Düren - Frivolität und Scheinmoral: Kalle Pohl begeistert beim Heimspiel

Frivolität und Scheinmoral: Kalle Pohl begeistert beim Heimspiel

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Der gebürtige Dürener Kalle Pohl und seine Schauspielerkollegen begeisterten mit dem derben Schwank „Diskretion Ehrensache“. Foto: Schmitz

Düren. Der Theaterabend im Haus der Stadt hatte einen Hauch des Verruchten. Lack und Leder auf der Bühne, die Sado-Maso-Szene hielt Einzug ins Gebäude am Rudolf Schock Platz, ohne aber zu schockieren.

Der derbe Schwank „Diskretion Ehrensache“ in der Regie von Helmuth Fuschl entpuppte sich als eine delikate Komödie nach Lewis Easterman (ein Pseudonym), die zwischen Frivolität und Scheinmoral, zwischen Komik und irrwitzigem Klamauk schwankte und bei den Texten („heißt der Hund nun Sigmar oder Gabriel und was macht die von der Leyen mit dem Zapfenstreich“) geschickt Aktuelles eingestreut wurde.

Der Vollblut-Komödiant

Im Mittelpunkt stand Kalle Pohl, der als geborener Dürener und in Merzenich aufgewachsen, ein Heimspiel hatte und vor Spielfreude sprühte.

Ein Vollblut-Komödiant im Ensemble der Komödie Düsseldorf, der in einer Doppelrolle glänzte - als schusseliger, aber bauernschlauer Zimmerkellner oder als intellektueller Ministerialrat, der außer Schmiergeld nur seine „Domina“ im Sinn hatte und im wahrsten Sinne des Wortes auf den Hund kam. Nach dem ersten seriösen Auftreten in Anzug und Krawatte mit dunkler Hornbrille folgte die „Entblätterung“, die letztlich zu einer hündischen Haltung vor seiner „Herrin“ führte. Ein bestechlicher Politiker, der zum jaulenden und hechelnden „Bello“ wurde.

Kalle Pohl verstand es, die Szene des sexuellen Würdeverlusts so zu spielen, dass er sich nicht der Lächerlichkeit preis gab, sondern mit Augenzwinkern und treuem Blick den Augenblick köstlich karikierte. Der Ministerialrat in halterlosen Strümpfen mit einem Koffer Bestechungsgeld, moralische Pervertierung im doppelten Sinne, die zu ungeheuren Heiterkeitsausbrüchen beim Publikum führte.

Zweideutig zwielichtig das Stück ohne eigentliche Handlung, dass vom fulminanten Spiel Pohls lebte, der eine Meisterleistung rasanter Verwandlungskunst ablieferte. Die Gags lebten von seiner Schnelligkeit oder der Tapsigkeit einer sehr rundlichen „Domina“ (Katrin Filzen) in lackschwarzem Latex auf High Heels, die lediglich per Zufall zur Dienstleisterin mit der Peitsche wurde und eigentlich Tierpflegerin war, aber auch im weiteren Verlauf des manchmal wirren Stückes eine gute Figur als verkleidete Nonne machte. Voyeure kamen nicht auf ihre Kosten. Die „Milieustudie“ hatte eher Eisschrank-Charakter.

Nette Auftritte hatte auch Thorsten Halmer als dünkelhafter Hoteldirektor, der Händchenaufhaltend versprach „Diskretion Ehrensache“. Das gut gelaunte und beachtlich aufspielende Ensemble der Komödie Düsseldorf ergänzte Claudia van Veen als nervige Reporterin, Roland Jankowski als Russe wie aus einem Mafia-Bilderbuch und Sylvia Schlunk als frömmelnde Ehefrau des Ministerialrats.

Insgesamt ein vergnüglicher Reigen aus Irrungen und Wirrungen, Schwindeleien und üblichen Komödien – Beigaben wie Verstecken im Schrank oder auf dem Balkon. Nicht jedermanns Sache vielleicht der Humor, aber dennoch ein flotter und amüsanter Abend mit einem viel umjubelten Kalle Pohl.

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