihnachtszeit besonders häufig zu.

Und die Täter gehen immer raffinierter vor. Sie achten inzwischen penibel darauf, dass der arglose Internetbenutzer selbst aktiv wird und sich so eigenständig in die Falle manövriert. Beispiel Post vom Nachbarn: „Nach Kontakt per Mail und Telefon mit dem Anbieter muss der Internetnutzer selbst die Seite mit den vermeintlichen Nachrichten des Nachbarn aufrufen - und geht damit einen kostenpflichtigen Vertrag mit dem Anbieter des Service ein.

„Die Leute meinen dann, sie seien betrogen worden. Doch dem ist nicht so. Sie haben meist irgendetwas angeklickt und damit bewusst einen Vertrag abgeschlossen”, kennt Krallmann die Fälle. Das Kleingedruckte in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) wird in der Regel überlesen und damit auch das rechtlich garantierte 14-tägige Kündigungsrecht.

Die erste Rechnung landet dann erst einmal im Papierkorb. Man hat ja vermeintlich nichts bestellt. Krallmann: „Erst wenn die erste Mahnung kommt, erscheinen die Leute bei der Polizei.”

Nach ähnlichem Muster gehen Anbieter von Kochrezepten, Intelligenztests oder Gewinnspielen vor. „Die Initiatoren dieser Webseiten verstecken sich. Bei unseriösen Firmen ist im Impressum meistens nur eine Adresse im Ausland angegeben. Hinter deutschen Adressen steckt oft nur ein Briefkasten, hinter Telefonnummern nur eine Bandansage”, warnt auch die Dürener Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW.

Vorsicht ist auch bei An- und Verkauf über Internetbörsen geboten. Zumindest bei höheren Beträge sollte man zum Beispiel das von ebay angebotene Treuhand-Konto nutzen, so Willi Krallmann. Selbst bei den viel aufgerufenen Internetseiten für den Gebrauchtwagenhandel gebe es schwarze Schafe. Etwa mit dieser Masche: Der Autokäufer aus England schickt einen Scheck, um den ersteigerten Wagen zu bezahlen.

Allerdings hat er eine höhere Summe eingetragen als den vereinbarten Kaufpreis. Der Käufer bittet, ihm den zu viel gezahlten Betrag zurück zu überweisen. Dieses Geld ist futsch, der Betrogene merkt es erst Tage später, wenn der Scheck aus England ungedeckt platzt.

Oberkommissarin Marion Laßka macht auf eine weitere Gefahr aus dem Internet aufmerksam: Kriminelle versuchten mit allen Tricks, an die Kreditkartendaten der Netznutzer zu kommen. Es sei deshalb einfach unerlässlich, die aktuellen Versionen des Anti-Viren-Programms auf dem Rechner zu haben. Außerdem: „Erhalten Sie eine Mail, deren Absender Sie nicht zweifelsfrei identifizieren können, sollten Sie sie umgehend löschen!”

Immerhin: Die Dürener Polizei kann eine hohe Aufklärungsrate (87,19 Prozent) bei Internetdelikten vorweisen. Den Beamten hilft dabei künftig die neue Gesetzgebung. Bei jeder Einwahl ins Netz wird vom System eine IP-Adresse vergeben. Wurde diese Adresse vom Internetanbieter bislang maximal sieben Tage aufbewahrt, so muss er sie nun ein halbes Jahr lang vorweisen können.

So lässt sich die Spur zum Betrüger leichter zurück verfolgen. Willi Krallmann warnt dennoch eindringlich: „Jeder Netzsurfer kann von Internetkriminalität betroffen sein und sollte sich entsprechend vorsichtig verhalten. Ich darf nicht glauben, nur weil ich daheim im Wohnzimmer sitze, sei ich geschützt.”

Rechnungen nicht bezahlen


Ist man unseriösen Anbietern im Internet in die Fänge geraten, rät die Dürener Verbraucherzentrale: Rechnungen sollten auf keinen Fall bezahlt werden. Der Forderung schriftlich widersprechen. Musterbriefe stellt die Verbraucherberatung im Netz unter http://www.vz-nrw.de/abzocke bereit. Brief per Einschreiben senden, damit man einen Beleg hat.

Haben Minderjährige den Vertrag abgeschlossen, sollten die Eltern dem Anbieter mitteilen, dass der Vertrag unwirksam ist.

Wer widerspricht, muss sich auf Schreiben von Rechtsanwälten und Inkassobüros einstellen. Wichtig ist: Die Unternehmen haben keinerlei Pfändungsrechte. Handlungsbedarf besteht erst, wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid per Post kommt. Vor Gericht landet jedoch kaum ein Fall.
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