Gedenken und Mahnung: Willi Gallmann erinnert sich an den 16. November

Von: Georg Neulen
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Walter Drees dirigierte den rund 80 Sänger starken gemischten Chor St. Johannes Evangelist und das Kammerorchester beim Konzert zum Gedenken an die Zerstörung Dürens am 16. November 1944. Foto: Neulen

Gürzenich. Es tut gut, dass Zeitzeugen, geschichtsbewusste Dürener, das Gedenken an die Zerstörung Dürens am 16. November 1944 wachhalten: In der Tradition der „Gürzenicher Kirchenkonzerte“ geschah dies mit musikalischer Gestaltung und Worten persönlicher Erinnerungen des Vorsitzenden Willi Gallmann.

 Er war damals sieben Jahre alt. Er verband seine Erinnerungen mit dem Text und der Musik der Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“, weil er das Erlebnis des Komponisten Rudolf Mauersberger über den Untergang der schönen Stadt Dresden am 13. Februar 1945 auf seine Heimat beziehen konnte.

Der rund 80 Sänger starke gemischte Chor St. Johannes Evangelist Gürzenich intonierte a-cappella die Klage vom natürlichen Erzählton bis zum schmerzhaften Aufschrei: „Warum, warum!“ Die Umrahmung dieses Grundmotivs entfaltete sich dank inniger Darbietungen sehr ergreifend, wie sie aus der Stille wechselnde Gefühle erregten.

Theo Palm bediente die Orgel an Spieltischen neben dem Orchester und auf der Orgelbühne, einleitend mit Robert Schumanns Fuge über Bach, op. 60 Nr. 1, dann zurückhaltend zu „Zwei geistlichen Liedern“ op. 112 von Mendelssohn Bartholdy.

Eingestimmt vom Gebetstext über die Wege des Herrn klang der tragende Tenor von Walter Drees bei „Doch der Herr, er leitet die Irrenden recht“ und zupackender bei „Der du die Menschen lässest sterben“. Das solistische Trio Melanie Boving (Sopran), Susanne Trinkaus (Violine) mit dem Continuo-Cello (Ulrike Zabelberg) bot die Händel-Arie „Süße Stille, sanfte Quelle“ glockenklar im warmherzig feinen Dialog. Die ergreifende Gesamtwirkung entstand durch die Kompositionen des Franzosen Gabriel Fauré.

Liebevolles Requiem

Für den Chor schuf er den „Cantique de Jean Racine“, in dem „Wort des Höchsten“ und „Tag des Lichts“ gefeiert werden. Sein „fried- und liebevolles“ Requiem op. 48, wie Fauré es selbst empfand, wurde bewusst als „Erinnerung, Gedenken und Mahnung“ auf die nahen und fernen Opfer des Krieges bezogen. Von allen Musikern gestaltet erklangen „Requiem aeternam“ und „Lux perpetua“, variiert mit Orgel und verteilten Chorstimmen, aufleuchtend mit Solopassagen von Sopran und Tenor.

Fauré gibt dem vollen Klang des Ensembles einen gedämpften Charakter durch seine ungewöhnliche Instrumentierung mit sechs Bratschen, vier Celli, Kontrabass, Harfe sowie je zwei Hörnern und Trompeten. Walter Drees leitete alles mit weitem Armschwung und sicherer Taktführung. So gab es zum Schluss verdient lebhaften und lang anhaltenden Beifall aus dem voll besetzten Kirchenraum.

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