Für Ladendiebe gibt es kein Pardon

Von: Ottmar Hansen
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Düren. „Kommen Sie mal bitte mit ins Büro!” Wer nach dem Passieren der Kasse im Einkaufsmarkt mit diesen Worten angesprochen wird, weiß in der Regel, dass er etwas verbrochen hat. Meist folgt der Ertappte dem Ladendetektiv unauffällig ins Hinterzimmer.

Die Alternative: Wie auf dem Präsentierteller vor anderen Kunden auf das Eintreffen der Polizei zu warten.

Insgesamt 1086 Ladendiebstähle wurden im vergangenen Jahr der Polizei im Kreis Düren gemeldet - Tendenz steigend. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, schließlich wird längst nicht jeder Dieb erwischt. Immer mehr Kaufhäuser setzen deshalb auf die abschreckende Wirkung von Ladendetektiven. So auch im Dürener StadtCenter. „Wir haben hier das offen sichtbare Sicherheitspersonal im Einsatz, aber auch Ladendetektive, die inkognito unterwegs sind”, betont Ingo Hamacher, Inhaber der Firma Hisec, die im StadtCenter für Ordnung und Sicherheit sorgt.

Wie viele Ladendiebe den Detektiven am Tag ins Netz gehen, sei unterschiedlich, so Hamacher. „Aber es gibt schon mehrere Aufdeckungen am Tag.” Gleiches gilt für andere Supermärkte in der Region. Mit der Zeit entwickelt der Detektiv einen Blick für seine Pappenheimer. Da ist der Mann, der sich in der Heimwerkerabteilung des Baumarktes einen Satz Bohrer aus dem Regal nimmt, mit dem Paket in der Hand in die Gartenabteilung geht und ohne Bohrer zurück kommt. Später im Büro wird der Dieb die Bohrer aus der Jackentasche wieder zum Vorschein bringen. Oder der groß gewachsene Kunde, der zunächst acht Leuchtmittel in seinen Einkaufswagen packt, dann aber nur mit vieren durch die Kasse geht. Auch er muss schließlich den Rest aus seinem Jacket holen.

Hausverbot fällig

„Wer durch die Kasse geht und dabei etwas nicht bezahlt, begeht einen Diebstahl”, macht Jakob de Vries unmissverständlich klar. Der Dürener war lange Zeit in verschiedenen Dürener Geschäften als Detektiv tätig. Die Rückgabe des Gestohlenen reicht dann oft nicht mehr. Es wird zusätzlich mindestens eine Bearbeitungsgebühr fällig, oft wird eine Anzeige erstattet, die dann zur Polizei weiter geleitet wird.

Im StadtCenter wird die Polizei bei jedem Fall von Ladendiebstahl gerufen. „Wir erstatten Anzeige und erteilen Hausverbot”, so Hamacher. Im Realkauf werde die Polizei aktuell nur dann hinzu gezogen, wenn der Ladendieb handgreiflich werde, erklärt Pressesprecher Markus Jablonski. Oder wenn eine ganze Bande die Regale leer räume. Ansonsten füllen Detektiv und Marktleiter die Strafanzeige aus. „Bei Vorfällen mit minderjährigen Kindern informieren wir grundsätzlich zuerst einmal die Eltern des Täters”, so Jablonski. Kinder unter 14 Jahren kommen meist ohne Anzeige davon, außer bei mehrfachem oder bandenmäßigem Diebstahl.

Niemand kann übrigens dazu gezwungen werden, den Ladendetektiv in seine Tasche sehen zu lassen. Aber dann wird automatisch die Polizei hinzu gezogen. Und die hat die Befugnis, die Tasche zu öffnen. Bis zum Eintreffen der Beamten kann der Detektiv den vermeintlichen Ladendieb festhalten. „Wie jeder andere im Laden auch”, betont Polizeisprecher Willi Joerres. „Nach Paragraf 127 der Strafprozessordnung hat jedermann das Recht, eine Person festzuhalten, die eine Straftat begangen hat - so lange bis die Polizei da ist. Da hat der Detektiv keine Extra-Rechte.” Nicht zuletzt sei das Festhalten bis zum Eintreffen der Polizei auch dann erlaubt, wenn der Dieb seine Personalien nicht herausgeben wolle, so Joerres.

Was manchmal auch zu brenzligen Situationen führen kann. „Ich hatte schon drei Mal ein Messer am Hals, einmal ist sogar auf mich geschossen worden”, erinnert sich de Vries. Die Ausreden von erwischten Ladendieben kennt der Detektiv inzwischen auswendig. „Ich habe nur vergessen, das zu bezahlen”, oder „Ach, das habe ich gestern hier gekauft und noch in der Tasche”, sind die gängigen Erklärungen.

Was besonders erstaunlich ist: Unter den erwischten Ladendieben sind oft Menschen, die den Diebstahl aus finanziellen Gründen eigentlich gar nicht nötig hätten. „Ich habe auch schon Chefärzte und Juristen überführt”, erklärt der Detektiv. Doch egal, ob arm oder reich - Diebstahl ist Diebstahl. Und deshalb gab es auch für den unlängst erwischten Lehrer kein Pardon: „Bitte folgen Sie mir ins Büro!”
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