Freiwilligendienst: „Anderen zu helfen, macht einfach Spaß”

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
Die
Die Arbeit mit alten Menschen wie Josef Pütz macht Saskia Schmitt viel Spaß. Foto: O. Hansen

Düren. Wenn Josef Pütz, gestützt auf seinen Rollator, Schrittchen für Schrittchen den Essensraum des Hermann-Koch-Seniorenzen-trums ansteuert, wacht seine junge Begleiterin über jede Bewegung. Saskia Schmitt sorgt dafür, dass der betagte Senior wohlbehalten sein Ziel erreicht.

Die 18-Jährige leistet im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes ein Praxisjahr in der Senioreneinrichtung der Arbeiterwohlfahrt ab. Dazu gehört auch, Bewohnern wie Josef Pütz bei ihren Gängen über die Flure zu helfen. Die tägliche Arbeit mit alten Menschen macht ihr Spaß. Nach den Erfahrungen, die sie hier in den zurück liegenden Wochen gesammelt hat, steht für Saskia Schmitt fest: „Das will ich später einmal zu meinem Beruf machen.”

Mit der Abschaffung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 wurde auch die verpflichtende Alternative Zivildienst gestrichen. Ein Schlag für viele soziale Einrichtungen, die auf den kostengünstigen Einsatz der „Zivis” angewiesen waren. Der Bundesfreiwilligendienst soll helfen, diese Lücke zu schließen. Er soll möglichst vielen Menschen ein Engagement für die Allgemeinheit ermöglichen. Anders als der Zivildienst steht der Bundesfreiwilligendienst allen Männern und Frauen ab 16 Jahren ohne Altersbegrenzung nach oben offen.

Die freiwilligen Helfer verpflichten sich in der Regel für ein Jahr, möglich sind aber auch sechs oder 18 Monate. Die Freiwilligen erhalten ein Taschengeld von 330 Euro im Monat. Eigentlich wollte Saskia Schmitt nach dem Hauptschulabschluss an der Heinrich-Böll-Gesamtschule eine Ausbildung zur Erzieherin anschließen. Dann machte sie allerdings ein zweiwöchiges Praktikum im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt Im Weyerfeld in Düren.

„Die Arbeit hier hat mir so gefallen, dass ich gleich ein Jahr dran gehängt habe”, sagt die junge Frau. Und auch der Berufswunsch hat sich geändert: „Ich will jetzt Altenpflegefachkraft werden. Mit alten Menschen zu arbeiten, bereitet Freude. Ich bin jedes Mal glücklich, wenn ich jemandem helfen konnte.” Die Auswahl des Praktikumsplatzes war nicht zufällig. Schon ihr Großvater wurde im Dürener Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt mit Sitz in Köln betreut. Schmitt: „Mich hat damals der freundliche Umgang mit den alten Menschen überzeugt.”

Diese Erfahrung will Saskia Schmitt weiter geben. Von 7 bis 14 Uhr unterstützt sie die ausgebildeten Fachkräfte auf den einzelnen Stationen des Seniorenzentrums. Wie drei weitere „Bufdis” im Haus, wie die Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes liebevoll genannt werden. „Im Laufe des Jahres werden diese Kräfte durchaus die Aufgaben einer Pflegehelferin lernen und ausüben”, betont Gerlinde Kremers, die Leiterin der Einrichtung, die mit Saskia Schmitts Einsatz mehr als zufrieden ist.

Die Aufgaben der jungen Frau sind vielfältig: Dazu gehören Gespräche oder Spaziergänge mit noch „fitten” Alten, bettlägerige Senioren wollen gewaschen, angezogen und manchmal auch gefüttert werden. Auch wenn inzwischen technische Hilfsmittel die Arbeiten des Pflegepersonals erleichtern, der berufliche Alltag kann ganz schön anstrengend sein. „Doch wenn sich die alten Leute dann freundlich dafür bedanken, dass man ihnen geholfen hat, ist alles andere einfach vergessen”, sagt Saskia Schmitt und man sieht ihr dabei an, dass sie diese Aussage ernst meint.

Aber es gibt auch Erfahrungen, die Mitarbeitern in einem Altenheim nun einmal nicht erspart bleiben. Unlängst ist eine Seniorin auf der Station verstorben. Auch damit müssen nicht nur die langjährigen Fachkräfte, sondern auch die „Bufdis” fertig werden. „In dieser Situation ist der Austausch mit den Kollegen wichtig”, hat Saskia Schmitt bereits lernen müssen. Die AWO bietet ihren Kräften des Bundesfreiwilligendienstes auch aus diesem Grund regelmäßig Seminare an, in denen über Trauerbewältigung und die Verarbeitung von sonstigem Berufsstress gesprochen wird.

Bei Eltern und Freunden hat Saskia Schmitt Unterstützung gefunden, als sie sich für das Praxisjahr im Altenheim entschieden hat. Es wird ihr vermutlich aber auch den Weg in den Traumberuf erleichtern. Gerlinde Kremers: „Natürlich werden wir im Anschluss ihre Bewerbung im Fachseminar für Altenpflege unterstützen.” Dort müsste Saskia Schmitt eine dreijährige Berufsausbildung absolvieren. Womöglich wird sie bei den dabei vorgeschriebenen Praktika auch Josef Pütz wiedersehen und nach Abschluss der Ausbildung ganz als Fachkraft im Seniorenzentrum Im Weyerfeld tätig sein.

Die Einsatzbereiche sind sehr vielfältig

Nicht alle sozialen Einrichtungen in der Region Düren haben Kräfte des Bundesfreiwilligendienstes in ihrem Personal. Für den AWO-Kreisverband, der für 23 Kindergärten zuständig ist, ist der BFD gar kein Thema: „Der Verwaltungsaufwand ist zu groß”, so der Kreisvorsitzende, Johannes Veith.

Beim Rheinischen Blindenfürsorgeverein in Düren gibt es derzeit noch keine „Bufdis”, die Einstellung von einigen Kräften sei aber geplant, heißt es.

Der Bund investiert jährlich 350 Millionen Euro in den Freiwilligendienst. Während ihrer Zeit im Bundesfreiwilligendienst zahlt die Einsatzstelle für Dienstleistende Beiträge in die Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Die Einsatzbereiche sind vielfältig und reichen von der Alten- und Jugendhilfe bis hin zu Sport oder Kultur- und Denkmalpflege. Weitere Infos und die Möglichkeit, sich um einen Platz zu bewerben, gibt es auf der Internetseite des Freiwilligendienstes.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert